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Hambüchen-Team fehlt das Glück

Saisonrückblick Hambüchen-Team fehlt das Glück

Der Sturz von Fabian Hambüchen im entscheidenden Wettkampf stand sinnbildlich für die Saison der KTV Obere Lahn: So nah dran am Einzug ins kleine Finale um Bronze - und auf den letzten Metern gestrauchelt.

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Der Olympiasieger in seinem Element: Fabian Hambüchen turnte gegen Wetzgau und die Siegerländer KV überzeugend am Reck. Es reichte dennoch nicht zu Platz vier.

Quelle: Michael Hoffsteter

Biedenkopf. Will man die Bundesliga-Saison der Hinterländer Kunstturner Revue passieren lassen, reicht die Analyse des entscheidenden Wettkampfs um Platz vier und damit um den Einzug ins kleine Finale um Bronze aus. „Dieser Moment spiegelt die Saison wider“, fasste es Fabian Lotz treffend zusammen, als er nach dem 39:40 gegen die Siegerländer KV wie ein Häufchen Elend auf einer Holzbank saß. „Wir hatten nicht so megaviel Glück. Deswegen passt es, wie es am Ende ausgegangen ist.“

Manche Wertungen schienen fragwürtig

Nein, vom Glück war die KTV Obere Lahn wahrlich nicht begünstigt. Vieles ging in den entscheidenden Situationen schief, teils waren es eigene Fehler, teils Personalprobleme, teils schwer nachvollziehbare Wertungen der Kampfrichter. Da lag die heimische Kunstturnvereinigung nach dem Boden schon mit 0:14 hinten, auch weil Artur Davtyan sein Duell gegen Philipp Herder unverständlicherweise mit 0:3 Scorepunkten gewertet bekam. Einmal war der Armenier zwar übergetreten, aber die Wertung erschien dennoch fragwürdig. Gleiches galt für das Duell von Jakob Paulicks gegen Kanji Oyama am Reck, das nachträglich von 1:0 auf 0:0 korrigiert wurde. „Da haben wir den Jakob deutlich vorne gesehen. Wir haben schon gedacht: ein Punkt - oh, das ist wenig“, sagte KTV-­Taktikchef Felix Wiemers. Dann sei es gar auf 0:0 geändert worden. „Da muss man schon erst einmal ein bisschen ­schlucken.“

Auf die Wertungen allein wollten es die Hinterländer dann aber nicht schieben, warum es nicht zum Sieg gegen die Siegerländer gereicht hatte. „Heinz Rohleder versteht das vielleicht in anderen Konstellationen auch nicht“, deutete KTV-­Cheftrainer Albert Wiemers an, dass der Sportliche Leiter des Gegners möglicherweise auch einige Duelle anders beurteilt hätte. „Deswegen muss man da fair sein.“

Eigene Patzer trugen ebenso zur Wimpernschlagniederlage bei. So war es Fabian Hambüchen, der am Sprung seinen Abgang nicht stehen konnte, was sein Team bei der Aufholjagd zurückwarf. Ausgerechnet Hambüchen! Der Olympiasieger am Reck war der große Hoffnungsträger, als er zu Beginn dieser Saison vom MTV Stuttgart nach Biedenkopf zurückkehrte, um mit seinen Freunden Spaß zu haben und an alte Erfolge anzuknüpfen.

Rio-Goldmedaille ist Fluch und Segen zugleich

Doch die Goldmedaille von Rio erwies sich für die KTV als Fluch und Segen zugleich. Selbstverständlich war Hambüchen das Zugpferd. Mit ihm waren die Wettkämpfe gegen Wetzgau (in Marburg ausgetragen) und die Siegerländer KV ausverkauft. Eine riesige Welle der Sympathie und Begeisterung schlug dem 29-Jährigen entgegen. Gleichzeitig war Hambüchen woanders ein gefragter Mann - Fernsehauftritt hier, Bambi-Gala da. Zum Training kam der Star, der seine internationale Karriere beendet hatte, kaum noch. Wofür bei der KTV Obere Lahn aber alle Verständnis hatten. Trotzdem: „Dass wir ganz am Anfang der Saison in Stuttgart Fabian nicht dabei hatten, hat eine Rolle gespielt“, sagte Albert Wiemers. Bei der Niederlage in Cottbus fehlte Hambüchen zudem krankheitsbedingt. All das trug zum Abschneiden bei, ebenso der Ausfall von Seitpferdspezialist Sebastian Quensell wegen einer Magen-Darm-Grippe gegen die Siegerländer.

Dass Nick Klessing im entscheidenden Wettkampf überdies einer Einladung des Deutschen Turnerbundes zum Weltcup nach Cottbus folgen musste, war ein weiterer mitentscheidender Rückschlag im Rennen um Rang vier. „Wäre Nick hier gewesen, hätten wir größere Chancen gehabt. Er ist jemand, der uns am Boden und Sprung enorm gefehlt hat“, sagte Albert Wiemers. Und an den Ringen ohnehin - da wurde der Jugendeuropameister in Cottbus starker Dritter.

Philipp Wiemers treibt Kaderplanungen voran

So blieb es bei den beiden Saisonsiegen gegen den TSV Monheim und Absteiger Wetzgau, was letztlich Platz sechs bedeutete. „Da waren gewisse Situationen, wo es nicht sein sollte. Das hat sich durch die ganze Saison gezogen“, sagte Hambüchen-Kumpel Fabian Lotz. „Was richtig gut war, was die letzten Jahre ein bisschen gefehlt hat: Dass wir uns trotzdem gepusht haben, immer an uns geglaubt haben. Das hat in dieser Saison richtig Spaß gemacht. Diesen Schwung nehmen wir einfach mit für das nächste Jahr und dann schauen wir mal, ob es für das Finale reicht.“

Der KTV-Vorsitzende Philipp Wiemers will das Seinige dazu beisteuern. „Wir sind schon relativ weit“, verriet er zu den Kaderplanungen. Waldemar Schiller beendete seine Karriere, ob Hambüchen weitermacht, ist noch offen. Weitere Abgänge sind nicht geplant. Neuzugänge könnten schon nach dem Ligafinale, bei dem am 3.Dezember Straubenhardt und die TG Saar um die Deutsche Meisterschaft turnen, feststehen.

von Holger Schmidt

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