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Immer wieder "Will Grigg‘s on fire"

Maurice Jauernick bei der Fußball-EM Immer wieder "Will Grigg‘s on fire"

Das Aufeinandertreffen mit den Nordiren ist für Maurice Jauernick ein "überragendes Erlebnis" gewesen - nicht unbedingt wegen des Spiels. Gegen die Slowakei hofft er vor allem auf eines: einen deutschen Sieg.

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Gemeinsam statt gegeneinander, zumindest abseits des Platzes: Maurice Jauernick (Zweiter von rechts) und seine Freundin Nadine Matt mit einigen nordirischen Fans.

Marburg. Am Sonntagmorgen geht‘s los. 500 Kilometer sind es von Marburg in Richtung Westen quer durch Nordrhein-Westfalen und Belgien nach Lille. „Das geht, kein Problem“, sagt Maurice Jauernick, der am Mittag in der nordfranzösischen Stadt ankommen will. Im Zentrum muss er sein Voucher, quasi eine Reservierung, gegen eine reguläre Eintrittskarte umtauschen. Und dann schauen, wie er zum Stadion kommt, das etwas außerhalb liegt. „Vielleicht gibt es wieder einen Fan-Walk. Da würde ich auf jeden Fall mitlaufen.“

Vor zwei Wochen gab es einen solchen gemeinsamen Marsch der deutschen Fans zum Stadion. Damals traf die DFB-Elf in Lille auf die Ukraine, gewann ihr Auftaktspiel mit 2:0. Würde es wieder so laufen - Fan-Walk und Sieg -, Jauernick hätte nichts dagegen. Wirkliche Zweifel am Weiterkommen hat er nicht. Das Viertelfinale am nächsten Samstag in Bordeaux hat der 35-Jährige, der Joachim Löws Mannschaft mit einem „Follow My Team“-Ticket natürlich am liebsten bis ins Finale begleiten würde, jedenfalls schon fest eingeplant.

Eine etwas bessere Chancenverwertung als beim letzten Vorrundenspiel gegen Nordirland erhofft sich der Fußballer, der mit dem VfB Wetter den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft hat und zur neuen Saison Spielertrainer bei Kreisoberligist SV Beltershausen wird. Ein Stimmungsniveau wie vor, während und auch nach dem deutschen 1:0-Sieg gegen das Team von der Insel wird am Sonntag aber wohl nicht erreicht. Die Slowaken haben nicht unbedingt den Ruf der Stimmungskönige.

Gesang wird zum Ohrwurm

Auf das Aufeinandertreffen mit den Nordiren und die Atmosphäre hatte sich Jauernick schon vorher gefreut. Enttäuscht wurde er nicht: „Überragend“ sei es gewesen. Dem Gang der Anhänger vom Eiffelturm zum Prinzenparkstadion, organisiert vom Fanclub der Nationalmannschaft, schlossen sich viele Nordiren spontan an. „Alle waren ausgelassen, alles war friedlich, wir haben gemeinsam gefeiert.“ In der Arena machten die Nordiren bereits vor dem Anpfiff Stimmung, später noch mehr, besangen noch lange nach dem Abpfiff immer wieder ihren Kultspieler William Grigg, obwohl der beim Turnier noch keine Minute gespielt hat: „Will Grigg‘s on fire“. Die deutschen Fans stimmten mit ein, Jauernick selbst auch. „Da sind alle voll mitgegangen. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, erzählt er und gesteht: „Das bleibt einfach im Ohr. Ich erwische mich seitdem immer wieder dabei, wie ich die Melodie vor mich her summe.“

Am Tag nach dem Spiel in Paris reisten Jauernick und seine Freundin Nadine Matt nach Hause - anders als nach dem 0:0 im zweiten Gruppenspiel gegen Polen, als sie entspannte Tage in der Normandie verbrachten. Fußball-Stimmung dort? „Wenn man nicht wüsste, dass EM ist - dort würde man es nicht merken.“ Die WM 2006 in Deutschland wurde auch deshalb zum „Sommermärchen“, weil „überall Leute mit Trikot und Fahnen an den Autos unterwegs waren“, erinnert sich Jauernick. „In Frankreich ist das zumindest bisher nicht so.“

EM-Atmosphäre gebe es noch am ehesten an den Spielorten, wie etwa in Paris. Und eben in Lille, wo Deutschland ins Viertelfinale einziehen will. Lange dort bleiben wird Jauernick diesmal nicht: Noch am Sonntagabend fährt er die 500 Kilometer zurück nach Marburg.

von Stefan Weisbrod

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