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Keine Schuhe und ganz wilde Schweine

Kuriose Spielabbrüche Keine Schuhe und ganz wilde Schweine

Hungrige Waldbewohner oder Autos auf dem Rasenplatz, gestohlene Schuhe oder plötzlich ­auftretender Nebel - so manches Mal müssen Fußballspiele aus kuriosen Gründen ausfallen.

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Auf manchen Plätzen sorgen mitunter Wildschweine dafür, dass das Spielfeld unbespielbar wird.

Quelle: Hartmut Berge

Bortshausen. Zart besaitet darf man als Fußballer nicht sein - als Kreisliga-Kicker schon gar nicht. Denn nicht selten müssen jene auf Rasenplätzen um Punkte spielen, auf denen Bundesligisten nicht einmal trainieren würden. Unebenheiten oder ein durchweichtes Geläuf schrecken nur die wenigsten Amateurfußballer ab. Doch manchmal wird die Grenze dessen, worauf man spielen kann, überschritten - so am vorvergangenen Sonntag in Bortshausen.

Dass die Partie zwischen dem FSV Borts-/Ronhausen und dem SV Großseelheim nicht stattfinden könnte, zeichnete sich schon zwei Tage vor dem Anpfiff ab. Eine Rotte Wildschweine hatte den am Waldrand gelegenen Rasenplatz in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auf zwei Flächen von etwa 70 und 25 Quadratmetern aufgewühlt.

Shopping statt Training: die Elf muss einkaufen

Das Ärgerliche: „Das Sportamt der Stadt Marburg hatte den Platz gerade erst repariert, weil zwei Tage zuvor schon einmal Wildschweine den Platz beschädigt hatten“, ärgert sich der FSV-Vorsitzende Thorsten Meier. „In meinem Heimatkreis Brandenburg ist das auch schon vorgekommen“, erzählt FSV-Coach Sebastian Welzel.

Und auch im Fußballkreis Marburg war eine derartige Spielabsage kein Novum. „In Elnhausen hatten wir einen solchen Vorfall schon einmal. Da war es sogar etwas schlimmer“, erinnert sich Kreisfußballwart Peter Schmidt, der am Tag vor dem Spiel als zuständiger Platzbesichtiger vor Ort war.

Weitere Beispiele für kuriose Spielabsagen im Kreis gibt es zur Genüge: Vor fast genau fünf Jahren musste der FSV Fernwald sein Hessenliga-Gastspiel beim VfB Marburg absagen. Der Grund: „Uns wurden in der Nacht vor dem Spiel die Fußballschuhe aus unserem Sportheim geklaut“, erinnert sich Dominik Völk, der seinerzeit für den FSV spielte.

Da die Partie schon drei Tage später nachgeholt wurde, war Eile vonnöten. „Wir haben das erste Training nach dem ausgefallenen Spiel ebenfalls ausfallen lassen und sind als Mannschaft Schuhe kaufen gegangen“, erzählt Völk, der mittlerweile für Eintracht Stadtallendorf spielt und damals beide Tore zum 2:0-Derbysieg des FSV im Nachholspiel erzielte - in seinen alten Schuhen, denn: „Ich hatte sie vor dem Spiel mit nach Hause genommen, weil ich von dort aus direkt nach Marburg fahren wollte.“

Vor lauter Neben die Tore nicht mehr gesehen

Keine Einbrecher, sondern der „Wettergott“, sorgte für einen Spielabbruch auf dem damaligen Hartplatz am Marburger Zwetschenweg. In der Bezirksoberliga empfingen die Sportfreunde Blau-Gelb abends den FC Cleeberg. „Es wurde von Minute zu Minute nebliger, sodass man irgendwann nicht mal mehr die Tore gesehen hatte“, erinnert sich Maurice Jauernick, der die Verbandsliga-Elf der SF BG trainiert und damals selbst spielte.

Ohne Schuhe geht es einfach nicht. Das mussten auch die Spieler des FSV Fernwald erfahren, als der Mannschaft die Schuhe aus dem Vereinsheim geklaut werden. Foto: Thorsten Richter

Quelle:

Im Hinterland kam es einmal gar erst nicht zu einem Spiel, weil beim SV Eckelshausen Spieler krankheitsbedingt ausfielen - eigentlich kein Grund, ein Spiel abzusagen. „Aber der Verein hat mir dann acht, neun Atteste vorgelegt, sodass ich das Spiel abgesagt habe“, erinnert sich Biedenkopfs Kreisfußballwart Heinz Schmidt, der damals Klassenleiter der Kreisliga A Biedenkopf war.

Keine Wildschweine, sondern offenbar „ein Jungenstreich“ war es, der laut Andreas Schütz, Fußball-Abteilungsleiter des TSV Wohratal, vor einigen Jahren dazu beitrug, dass ein Spiel in Wohratal ausfallen musste. Mit einem Auto waren Unbekannte über den dortigen Rasenplatz gefahren. „Der Platz wäre wegen des zuvor gefallenen Regens zwar ohnehin kaum bespielbar gewesen. Aber diese Aktion hat das Ganze noch mal verstärkt“, sagt Schütz.

In Bortshausen hat sich der Verein inzwischen gegen weitere tierische Attacken gewappnet: Ein Elektrozaun soll die Wildschweine vom Platz fernhalten. „Wir überlegen, diesen zumindest von August bis April dauerhaft aufgestellt zu lassen“, sagt Thorsten Meier. Diese Art des Schutzes sei „mit die Vernünftigste“, wie Rainer Hellwig meint. Er ist als Förster des Reviers Cappel für das in Bortshausen angrenzende Waldgebiet zuständig.

Allesfresser auf der Suche nach Futter

Dass Wildschweine zu dieser Jahreszeit Sportplätze heimsuchen, verwundert ihn nicht, denn: „Wir haben bei uns ohnehin einen hohen Bestand an Schwarzwild.“ Zudem suchten Wildschweine insbesondere im Frühjahr und Herbst aufgrund des geringeren Nahrungsangebots in der Natur Futter in Form von Eiweißen - also auch Käfer, Würmer oder Mäuse, nach denen sie wühlen. „Wildschweine sind nämlich Allesfresser“, erklärt Hellwig, der darauf hinweist, dass Sportplätze in Waldnähe stärker gefährdet sind.

Gespielt wird in Bortshausen in diesem Jahr wohl nicht mehr. „Wir sprechen mit dem SV Großseelheim. Ich gehe aber davon aus, dass das Spiel erst im kommenden Jahr nachgeholt wird“, sagt Meier in der Hoffnung, dass es dann wieder 20 Feldspieler, zwei Torhüter und ein Schiedsrichter sind, die den Rasenplatz einer Belastungsprobe unterziehen - einer sportlichen, versteht sich.

von Marcello Di Cicco

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