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Lokalsport Happy End fehlt am Tag der Premieren
Sport Lokalsport Happy End fehlt am Tag der Premieren
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19:15 13.05.2018
Kassels Tim Philipp Brandner (links) grätscht Eintracht-Außenverteidiger Kristian Gaudermann ab. Quelle: Marcello Di Cicco
Kassel

Es war ein eigenartiges Bild, das sich bei herrlichem Fußballwetter den 4900 Zuschauern im Auestadion bot, als am Samstag um 15.47 Uhr die Spielzeit für beide Teams beendet war.

Obwohl sich Sebastian Schmeer erst kurz zuvor, in der 92. Minute, durchs Zentrum getankt und flach zum 3:2-Sieg abgeschlossen hatte, herrschte bei den „Löwen“ nach dem Schlusspfiff Ernüchterung pur - und zwar wegen des zeitgleichen 4:0-Erfolgs der TuS Koblenz gegen die SV Elversberg, wegen dem Kassel als Tabellen-16. die Runde abschließt und damit nur dann die Klasse hält, wenn sowohl der 1. FC Saarbrücken als auch der SV Waldhof Mannheim den Aufstieg in die 3. Liga schaffen.

KSV-Trainer Cramer hofft noch auf Rettung

„Der Sieg war etwas zäh. Aber es gehört auch ein guter Gegner dazu, um zäh zu werden“, sprach Kassels Coach Tobias Cramer nicht nur den Gästen, sondern auch seinen Schützlingen für 28 Punkte in der Rückrunde ein Lob aus - wenngleich der 41-Jährige wusste: „Die Wahrscheinlichkeit ist relativ gering, dass es zwei Aufsteiger aus der Regionalliga Südwest werden. Aber wie wir Westfalen sagen: ‚Man hat schon Pferde kotzen sehen‘“, sagte der Coach und lächelte.

Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja wünschte „Hessen Kassel und vor allem Tobi, der eine ehrliche Haut ist, sowie den paar Jungs, die ich noch aus meiner Zeit in Schwalmstadt kenne, alles Gute und dass sie die Klasse halten“, gab der Kroate seinem Trainerkollegen bei der Pressekonferenz mit auf den Weg, dessen Ziel erst nach den Aufstiegsspielen zur 3. Liga am 27. Mai feststeht.

Williams‘ neuer Vereinsteht noch nicht fest

Die Relegationen der oberen­ Profiklassen dürfte auch Del-Angelo Williams verfolgen, der in seinem letzten Spiel für die Eintracht auf 1:2 verkürzte, als der Stürmer einen Freistoß an der Mauer vorbei ins Torwarteck zirkelte und so zu seinem 14. Saisontor kam, das ihm Rang fünf in der Torjägerliste einbrachte (74.). Zu welchem Profiklub es ihn zieht, wollte der 24-Jährige nicht verraten. „Es fehlt noch die Unterschrift“, begründete Williams, der von einem „wunderschönen Jahr“ sprach und seinem Trainer dafür dankte, „dass er mir vor vier Jahren die Chance gegeben hat, mich zu zeigen“.

Statistik

Hessen Kassel - Eintracht Stadtallendorf 3:2 (1:0)

Tore: 1:0 Tim Philipp Brandner (24.), 2:0 Sebastian Schmeer (54.), 2:1 Del-Angelo Williams (74.), 2:2 Valon Ademi (87.), 3:2 Schmeer (90.+2). KSV Hessen Kassel: Hartmann - Schmik, Mimbala, Albrecht, Korb - Brill - Dawid (71. Leinhos), Schwechel (80. Evljuskin), Bravo Sanchez (84. Baumgarten), Brandner - Schmeer. Eintracht Stadtallendorf: Bachmeier - Gaudermann, Vidakovics, Völk, Dinler - Abdel-Ghani, Baltic - Zildzovic (62. Geljic), Vier (62. Ademi), Suero Fernandez - Williams (79. Michel). Schiedsrichter: Marcel Göpferich (Bad Schönborn). Gelbe Karten: Brill / - . Zuschauer: 4900. Beste Spieler: Schmeer, Brandner, ­Dawid / Dinler, Suero Fernandez.

Dass bei den Herrenwäldern gegen den mit Anpfiff engagierteren KSV nicht allzu viel zusammenlief, „sollte man nicht überbewerten. Wir haben rotiert, da war nichts Eingespieltes“, gab Williams zu bedenken. So hütete Manuel Bachmeier­ erstmals den Kasten. Der Ersatzkeeper machte beim 0:1 eine unglückliche Figur, als sein flacher Befreiungsschlag am eigenen Mann abprallte und vor den Füßen von Schmeer landete. Dieser legte auf Tim Philipp Brandner quer, der zur Führung einschob (25.).

Bachmeier wohl letztmals im Eintracht-Tor

„Es hat mich sehr gefreut, dass ich diesen Einsatz über das ­gesamte Spiel bekommen habe.­ Regionalliga ist einfach geil“, sagte Bachmeier, für den es wohl ebenfalls der letzte Einsatz im TSV-Trikot war. Sein Wechsel stehe „ziemlich sicher“ fest, verriet der Neustädter - mehr aber nicht. Dass Bachmeier, Williams oder Dominik Völk (zum FSV Fernwald) ihr Abschiedsspiel von Beginn an erhielten, begründete Sicaja so: „Diese Jungs haben drei, vier Jahre für den Verein die Knochen hingehalten, deswegen wollten wir sie mit Anstand verabschieden.“ So gönnte Sicaja auch dem 20-jährigen Milano Michel vor dessen Weggang noch seine ersten 13 Regionalliga-Minuten.

Weniger Glücksgefühle als Valon Ademi, dem - mit einem sehenswerten Chip-Ball von Israel Suero Fernandez in Szene gesetzt - mit einem ebenso schönen Heber sein erstes Regionalliga-Tor und zugleich der zwischenzeitliche Ausgleich gelang (87.), hatte Amar Zildzovic, dessen Kopfball nur am Innenpfosten landete (35.). Erst nach dem 2:0, als bei den Gastgebern ob des ernüchternden wie deutlichen Zwischenstandes im ­Parallelspiel in Elversberg die Köpfe runtergingen, schwamm sich die jederzeit gut kämpfende Eintracht frei und verbuchte mehr Spielanteile.

Nach dem Schlusspfiff feierte das TSV-Team, das die Runde auf dem starken zwölften Tabellenplatz abschließt, ausgiebig mit seinen zahlreich mitgereisten Fans, die sich etwas Häme für die „Löwen“ nicht verkniffen, als sie „Hessenliga - Kassel ist dabei“ anstimmten. Ein Szenario, das alles andere als unrealistisch ist.

von Marcello Di Cicco