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Lokalsport Eintracht ist angekommen in der Krise
Sport Lokalsport Eintracht ist angekommen in der Krise
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00:17 28.09.2018
Stadtallendorfs Felix Nolte (rechts) setzt sich gegen Offenbachs Julian Scheffler durch. Quelle: Nadine Weigel
Stadtallendorf

Für ein perfektes Fußballfest war eigentlich alles bereitet: Durch den bundesweiten Aktionstag anlässlich der deutschen EM-Bewerbung stand das Hessenderby in einem besonderen Fokus (die OP berichtete), und auch vier TSV-Fanclubs hatten sich etwas Besonderes ausgedacht: Als beide Teams den Rasen betraten, enthüllten sie auf der Gegentribüne eine etwa 4 x 50 Meter große Blockfahne. Darauf zu lesen: „Treu – Solidarisch – Vereint“.

An mangelnder Unterstützung lag es also nicht, dass die Herrenwälder zum zweiten Mal in Folge mit leeren Händen dastanden, zumal die zahlenmäßig unterlegenen TSV-Anhänger den etwa 400 mitgereisten OFC-Fans immer wieder verbal Paroli boten. Ein noch nicht behobenes Problem kostet derzeit selbst in Duellen mit der direkten Konkurrenz Zählbares: „Es ist Wahnsinn. Würden wir schlecht spielen, müsste ich mir richtig Gedanken machen“, haderte TSV-Coach Dragan Sicaja, der erneut feststellte: „Wir tun uns schwer, Tore zu erzielen. Das ist kein
Zufall.“

In Yannick Wolf und Laurin Vogt fehlten zwei Flügelstürmer verletzungsbedingt, auch Zugang Enis Bunjaki gehörte noch nicht zum Kader, dafür erstmals Marcel Schott, der in den zweiten 45 Minuten ein ordentliches Regionalliga-Debüt gab und von einem „unbeschreiblichen Gefühl“ sprach. Doch auch der 18-Jährige stellte fest: „Bei uns ist im Moment der Wurm drin. Wir spielen nicht schlecht, im letzten Spieldrittel fehlt aber der letzte Pass, oder wir sind nicht konsequent genug im Abschluss.“ 70 Minuten lang wurden 2127 Zuschauer Zeuge
davon.

Offenbachs Coach muss auf die Tribüne

Die früh pressende Eintracht agierte gegen die Gäste zunächst auf Augenhöhe und war „richtig gut im Spiel“, wie Ideengeber Erdinc Solak lobte. Allerdings fehlte die Krönung der mutig vorgetragenen Offensivaktionen. Dass in Tomislav Baltic ein defensiver Mittelfeldspieler nach einer Freistoßflanke von Solak am langen Pfosten zur Führung einköpfte (28.) und mit nun zwei Treffern die vereinsinterne Torschützenliste anführt, dokumentiert das derzeitige Hauptmanko.

Nur zwei Minuten später folgte der Aufreger eines emotional und kampfbetont geführten ersten Durchgangs: Nach einem Foul von dem diesmal auf Rechtsaußen aufgebotenen Felix Nolte an Julian Scheffler an der Seitenlinie stellte OFC-Coach Daniel Steuernagel Nolte aufgebracht zur Rede; es folgte eine kurze Rudelbildung und Wortgefechte, die bis in die Pause reichten. In der Folge verwies Schiedsrichter Timo Klein (Neuenkirchen) Steuernagel auf die Tribüne, was ihn im zweiten Abschnitt aber nicht daran hinderte, von dort aus zu coachen und Rücksprache mit seinem „Co“ Max Lesser zu halten.

Gegenüber der OP zeigte Steuernagel wenig Verständnis für die Schiedsrichterentscheidung: „Ich habe niemanden geschubst oder geschlagen. Der Schiedsrichter hätte mit mir vernünftig reden können – zumal er die Gegebenheiten sehen muss“, sagte Steuernagel, aus dessen Sicht der dem Spielfeld angrenzende Schotter in diesem Zweikampf erheblich zur Verletzungsgefahr hätte beitragen können.

„Für uns war es gut, dass wir kurz vor der Pause noch das 1:1 gemacht haben“, wusste Steuernagel. Einen diagonalen Chip-Ball von Serkan Firat in den Strafraum versenkte Torjäger Jake Hirst sehenswert zum Ausgleich (45.+2). „Da haben wir in der letzten Linie sehr schlecht verteidigt“, räumte
Sicaja ein.

Spieler und Trainer blicken kämpferisch nach vorne

So gute Torchancen die Kickers anfangs durch Serkan Firat (7.) und Florian Treske (18.) hatten, so gute Möglichkeiten hatte der TSV nach Wiederanpfiff durch Antonyos Celik (48., 58.). „In den ersten 25 Minuten nach der Pause haben wir super gespielt“, lobte Sicaja. Nachdem der sträflich am kurzen Pfosten freistehende Benjamin Kirchhoff einen Abpraller nach einer Ecke zur OFC-Führung verwandelt hatte (70.), gewannen die Gäste aber Oberwasser gegen eine Heimelf, die nun viel Kraft benötigte, um die Umschaltaktionen des Gegners zu verteidigen. In Folge eines Ballverlustes von Baltic im Mittelfeld machte Hirst per Heber den Deckel drauf (78.).

„In der zweiten Halbzeit waren wir besser und haben verdient gewonnen“, befand Steuernagel. „Ein Punkt aus sechs Spielen ist etwas mager“, sagte Solak nach der Partie und wollte nicht verhehlen, dass Krise inzwischen der richtige Begriff ist, um die Situation zu beschreiben. „Egal, wann – wir müssen die Punkte holen. Und ich bin guter Zuversicht, dass wir die nötigen Punkte auch holen werden“, gab sich Celik kämpferisch, während Sicaja nicht müde wurde zu betonen, dass man sich „nur zusammen als Mannschaft“ aus der Lage befreien könne und sich nun „der Situation stellen“ müsse.

Auch Youngster Schott nahm nach der Pleite den Kopf hoch: „Die Trainer haben uns gut vorbereitet, wir haben auch die restlichen Ergebnisse weggesteckt. Wir lassen alles, was war, hinter uns und konzentrieren uns komplett auf das nächste Spiel.“ Dann muss die Eintracht bei Wormatia Worms ran – trifft also wieder auf einen direkten Konkurrenten.

von Marcello Di Cicco