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Im Dienste von Nadal, Djokovic und Co.

Marburger auf ATP-Tours Im Dienste von Nadal, Djokovic und Co.

Es gibt Dinge, die nicht käuflich sind, sondern nur mit Anstrengung und Hingabe verdient werden. Dazu gehören Liebe und Freundschaft und auch die Teilnahme als Schläger-Bespanner bei renommierten Tennisturnieren.

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Dirk Partsch mit dem deutschen Tennisprofi Dustin Brown vor einer Bespannungsmaschine.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Eben diese Funktion hatte der Marburger Dirk Partsch beim ATP-Turnier „Qatar Exxon Mobil Open 2016“ inne. Dafür reiste er am 30. Dezember letzten Jahres an den Persischen Golf nach Doha, Hauptstadt von Katar, um dort die Schläger der Tennis-Elite zu besaiten. Unter anderem nahmen die Tennisstars Novak Djokovic und Rafel Nadal an dem Wettkampf teil.

Das jährliche Turnier in Doha ist Teil der „ATP-World Tour“, zu der auch die prestigeträchtigen Grand-Slam-Turniere in Melbourne, Paris, London und New York gehören. Bereits beim hochkarätig besetzten ATP-Turnier „Am Rothenbaum“, das jährlich in Hamburg steigt, war Partsch 2015 als Bespanner tätig. „Doha ist natürlich nochmal eine Nummer größer“, meint der 48-jährige Marburger.

Einladung kam von Saitenhersteller

Den Trip nach Nahost hatte er vor allem Mark Holldorf zu verdanken, der für den Tennissaiten-Hersteller „Tecnifibre“ arbeitet. Holldorf hat bereits als Bespanner bei mehreren Grand-Slam-Turnieren gewirkt und ist laut Partsch eine „absolute Koryphäe und einer der Besten der Welt“.

Holldorf war es, der den Marburger nach Doha einlud. „Auch wenn ich mir dafür Urlaub nehmen musste, habe ich ohne großes Grübeln zugesagt“, erinnert sich Partsch. Bis zum 9. Januar dieses Jahres, der letzte Turniertag, arbeitete Partsch in Doha. Kosten musste er keine tragen, und das katarische Organisationskomitee des Turniers ließ sich nicht lumpen: Der Flug, mit „Qatar Airways“, wurde bezahlt. Während seines Aufenthalts stand dem Marburger Tag und Nacht ein Chauffeur zur Verfügung, und der 48-Jährige übernachtete im luxuriösen Marriot Hotel - 300 Euro pro Nacht.

Allerdings kam der Marburger kaum in den Genuss des Komforts und sah ansonsten auch nicht viel von der Metropole am Persischen Golf.

„Es war sicherlich kein Urlaub im herkömmlichen Sinne“, sagt der 48-Jährige und lacht. Fast jeden Tag arbeitete er von 9 Uhr morgens bis 4 Uhr nachts. Über zu wenig Arbeit konnte er nicht klagen.

20.000 Schläger bespannt

Gleiches gilt für seinen regulären Job im Cappeler „Sporttreff“. Rund 20000 Schläger habe er in seinen 16 Jahren als Filialleiter bespannt. Laut Partsch bäten Kunden oft, dass er ihre Schläger höchstpersönlich bespannen möge. In Tenniskreisen eilt ihm sein Ruf eben voraus. Freilich müssen die Kunden den Bespann-Service bezahlen. Für seine Arbeit in Doha erhielt er kein Geld.

Beim Tennisturnier war sein Arbeitsplatz, die sogenannte „Players Lounge“ auf dem Turniergelände, eine Art Aufenthaltsraum für die Spieler. Zusammen mit Holldorf arbeitete er dort mithilfe von Bespannmaschinen an den Schlägern der Turnierteilnehmer. „Dirk ist ein Teamplayer durch und durch und ein verlässlicher und sorgfältiger Profi an den Bespannmaschinen“, meint Holldorf. Verlässlichkeit und Sorgfalt hatten höchste Priorität. Denn für die Sportler ging es um horrende Preisgelder. Allein Turniersieger Novak Djokovic kassierte für den Turniersieg mehr 200000 US-Dollar. Insgesamt wurden mehr als 1,1 Millionen an Preisgeldern ausgezahlt.

Wer glaubt, dass jeder Schläger gleich besaitet wird, liegt falsch. Jeder Spieler gibt dem Bespannungsteam akribisch vor, wie seine Schläger zu besaiten sind: Wie dünn oder dick die Saiten sein sollten, und mit welcher Bespannungshärte sie gezurrt sein sollten. Alles entscheidende Nuancen, die Schlagkraft und Kontrolle beim Tennisspielen beeinflussen. „Wenn es um so viel Geld geht, ist es natürlich schlecht, wenn ein Spieler der Meinung ist, dass seine Schläger nicht perfekt besaitet gewesen sind“, sagt Partsch. Was ihre Tennisschläger angeht, seien alle Spieler penible Perfektionisten, so Partsch. Fehler beim Besaiten seien also quasi verboten. In der Players Lounge wurde jedoch nicht nur gearbeitet: Dort gab sich auch die Elite der Tennis-Weltrangliste förmlich die Türklinke in die Hand. Häufiger Gast war der spanische Tennisstar Rafael Nadal. „Er hat in seiner Freizeit und vor jedem seiner Matches viel Darts gespielt, um sich zu entspannen“, erzählt Partsch.

„Ein cooler Typ“

Auch den deutschen Tennisspieler Dustin Brown, der in der ersten Turnierrunde gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic ausschied, lernte er kennen. „Ein absolut cooler Typ. Nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, dass ich ihn schon seit zehn Jahren kennen würde“, sagt Partsch über Brown. Nicht nur mit ihm ließ sich Partsch fotografieren: Stolz zeigt er Fotos vor, auf denen er Seite an Seite mit Nadal, Novak Djokovic und dessen Trainer Boris Becker steht.

Was bleibt Partsch nach elf Tagen in Katar? Eine Erfahrung, die man mit Geld nicht kaufen könne. Außerdem habe er den „Lohn für die Arbeit“ am letzten Turniertag erhalten: „Djokovic und Nadal haben sich bei Mark und mir persönlich für den tollen Service bedankt. Solche Komplimente sind einfach unbezahlbar.“

von Benjamin Kaiser

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