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Gordzielik rutscht Titel aus der Hand

Strongman-Sport Gordzielik rutscht Titel aus der Hand

Die Qualifikation für die Champions League im Strongman-Sport war nur ein schwacher Trost. Lieber wäre Raffael Gordzielik Deutscher Meister geworden.

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Beim Lkw-Ziehen legte sich Raffael Gordzielik (gelbes Shirt) mächtig ins Zeug. In dieser Disziplin hat er sich für die EM qualifiziert.

Quelle: Lisa Bauer/GFSA

Ruhpolding. Es war die Saison der verpassten Chancen für Raffael Gordzielik. Sinnbildlich dafür stand die letzte Disziplin im vierten und letzten Strongman-Wettkampf der Saison: Gordzielik hat einen knappen Vorsprung vor dem bayerischen Titelverteidiger Andreas Altmann. Beide treten direkt gegeneinander an, es geht um die Deutsche Meisterschaft. „Wheel Flip“ steht auf dem Programm. Heißt: Ein riesiger, 360 Kilogramm schwerer Reifen muss achtmal aufgestellt und wieder umgeworfen werden. „Bis zum sechsten Flip lag ich noch vor Altmann“, erzählt Gordzielik, der in Marburg Jura studiert hat und früher bei den Mercenaries Football spielte. Dann passiert das Missgeschick: „Beim siebten Flip ist mir der Reifen abgerutscht, er hat angefangen zu eiern. Altmann hat das gnadenlos ausgenutzt und mich überholt.“ Platz zwei. Wie im Vorjahr.

Bei den „Atlas Stones“ fehlen 0,06 Sekunden

Dabei hatte sich der Gießener Referendar vorgenommen: In dieser Saison packe ich ihn. Daraus wurde nichts. „Die ganze Saison lief so, dass ich teilweise mit einem Punkt verloren habe“, ärgert sich der 31-Jährige. Ein Punkt ist im Strongman-Sport gleichbedeutend mit einer Platzierung in einer Disziplin. Da hätte es für den Titelgewinn gereicht, wenn Gordzielik beim Wettkampf zuvor in Bleibach die „Atlas Stones“ für sich entschieden hätte. Doch Altmann war beim Stapeln der dicken, schweren Kugeln wieder schneller - um 0,06 Sekunden! Ein Wimpernschlag!

Im vergangenen Jahr musste Raffael Gordzielik mit einem großen Handicap antreten. Er hatte sich kurz vor dem Finale um die Deutsche Meisterschaft einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen. Auch dieses Mal lief die Vorbereitung nicht reibungslos. Bei einem Teamwettkampf, den er mit Dennis Kohlruss in Ungarn bestritt, „ist mir ein Baumstamm gegen den Oberschenkel geflogen“. Nun muss man wissen, dass diese Baumstämme aus Metall sind und 135 Kilogramm wiegen. Eine starke Einblutung ließ Gordzieliks Knie anschwellen, er konnte die Beine bis drei Tage vor der Deutschen Meisterschaft nicht richtig beugen.

Qualifikation für die EM im Lkw-Ziehen geschafft

Das allerdings war nicht der Grund, warum es nicht zum Titel reichte. Schließlich hatte er es bei der letzten Disziplin selbst in der Hand. Zum Auftakt wurde Gordzielik Zweiter beim Lkw-Ziehen, wo es galt, einen 17,7-Tonner zu bewegen. Damit qualifizierte er sich nebenbei zusammen mit seinem Teamkollegen Kohlruss, der seine Paradedisziplin gewann, für die EM im Lkw-Ziehen (am 1. Oktober in Ungarn). Nicht zufrieden war der 31-Jährige mit Platz drei im Yoke-Rennen, wo er links und rechts je ein Toilettenhäuschen (insgesamt 360 kg) schulterte und möglichst schnell schleppen musste. Er hatte sich mehr ausgerechnet. Nach Platz drei in der Disziplin Autoschubkarre („Da habe ich den Start versemmelt“) ging Gordzielik nach seiner Paradedisziplin, dem Baumstammstemmen, in Führung. Die 130 Kilo stemmte er siebenmal vom Boden. Altmann schaffte das nur fünfmal, Kohlruss auch. „Leider“, sagt Gordzielik. Sonst hätte er zwei Punkte Vorsprung auf Altmann gehabt und wäre nach dem Reifenflippen Deutscher Meister gewesen.

Wieder eine knapp verpasste Chance. Ein wenig trösten kann sich Gordzielik damit, dass er wieder in der Champions League starten darf. Bei der nächsten Fitnessmesse Fibo in Köln ist er wie in diesem Jahr dabei und misst sich mit den internationalen Stars der Brance. Die Top 5 peilt er an. Bei seiner Premiere wurde er bei 14 Startern Neunter. „Es war schon top, mit der Elite zu konkurrieren“, sagt der 1,97-Meter-Hüne, der 170 Kilogramm auf die Waage bringt.

Länderwettkampf im Oktober gegen Österreich

Das Strongman-Jahr ist aber noch lange nicht vorbei für Gordzielik. Nach der EM im Lkw-Ziehen gehört er am 8. Oktober dem deutschen Team beim Länderwettkampf gegen Österreich an, am 22. Oktober wird schon der erste von vier Wettkämpfen für die nächste Deutsche Meisterschaft der GFSA (German Federation of Strength Athletes) ausgetragen. Danach kann er sich voll auf sein zweites Staatsexamen konzentrieren.

Zuvor will Gordzielik seinen Sport aber bekannter machen und dafür wohl ab Ende September Strongman-Training im Gießener „Extreme Fight Club“ anbieten. Viel los also in seinem Leben. „Ohne die Unterstützung meiner Frau Judith würde es nicht funktionieren“, sagt Gordzielik. Und vielleicht klappt es im nächsten Jahr dann mit dem DM-Titel und der Teilnahme am „World‘s Strongest Man“, quasi der WM in seiner Sportart. Eingeladen war er dieses Jahr schon. Allerdings war es für eine Reise nach Botswana, wo der Wettbewerb ausgetragen wurde, zu kurzfristig. Stattdessen startete Gordzielik bei der DM - beinahe mit Happy End.

von Holger Schmidt

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Von Redakteur Bodo Ganswindt

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