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Lokalsport Im Frauenfußball weht ein frischer Wind
Sport Lokalsport Im Frauenfußball weht ein frischer Wind
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00:18 29.07.2018
Im Mai ist der 1. Frauensportclub (1. FSC) in Marburg gegründet worden. Seither trainieren rund 15 Fußballerinnen zwei Mal pro Woche im Sportpark des Gaßmann-Stadions. Quelle: Carina Becker-Werner
Marburg

Bevor montag- und mittwochabends um 19 Uhr das Fußballtraining des FSC beginnt, heißt es erst mal: einen freien Platz finden. „Wir schauen, wo wir für die erste Stunde unterkommen“, sagt Trainer Sven Kraft (40). Erst ab 20 Uhr gibt es einen Platz, der für die Fußballerinnen zur Verfügung steht, davor wird improvisiert.

Am Mittwochabend der vergangenen Woche haben die jungen Frauen im hintersten Eckchen des Sportparks ein Stück Rasen ergattert. Die Sportlerinnen üben jeweils in Zweierteams das Antäuschen und Stoppen. „Nehmt den ganzen Körper mit. Stellt euch hier eine Abwehr vor und fordert den Pass mit ­Körpersprache“, instruiert Sven Kraft die Sportlerinnen.

„Mit Frauen ist es etwas chaotischer, aber klasse“

Es ist die erste Frauenfußballmannschaft, die der 40-Jährige trainiert. Er reist dafür extra aus Fernwald an. Bislang war Sven Kraft als Jugend- und Torwart-Trainer tätig. Durch den Kontakt zu einer der Spielerinnen kam er an seine neue Aufgabe beim FSC. „Mit Frauen ist es ­anders, etwas chaotischer, aber klasse“, sagt der Trainer und schmunzelt. „Denkt an die offene Körperhaltung – eine Schulter zum Tor, die andere zur Mitspielerin“, ruft er den Spielerinnen zu.

In der ersten Mannschaft zu spielen, im Mittelpunkt des neu gegründeten Clubs zu stehen – das kommt bei den jungen Sportlerinnen gut an. „Ich finde es super, dass die Strukturen noch nicht so fest entwickelt sind. Wir haben viel Mitspracherecht im Verein, unsere Wünsche werden gehört“, sagt Spielerin ­Sarah Schönwald (25), die in Marburg studiert und aus Warstein kommt.

Seit der Vereinsgründung ist die 25-Jährige mit dabei – und wie die meisten Frauen der ersten und bislang einzigen FSC-Mannschaft spielte sie vorher in der dritten Mannschaft von Blau-Gelb Marburg. „Hier haben wir bessere Möglichkeiten und werden stärker gefördert“, sagt die 25-Jährige, die sich als Mitglied der dritten Mannschaft bei Blau-Gelb eher überflüssig fühlte.

Hintergrund: Trainingszeiten

Als Trainingszeiten hat die Stadt Marburg dem neugegründeten FSC den Mittwoch- und Freitagabend, jeweils ab 20 Uhr, als Termin zugewiesen. Derzeit wird aber montags und mittwochs trainiert, jeweils ab 19 Uhr.

Im neugegründeten Verein engagiert sich Wolfgang Richter als Abteilungsleiter Fußball. „Warum sollte es nur einen Verein in Marburg geben, der Frauenfußball anbietet – es gibt ja auch etliche Vereine für Männerfußball?“, sagt er über die Diskussion rund um die Vereinsgründung. Frauenfußball boome­ schließlich – in der Regions-Oberliga Gießen-Marburg hätten sich für die kommende Saison 24 Mannschaften gemeldet.

Im Vorjahr seien es nur 18 gewesen. Mit dabei sein will auch das neue Marburger Team. „Klar, wir haben Ambitionen, wollen gut sein“, sagt Spielerin Sarah Schönwald, „aber jetzt geht es erst mal darum, dass wir uns als Mannschaft finden. Der Team-Geist ist jedenfalls schon mal gut“, freut sie sich.

Auch Carolin Holl gehört zu den Spielerinnen, die von Blau-Gelb Marburg zum FSC gewechselt sind. „Das Training hier finde ich viel fordernder als in meinem alten Verein – aber ich bin jetzt auch viel motivierter“, sagt die 24-Jährige, die fürs Studium von Bad Hersfeld nach Marburg gezogen ist.

„Natürlich wollen wir was erreichen“

Auf die ersten Spiele gegen andere Mannschaften freut sie sich, „natürlich wollen wir sportlich was erreichen“, sagt Carolin Holl. Es sei aber noch zu früh, um konkrete Ziele zu benennen, findet die Fußballerin und kickt ihrer Spielpartnerin schwungvoll den Ball zu.

Die jungen Sportlerinnen trainieren in wechselnder Mannschaftsstärke. Um die 15 Frauen sind immer mit dabei, „es waren aber auch schon bis zu 18 Spielerinnen beim Training“, ­berichtet Sven Kraft.
Die Fußballerinnen sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Neuzugänge sind immer erwünscht, „einfach zum Training kommen und mal reinschnuppern“, rät Wolfgang Richter.

Doch bevor die ersten Turniere gespielt werden, soll es in der neuen Marburger Frauenfußballmannschaft vor allem ­darum gehen, „dass die Mädels ­ihren Spaß am Sport haben“, sagt der Abteilungsleiter. Er schaut bei jedem Training vorbei, um zu sehen, wie die Mannschaft sich macht. „Meine aktive Fußballerzeit liegt lange zurück, aber wenn es hier um Taktikfragen geht, höre ich ganz ­genau zu, man kann immer noch was dazulernen“, verrät Wolfgang Richter.

von Carina Becker-Werner