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Keine Angst vor Gewalt in Stadien

OP-Serie: (F)ansichten Keine Angst vor Gewalt in Stadien

Tausende Polizisten sind an jedem Wochenende rund um die Bundesligaspiele im Einsatz. Heimische Fans erleben kaum Gewalt in den Stadien, empfinden die Polizeipräsenz aber als angemessen.

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Berittene Einsatzkräfte der Polizei reiten beim Derby Borussia Dortmund gegen Schalke 04 vor dem Signal Iduna Park durch die Fans.

Quelle: Caroline Seidel

Marburg. Sie stehen in der Kurve - egal ob Meisterschaft oder Abstiegskampf, egal ob Sonne oder Schnee. Fans sind das Salz in der Suppe namens Fußball-Bundesliga. Gehört werden sie jedoch selten. Wenn sich Hunderttausende von ihnen am Wochenende auf den Weg quer durch die Republik machen, nehmen die meisten von ihnen die Reisestrapazen auf sich, um das eigene Team zu unterstützen und gemeinsam mit Freunden ein Erlebnis zu haben.

Hin und wieder aber kommt es auch zu unschönen Szenen. Die Bilder von Ausschreitungen und gewaltsamen Zusammenstößen prägen dann die öffentliche Wahrnehmung in den Medien und bei einem Teil der Bevölkerung. Viele Polizisten sollen daher im Umfeld der Spiele für Sicherheit sorgen. Doch wie gefährlich ist ein Stadionbesuch tatsächlich?

„Im Stadion passiert fast gar nichts mehr“, meint Werner Fleckna vom Eintracht-Frankfurt-Fanclub „Adlerhorst“. „Außerhalb ist natürlich nichts auszuschließen“. Selbst bei Spielen gegen Rivalen sei aber seit langer Zeit nichts vorgefallen. Er hofft, dass es dabei auch beim Derby gegen Darmstadt 98 am Sonntag dabei bleibt: „Das Spiel wird um 17.30 Uhr angepfiffen - danach ist es dunkel“. Rund um derartige Begegnungen ist die Gefahr von gewaltsamen Auseinandersetzungen demnach immer noch vorhanden. Auch wenn „es früher in dieser Hinsicht ganz andere Zeiten gab“, sagt Fleckna.

Einzelfälle prägen öffentliche Debatte

„Unser Fanclub fährt seit 20 Jahren zu den Spielen - Gewalt habe ich eigentlich erst einmal miterlebt“, stellt Volker Paffrath vom Borussia-Dortmund-Fanclub „BVB Express Oberhessen“ fest. Einzelne Vorfälle würden in der öffentlichen Diskussion immer wieder auch hochgepusht, der Einsatz von Pyrotechnik auch mit Gewalt vermischt. Für seinen Fanclub gelte ausdrücklich: „Gewalt hat im Stadion nichts zu suchen“ und die meisten Menschen auf der Tribüne sähen das genauso.

Fanverbände und Ultra-Gruppen kritisieren häufig die hohe Polizei-Präsenz, fühlen sich nach eigenem Bekunden davon teilweise provoziert und unter Generalverdacht gestellt. Bei als „Risikospielen“ eingestuften Aufeinandertreffen werden Auswärtsfans meist eng bewacht und mit einem hohen Aufgebot an Beamten zum Stadion geleitet. Der Grund dafür liegt in der Randale bei früheren Spielen. Dennoch betrachten Teile des Fanlagers die Polizeimaßnahmen als übertrieben und fühlen sich in ihren Freiheitsrechten eingeschränkt, wenn beispielsweise die individuelle Anreise zu den Spielen untersagt wird.

Restriktive Sicherheitsvorkehrungen sind daher oft Anlass zu Protestäußerungen in der Kurve - oder sogar zum Boykott. Zuletzt boykottierte am 8. November die aktive Fanszene des FCSchalke das Revierderby bei Borussia Dortmund. Neben strengen Auflagen rund um das Stadion war die Begrenzung des Karten-Kontingentes für die Gäste auf 4000 (statt normal 8000) der ausschlaggebende Grund.

Polizei gibt Sicherheit, auch Kinder mitzunehmen

Auch die Anhänger von Borussia Mönchengladbach hatten deswegen zuvor auf den Besuch des rheinischen Derbys in Köln verzichtet. In beiden Fällen solidarisierten sich die verhassten Fans des jeweiligen Erzrivalen mit dem Protest.

„Es macht keinen Spaß, wenn nur noch eine Seite der Fans da ist“, findet Paffrath. Der Fußball lebe schließlich von friedlicher, aber emotional aufgeladener Stimmung zwischen zwei Lagern. „Es sollte bei den üblichen zehn Prozent bleiben - für alle zwei, meint auch Helmut Schellenberg vom 1.FC-Kaiserslautern-Fanclub „Marburger Betzebuben“.

Für gewisse Einschränkungen aufgrund der Sicherheit hat er aber Verständnis. „Das muss halt sein, die Sicherheit geht vor. Gerade bei Risikospielen entfaltet die sehr hohe Polizeipräsenz ja auch eine abschreckende Wirkung.“ „Es gibt eine gewaltbereite Minderheit, daher ist es gut, wenn die Polizei vor Ort ist“, meint auch Paffrath. „Das gibt mir als Fan eine Art Sicherheit und die Möglichkeit, zum Beispiel auch Kinder mitzunehmen.“

Gemischte Gefühle haben die heimischen Fans zur Terrorgefahr, die im Anschluss an die Anschläge von Paris und das abgesagte Länderspiel in Hannover verstärkt diskutiert wurde. Alex Weber vom 1.FC-Köln Fanclub „Burgwaldböcke“ beobachtete lediglich „ein bisschen mehr Polizei am Bahnhof“. Auch die Ordnungskräfte hätten im anschließenden Heimspiel gegen Mainz etwas stärker kontrolliert. „Die Stimmung war eigentlich wie immer - von Bedenken habe ich nichts mitbekommen“, sagt er. Schellenberg pflichtet ihm bei. „Es kann im Stadion genauso etwas passieren, wie woanders auch. Davon lassen wir uns nicht beirren“. Auch Fleckna spürte keine Veränderung, Paffrath beschreibt jedoch „ein komisches Gefühl“. „Man sollte auf jeden Fall hingehen, so wie immer. Aber ganz aus dem Kopf bekommt man das nicht“.

von Peter Gassner

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