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Lokalsport Giovanni Ferraro ist „Elfmeter-Killer“
Sport Lokalsport Giovanni Ferraro ist „Elfmeter-Killer“
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07:57 27.09.2018
Giovanni Ferraro in Aktion. Der Kleinseelheimer Torhüter hielt gegen Schönstadt zwei Elfmeter. Quelle: Tobias Hirsch / Archiv
Kleinseelheim

Gardemaß für die Torhüterposition hat Giovanni Ferraro nicht. 1,80 Meter misst der 34-jährige Sohn von italienischen Einwanderern, der in Kirchhain aufwuchs. „Meine Freunde haben mich spöttisch ‚Elfmeter-Killer‘ genannt“, lacht er. Das Entschärfen von Strafstößen gehörte nie zu seinen Musterdisziplinen.

Doch am vergangenen Spieltag, noch dazu im B-Liga-Topspiel gegen den SV Schönstadt, parierte Ferraro gleich zwei Strafstöße binnen drei Minuten, hielt dem RSV Kleinseelheim die 2:0-Führung somit fest und war der Garant für den 3:0-Erfolg. Fast schon diebisch frohlockt er: „Damit hab ich meine Freunde vorerst mundtot gemacht!“ Ein Großteil von ihnen spielt ebenfalls beim RSV.

In Kleinseelheim verbrachte er den Großteil seiner Seniorenzeit, die jedoch nach der laufenden Saison ein Ende haben soll. „Ich habe angekündigt, dass das mein letztes Jahr in der ersten Mannschaft sein wird“, sagt Ferraro. Doch ganz loslassen will er auch nicht. Momente wie am vergangenen Freitag wecken wieder die Lust. „Da fragt man sich schon, ob man nicht noch ein Jahr dranhängen will“, gibt der 34-Jährige zu. Doch ihm bleibt die Vorfreude aufs Alte-Herren-Team. „Wenn Not am Mann ist springe ich natürlich auch bei den Senioren ein“, versichert er.

„Im Tor zu stehen bedeutet ständiger Druck“

In welche Ecke er bei Strafstößen springen muss, verrät ihm der Schütze selbst. „Es gibt einige Anzeichen dafür. Ich gucke dem Schützen in die Augen“, berichtet Ferraro. Das ist jedoch nur Schritt eins bei der Dekodierung. Die nächsten will der Keeper aber nicht preisgeben. „Das sollte lieber nicht in der Zeitung stehen. Ich will meinen Vorteil ja behalten“, lacht der 34-Jährige, dem der Umgang mit Versagen lange schwer fiel.

Er erinnert sich lebhaft daran, wie schwer es ihm in den Juniorenzeit fiel, mit Gegentoren umzugehen. Wenn der Keeper patzt, ist es meistens ein Tor. „Im Tor zu stehen bedeutet ständiger Druck“, sagt er. Wenn ihm in jungen Jahren ein Fehler unterlief, kam es vor, dass er mehrere Tage mit niemandem reden wollte. Einsamkeit und Stille wurden dann zu seinen Mitspielern.

Aber auch als gestandener Mann gab es Momente, in denen er sich in die Jugendzeit zurück katapultiert sah: In der vergangenen Saison patzte er zweimal gegen den TSV Ernsthausen, seinen Ex-Verein. „Wir haben das Spiel verloren. Der Tag war für mich danach völlig gelaufen“, gibt zu. Die Gier, fehlerlos zu bleiben, ist auch mit 34 Jahren nicht kleiner geworden.

von Benjamin Kaiser