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Junges Trio stürmt in die Bundesliga

Frauenfußball Junges Trio stürmt in die Bundesliga

Seit Sommer messen sich Lisann Kaut, Vivien Reese und Annika Striepecke mit den besten Fußballerinnen Süddeutschlands. FC Bayern München oder SC Freiburg heißen seitdem die Kontrahenten des Trios.

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Lisann Kaut (von links), Annika Striepecke und Vivien Reese spielen mit dem FSV Hessen Wetzlar in der B-Juniorinnen-Bundesliga Süd.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Nach etwas mehr als der Hälfte der Saison sieht die Lage für Aufsteiger FSV Hessen Wetzlar in der B-Juniorinnen-Bundesliga Süd alles andere als rosig aus: Ein Sieg, zwei Unentschieden, sieben Niederlagen. Macht fünf Punkte und Rang neun - ein Abstiegsplatz. Ob es die Domstädterinnen in den verbleibenden acht Partien noch schaffen, die Abstiegszone zu verlassen?

„Ganz eindeutig“, sind sich die 15-jährigen Lisann Kaut aus Gladenbach, Vivien Reese aus Wetter und Annika Striepecke aus Wehrda einig. „Es läuft immer besser bei uns. In den vergangenen Spielen war es schon ganz knapp“, gibt Vivien zu bedenken.

Gegen die Bayern und Hoffenheim knapp unterlegen

Alle Punkte holte das Team des im Sommer neu gegründeten Vereins, der aus der Frauenfußball-Abteilung von Eintracht Wetzlar hervorgegangen ist, in den zurückliegenden fünf Partien vor der Winterpause. Gegen Spitzenreiter TSG Hoffenheim (0:1) und den FC Bayern München (0:2) zog der FSV dabei nur knapp den Kürzeren.

Zweckoptimismus ist es nicht, der sich beim heimischen Trio breit macht - es dürfte vielmehr die Erfahrung sein. Denn in der vergangenen Saison kämpften die Mädchen noch mit den SF BG Marburg um den Klassenerhalt in der B-Juniorinnen-Hessenliga. Trainerin Janin Philipp, die Wetzlar seinerzeit in der Hessenliga verlustpunktfrei (!) zum Aufstieg führte, lud das Trio zum Probetraining ein - Lisann, Vivien und Annika sagten zu und ließen sich auf das „Abenteuer Bundesliga“ ein.„Die Chance, in der Bundesliga zu spielen, hat man ja schließlich nicht immer“, sagt Annika - und Lisann ergänzt: „Es sind große Namen dabei, gegen die man Erfahrung sammeln kann.“

Aufregung steigt, wenn es gegen die „Großen“ geht

Allerdings! Im FC Bayern München, SC Freiburg, 1. FFC Frankfurt und der TSG Hoffenheim gehört der Nachwuchs von vier Clubs, die auch in der Frauen-Bundesliga spielen und die in „Fußball-Deutschland“ großes Ansehen genießen, der Süd-Staffel an. „Da ist man vor jedem Spiel aufgeregt“, gesteht Innenverteidigerin Lisann, die - wie ihre Mitspielerinnen - ein Erstspielrecht für das C-Junioren-Gruppenliga-Team des VfB Wetter besitzt und die neunte Klasse der Europaschule Gladenbach besucht. Vom Zweitspielrecht für Wetzlar machen die Mädchen allerdings wesentlich häufiger Gebrauch, was sich bislang bezahlt gemacht habe.

„Im Vergleich zur Hessenliga haben wir alle einen deutlichen Sprung gemacht. Wir trainieren viel im taktischen Bereich. Generell geht das Training mehr in die Tiefe“, erzählt Vivien, die als „Sechser“ eingesetzt wird. Doch die Weiterentwicklung hat auch ihren Preis: Drei- bis viermal pro Woche bittet Janin Philipp zum Training, zu dem die Mädchen gemeinsam pendeln - den Eltern und U-16-Trainer Jens Günsch, der die B-Juniorinnen-Hessenliga-Mannschaft des FSV coacht, sei Dank.

„Nach der Schule muss man schon mal schnell etwas essen, hat dann oft nur eine Stunde Zeit für Hausaufgaben. Generell hat man weniger Zeit, um sich mit Freunden zu treffen“, gibt Außenverteidigerin Annika, die schon für den FV Wehrda, RSV Roßdorf und die SF BG Marburg die Schuhe schnürte, einen Einblick in ihren Tagesablauf.

Aussicht auf ein weiteres Jahr in der Spielklasse

Doch nicht nur die Fahrt zum Training ist aufwendig. Gerade bei weiteren Auswärtsfahrten reist die Mannschaft bereits freitags an. Soll heißen: An jenen Wochenende dreht sich alles um das runde Leder - wie so oft. Denn wenn mal nicht in der Liga gespielt wird, stehen noch Einsätze mit der Regionalauswahl an.

Doch bei allem Stress betonen die Mädchen den Spaß an ihrem Hobby, der auch daher rührt, „dass man nicht so unter Druck steht. Es gibt keinen erbitterten Kampf, Stammspielerin zu werden“, betont Lisann die gute Harmonie im Team, das - bis auf drei Spielerinnen - vor der Runde fast komplett neu zusammengestellt wurde und ein großes Ziel vor Augen hat: „In der Liga bleiben“, sagen Lisann, Annika und Vivien unisono, die in der glücklichen Lage wären, den Lohn ihrer Arbeit selbst auszukosten.

Denn während viele Jugendfußballer nach erfolgreichem Aufstieg oder Klassenerhalt oft nicht in der erreichten Liga spielen dürfen, weil sie in die nächst höhere Altersklasse und damit oft in eine andere Liga wechseln, könnte das Trio noch ein weiteres Jahr das „Abenteuer Bundesliga“ genießen. „Mein Ziel ist es, irgendwann einmal in der Bundesliga zu spielen“, verrät Annika, „Nationalmannschaft muss nicht unbedingt sein.“

von Marcello Di Cicco

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