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KTV Obere Lahn krönt Saison mit Bronze

Turnen: Deutsche Meisterschaft KTV Obere Lahn krönt Saison mit Bronze

Ziel erreicht: Die KTV Obere Lahn hat im "kleinen Finale" der Deutschen Turnliga Bronze gewonnen. Angefeuert von rund 300 Fans schlug Biedenkopf die TG Saar mit 39:30 Scorepunkten. Am Rande gab es noch eine Nachricht über Andrey Likhovitskiy.

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Gemeinsam mit den Fans feiert das Team der KTV Obere Lahn die Bronzemedaille.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Karlsruhe. Kurz vor 17 Uhr heulen am Samstag in Karlsruhe Sirenen im Fanblock der Hinterländer auf, füllen Jubelschreie die Arena: Unter den Ringen bildete sich eine tanzende Menschentraube um Jasper Vennemann, der mit seiner soliden Übung und weiteren drei Scorepunkten den Sieg für Obere Lahn endgültig abgesichert hat. Schluss.

Nach einem packenden Zweikampf gegen die Turngemeinde aus Dillingen beschließen die Oberhessen ihre Saison mit dem dritten Platz. „Das ist die Krönung! Ich bin überglücklich“, betont Jakob Paulicks sichtlich gerührt. Und Vennemann findet später: „Ein hochklassiges Duell, eine enge Kiste - das hat einfach nur Spaß gemacht!“

Tatsächlich war der Ausgang des kleinen Finales bis zum letzten Gerät völlig offen. Weil dieser Wettkampf zeitgleich mit dem großen Finale stattfindet, ist die Geräteabfolge abgeändert worden. Nicht wie üblich am Reck, sondern an den Ringen fällt diesmal die Entscheidung. Bis dahin hat Obere Lahn acht Scorepunkte Vorsprung.

Doch Eugen Spiridonov und Oleg Verniaiev, derzeit einer der besten Turner der Welt, verkürzen den Rückstand der Saarländer nach Duellen gegen Fabian Lotz und Andrey Likhovitkiy auf nur noch zwei Punkte. Trainer Albert Wiemers steht nicht still. Er läuft umher, durchblättert seine Notizen und stellt im Flüsterton kopfschüttelnd fest: „Ist das spannend!“ Als dann aber Fabian Hambüchen vier Punkte gegen Waldemar Eichorn einsammelt, den Vorsprung damit auf sechs Punkte ausbaut, fällt spürbar eine Last von den Biedenkopfer Schultern.

Barren-Weltmeister Oleg Verniaiev macht schon die Runde, gratuliert jedem Gegner zum Sieg. Saar-Trainer Viktor Schweitzer erklärt: „Eigentlich wollten wir in diesem Jahr mehr erreichen, aber so geht es auch: Der vierte Platz ist kein schlechtes Ergebnis.“

Grund für die Niederlage seien letztlich Stabilitätsfehler am Pauschenpferd gewesen. „Da haben wir den Wettkampf verloren. Wenn Eichorn und Bykov durchgeturnt hätten, hätten wir nicht sieben Minuspunkte bekommen, sondern vielleicht zwei, drei Pluspunkte gemacht!“ Überhaupt zeigten beide Seiten diesmal eine Vielzahl von Fehlern. Fabian Hambüchen stellte sogar fest: „Das war unser schlechtester Wettkampf. Von Saar allerdings auch!“

Am Sprungtisch, an dem das Duell diesmal begann, brachte nur Jakob Paulicks seinen Sprung in den sicheren Stand. Waldemar Schiller setzte sich auf den Hosenboden, Ray Zapata Santana, der kurzfristige spanische Ersatz für Scott Morgan, landete auf allen Vieren und Fabian Hambüchen spurtete gar in Diskuswerfer-Manier mit mächtigen Schritten aus der Landezone heraus.

Ähnliches Bild am Boden: Dort verstolpert Zapata gleich die erste Bahn, während Schiller auf der letzten wegrutscht und auf dem Rücken landet. Doch können die Saarländer die Steilvorlagen nicht nutzen: Am Sprung startete Tobias Matzke mit einer Bruchlandung, am Boden stolpert Superstar Verniaiev gleich mehrmals. Zwar gehen beide Geräte an Saar, der Punkteüberschuss beschränkt sich jedoch auf je nur zwei Zähler.

Auf vier stabile Darbietungen von Obere Lahn am Pferd, dem vorletzten Gerät, folgen dann die besagten Absteiger von Eichorn und Bykov, die die Niederlage der Turngemeinde einleiten.

Andrey Likhovitkiy strahlt über beide Ohren. „Es ist sogar schöner Dritter zu werden als Zweiter“, sagt er, insbesondere vor dem Hintergrund des verlorenen großen Finals im vergangenen Jahr. Ihm sei bewusst gewesen, dass es ein knapper Wettkampf werden würde. Weil es aber trotz der vielen Fehler zum Sieg gereicht habe, sei er einfach „superglücklich“.

Fabian Hambüchen ist froh, dass es nach dem Sieg gegen Wetzgau überhaupt zur Teilnahme am Finale gereicht hatte. Dass den Biedenkopfern die Teilnahme am großen Finale aber verwehrt geblieben war, müsse das Team auf die eigene Kappe nehmen. „Wir hatten in der Saison knappe, teils dumme Niederlagen“, erinnert der Wetzlarer, aber: „Ende gut, alles gut!“

Anschließend kehrten die Lahnstädter ins „Badische Brauhaus“ ein. Was die große Turnfamilie dort erwarten würde, hatte Andrey Likhovitskiy schon in der Turnhalle verraten - ganz ohne Dolmetscher, mit herrlich russischem Akzent und mit geballter Jubelfaust: „P-A-R-T-Y!“

Stuttgart Doppelmeister

Der MTV Stuttgart ist Deutscher Mannschaftsmeister der Männer und der Frauen. Die Turnerinnen setzten sich mit 217,60 Punkten im Gerätevierkampf gegen die Konkurrentinnen von der TG Mannheim (202,2), dem TuS Chemnitz-Altendorf (198,8) und der TG Karlsruhe-Söllingen (195,4) durch. Beste Einzelturnerin war die Stuttgarter Nationalturnerin Kim Bui mit 55,8 Punkten.

Die Stuttgarter Männer gewannen zum ersten Mal nach 13 Jahren die deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Sie setzten sich gegen die KTV Straubenhardt mit 59:19 (341,75: 324 Wettkampfpunkte) durch. Effektivster Turner war mit 17 Scorepunkten der Brasilianer Sergio Yoshio Sasaki Jr.

Likhovitskiy soll Deutscher werden

Im Pressezentrum plauderte Fabian Hambüchen nach dem Finalwettkampf am Samstag aus dem Nähkästchen. Auf die Frage, ob er schon wisse, wie sich der KTV-Kader im nächsten Jahr zusammensetze, berichtete Hambüchen unter anderem, dass beim hessischen Innenministerium ein Antrag auf Einbürgerung von Andrey Likhovitkiy gestellt worden sei.

Der Weißrusse turnt seit 2012 in Biedenkopf und ist seit 2013 als Nachwuchstrainer bei der Kunstturnvereinigung angestellt. Mit deutschem Pass wäre der herausragende Pferdturner ein Kandidat für die deutsche Nationalmannschaft. Cheftrainer Andreas Hirsch sei „begeistert“, sagte Hambüchen.

von Benedikt Bernshausen

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