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Immer auf den Spuren der Mannschaft

Fußball-EM Immer auf den Spuren der Mannschaft

Tickets für die EM sind heiß begehrt. Maurice Jauernick hat Karten bekommen - sogar für alle Deutschland-Spiele. Als Fan fährt der Marburger mit nach Frankreich und berichtet für die OP von seinen Eindrücken.

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Maurice Jauernick hatte Losglück und hat jetzt Karten für alle EM-Spiele der deutschen Nationalmannschaft.

Quelle: Holger Schmidt

Marburg. Fußballfans im Landkreis ist der Name Maurice Jauernick ein Begriff. Jahrelang spielte „Momo“ für die Sportfreunde Blau-Gelb Marburg, am vergangenen Wochenende verpasste er mit dem VfB Wetter auf tragische Weise den Aufstieg in die Verbandsliga, in der neuen Saison wird er Spielertrainer beim SV Beltershausen. Aber Jauernick ist selbst auch Fan. Beim Vereinsfußball von Borussia Dortmund. Bei Länderspielen drückt er Deutschland die Daumen und ist sogar Mitglied im „Fan Club Nationalmannschaft“. Gepaart mit einer Portion Losglück hat das dem 35-Jährigen nun das begehrte „Follow my team ticket“ beschert. Das bedeutet: Maurice Jauernick wird während der EM alle Spiele der DFB-Auswahl live im Stadion verfolgen. „Eine geile Sache. Ich hoffe, dass die Deutschen weit kommen“, sagt er.

Am liebsten natürlich bis ins Finale von Paris. Das wäre dann das siebte Spiel der Europameisterschaft, das er erleben würde. Die Chancen schätzt er recht hoch ein: „Die Deutschen sind ein klarer Titelkandidat und eine Turniermannschaft. Aber es kann hart werden, wenn man im Viertelfinale auf Italien treffen sollte.“ Neben den Gastgebern aus Frankreich sieht er in den Engländern einen Konkurrenten und in Belgien den Geheimfavoriten.

Fanclub-Eintritt im Jahr vor der Heim-WM

Eingetreten war Maurice Jauernick in den DFB-Fanclub im Oktober 2005, „wegen der WM“, wie er sagt. Denn schon vor dem „Sommermärchen“ brachte das Vorteile bei der Bewerbung um Eintrittskarten. Für das Achtelfinale gegen Schweden und zuvor das Gruppenspiel gegen Polen bekam Jauernick Tickets. „Das war überragend“, erinnert er sich an den 1:0-Sieg in Dortmund. „Das war ja praktisch die Geburtsstunde der ‚Mannschaft‘. So eine Stimmung habe ich danach nie mehr erlebt.“

Erlebt hat der Marburger seither dennoch einiges mit der Nationalmannschaft. Vor vier Jahren bei der EM in Polen und der Ukraine zum Beispiel das Spiel gegen Portugal. Vor allem die Reise war ein Erlebnis - eines auf das Jauernick gerne verzichtet hätte. Ein Mietwagen oder Flug war zu teuer. Also überlegte er sich mit einem Freund, einen vom Fanclub angebotenen Fernbus zu nutzen. Die Fahrt begann am Tag vor der Partie um 21 Uhr auf einem Parkplatz einer bekannten Burgerkette in Chemnitz. „Ein super moderner Reisebus“ sei versprochen worden, erinnert er sich. „Dann fuhr ein Bus mit holländischem Kennzeichen vor, der seine besten Tage schon hinter sich hatte.“ Damit dauerte es zwölf Stunden bis in die Ukraine ins mehr als 900 Kilometer entfernte Lemberg, abends mühte sich Deutschland dank Mario Gomez zu einem glücklichen 1:0 über Cristiano Ronaldo und Co. und anschließend ging es mit dem Bus wieder zurück. Fazit: „Es war eine ziemliche Tortur.“

Gebürtiger Marburger hat französische Wurzeln

Angesichts dieser Strapazen ist Maurice Jauernick froh, dass das Turnier 2016 praktisch um die Ecke stattfindet. Noch dazu, weil der gebürtige Marburger französische Wurzeln hat: Seine Mutter Martine kommt aus der Nähe von Paris. Allerdings, so gesteht „Momo“ ein: Er selbst spricht kein französisch. Weshalb er auch wenig Kontakt zur Verwandtschaft im Gastgeberland der EM hat, wenngleich er die Tanten, Onkel und Cousins schon hin und wieder besucht hat.

Jetzt geht es für ihn wieder nach Frankreich, mit dem eigenen Auto. Zunächst nach Lille, wo er mit einem Freund das erste Vorrundenspiel gegen die Ukraine schauen wird. „Ich fahre dann nach Paris weiter“, sagt Jauernick. Dahin kommt seine Freundin. Die beiden nutzen dann die freien Tage zwischen dem zweiten und dritten Gruppenspiel, die - wie praktisch! - beide in Paris ausgetragen werden, für einen Kurztrip in die Normandie.

Spaß an der Atmosphäre sollTerror-Bedenken vertreiben

Während der Vorrunde und ab dem Halbfinale hat Jauernick Urlaub. Dazwischen setzt der 35-Jährige, der bei der Continentale-Versicherung im Risikomanagement arbeitet, darauf, kurzfristig frei zu bekommen. Die Anreise entscheidet sich dann ebenso kurzfristig: „Wenn der Spielort direkt hinter der Grenze liegt, fahre ich mit dem Auto hin. Nach Bordeaux oder Marseille würde ich entweder fliegen oder mit der Bahn fahren.“

Über mögliche Terroranschläge versucht sich Jauernick so wenig Gedanken wie möglich zu machen. „Klar, die Gefahr ist da“, sagt er. „Aber das sehe ich eigentlich entspannt. Große Menschenansammlungen werde ich meiden.“ Und der Spaß soll die Bedenken vertreiben. Schließlich erinnert er sich nur zu gerne an die Atmosphäre bei der Heim-WM 2006: „Das ganze Land war euphorisch. Ich hoffe, dass es in Frankreich auch so ist.“

Besonders freut sich Jauernick auf das Nordirland-Spiel, „weil britische Mannschaften traditionell viele Fans mitbringen, die ordentlich Stimmung machen. Das wird ein Highlight.“

Was Maurice Jauernick außerdem an skurrilen, außergewöhnlichen und spannenden Geschichten in Frankreich erlebt, wird er in unregelmäßigen Abständen in der OP schildern.

von Holger Schmidt

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