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Hiobsbotschaft für die "Söldner"

American Football Hiobsbotschaft für die "Söldner"

Beim Auftaktsieg der Marburg Mercenaries in der German-Football-League-Saison 2016 verletze sich Spielertrainer Sam Weiss schwer. Football wird er 2016 nicht mehr spielen - vielleicht nie wieder.

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In guten Händen: Sanitäter bringen Mercenaries-Spielertrainer Sam Weiss zum Krankenwagen.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Es war eine Szene, die selbst bei einem Kontaktsport wie American Football selten ist: Beim 27:15-Sieg der Mercenaries gegen die Rhein-Neckar Bandits am Sonntag wurde Sam Weiss, Linebacker und Defensive Coordinator der „Mercs“, von Sanitätern auf eine Trage gehievt. Er trug eine Halskrause, als er mit Applaus und stehenden Ovationen der Zuschauer aus dem Georg-Gaßmann-Stadion verabschiedet wurde. Der „Söldner“ wurde ins Marburger Universitätsklinikum gebracht, wo Ärzte Verletzungen am fünften und sechsten Halswirbel feststellten. Eine Verletzung, die für Weiss das Karriereende bedeuten könnte. Klar ist jedenfalls: 2016 wird er nicht mehr spielen.

„Knapp an einer Querschnittslähmung vorbei“

Der US-Amerikaner aus New Jersey befindet sich zurzeit noch im Uniklinikum. Dort wurde er am Montag operiert. „Die OP ist gut verlaufen und Sam ist ansprechbar. Ihm geht es den Umständen entsprechend gut“, ­informierte Mercenaries-Präsident Carsten Dalkowski und sagte: „Die Nerven in der Wirbelsäule haben anscheinend keine bleibenden Schäden erlitten.“

Anja Schäfer, Teammanagerin der „Söldner“, war bei Weiss‘ Behandlung am Sonntag an der Seitenauslinie des Georg-Gaßmann-Stadions dabei, hat den Verletzten bereits mehrmals im Krankenhaus besucht und mit dem zuständigen Krankenhauspersonal gesprochen: „Es war knapp an einer Querschnittslähmung vorbei. Wenn unsere medizinischen Betreuer nicht so gut reagiert hätten, würden wir über eine weit schlimmere Verletzung sprechen“, sagte sie. Der Spielertrainer hatte offenbar Glück im Unglück.

Vermissen werden die „Mercs“ den Linebacker nicht nur aufgrund seiner Qualitäten auf dem Feld. Während ihn Jonas Beckmann als einen „Teamkollegen, wie man ihn sich wünscht“ bezeichnete, sprach auch Head Coach Matthias Dalwig in höchsten Tönen vom US-Amerikaner: „Er ist top organisiert und verlässlich. Ein Spieler mit Führungsqualitäten.“

Weiss‘ Bruder reiste gestern aus den USA nach Marburg und besuchte den Verletzten im Krankenhaus. Seine Teamkollegen durften bisher noch nicht zu ihm.

Laut Dalkowski werde Weiss wohl noch bis Ende dieser Woche im Krankenhaus bleiben. Allerdings vermutete Dalkowski, dass Weiss am Sonntag im Georg-Gaßmann-Stadion sein werde, wenn die „Söldner“ die Saarland Hurricanes empfangen. „Vielleicht schon dann als Trainer. Aber wir werden ihm natürlich so viel Zeit geben, wie er braucht“, meinte Dalkowski. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus soll Weiss in Marburgs Defensive weiterhin den Ton angeben - als Trainer von der Seitenlinie aus.

Weiss‘ sportliche Zukunft ist unklar. „Bei derartigen Verletzungen stellen es die Ärzte dem Spieler frei, ob er wieder spielt oder nicht. Es kann aber sein, dass Sam nie wieder Football spielen wird. Das entscheidet er“, meint Dalkowski.

„Mercs“ suchen in den USA nach Ersatz

Die gleiche Verletzung wie Weiss erlitt Cesare Vanucci, Linebackers bei den „Mercs“, vor rund drei Jahren an der Brustwirbelsäule. Das Mercenaries-Urgestein entschied sich, weiter Football zu spielen. „Wenn meine Verletzung auch am Hals gewesen wäre, dann wäre mir die Entscheidung schwerer gefallen“, gesteht er.

Ursprünglich war geplant, dass in den kommenden Wochen ein weiterer US-Amerikaner für die Offensive Line verpflichtet wird. Doch laut Dalwig seien die Marburger nun auf der Suche nach einem Defensivspieler. Denn der Ausfall von Sam Weiss hat in der Verteidigung eine Lücke hinterlassen, die es zu stopfen gilt. „Auf solche Situationen kann man sich nicht vorbereiten. Jetzt sind wir ein wenig unter Zugzwang“, machte Dalwig deutlich. Dass der Verein bis zum nächsten Spiel am Sonntag Ersatz gefunden haben wird, hält Dalwig jedoch für unwahrscheinlich.

Wenn der Club ebenbürtigen Ersatz findet, und sich Weiss nach seiner Rückkehr zum Team auf das Coaching konzentrieren kann, könnte das die Marburger Verteidigung sogar verbessern. Denn Spielertrainer können selten gleichzeitig auf hohem Niveau spielen und coachen.

von Benjamin Kaiser

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