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Funktionäre befürchten Bürokratismus

Mindeslohn in Sportvereinen Funktionäre befürchten Bürokratismus

Wie sich der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde auf ihre Arbeit auswirkt, wollte die OP von Vertretern ­heimischer Verbände und Vereine wissen.

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Ein Übungsleiter spricht mit jungen Leuten, die an einem Seminar des Turngaus Oberlahn-Eder teilnehmen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Seit 1. Januar 2015 gilt das vom Bundestag beschlossene Mindestlohngesetz. Über mögliche Auswirkungen auf die Vereins- und Verbandsarbeit informiert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in Form eines Rechts-Telegramms, das der Landessportbund Hessen (LSBH) im Internet auf der Seite www.lsbh-vereinsberater.de für seine rund 7800 Mitgliedsvereine hinterlegt hat. Linda Burkhard vom Vereinsportal beim LSBH weist darauf hin, dass das Gesetz aufgrund der unterschiedlichen Strukturen nicht auf alle Vereine im gleichen Maße anzuwenden sei. „Im Übrigen rechnet ein Verein nicht gegenüber dem Landessportbund ab“, sagt sie und verweist auf die einschlägigen Informationen des DOSB.

In besonderem Maße stellt sich die Frage, inwiefern das Gesetz bei der Beschäftigung von Übungsleitern greift, die eine ehrenamtliche Tätigkeit ausüben. Auf sie - so heißt es beim DOSB - findet die neue gesetzliche Regelung keine Anwendung, wenn die Höchstgrenze der Vergütung 2400 Euro pro Person und Jahr nicht überschreitet. Liegt sie darüber, muss der entsprechende Betrag versteuert und mit der Minijob-Zentrale abgerechnet werden. Vereine, die ihre Übungsleiter nur pauschal und nicht nach Stunden bezahlen, müssen gegebenenfalls den Stundenlohn erhöhen oder die Stundenzahl reduzieren, um die Bedingungen für den Mindestlohn zu erfüllen.

Mini-Jobber sind betroffen

Für Amateursportler etwa, die mit bis zu 200 Euro pro Monat für ihren Aufwand entschädigt werden, findet das Gesetz keine Anwendung. Anders verhält es sich bei sogenannten Vertragsamateuren: Für sie sind Rechte und Pflichten des Beschäftigungsverhältnisses in einem Vertrag festgeschrieben. In diesem Fall gelten die Maßgaben des Mindestlohngesetzes.

Mini-Jobber sind geringfügig Beschäftigte, die unter das Gesetz zum Mindestlohn fallen.

Bernd Weitzel, der Vorsitzende des TSV Eintracht Stadtallendorf, teilte auf Anfrage mit, dass sich der Verein demnächst mit einem Steuerberater zusammensetze, um mögliche Auswirkung des Gesetzes für den TSV zu erörtern.

Dirk Lossin, Vorsitzender des TSV Kirchhain, verwies darauf, dass der Verein Dienstleistungen, die zu entlohnen sind, an externe Serviceleister vergibt. Übungsleiter erhielten eine Aufwandsentschädigung, abhängige Beschäftigte gebe es beim TSV Kirchhain keine. „Nach heutigem Stand der Dinge kann ich sagen: Das Mindestlohngesetz hat für uns keine Auswirkungen.“ Gleichwohl werde er das Thema mit dem geschäftsführenden Vorstand erörtern und dazu in der Jahreshauptversammlung im Februar Erläuterungen geben.

Jürgen Hertlein, Vorsitzender des Sportkreises Marburg-Biedenkopf, befürchtet im Zusammenhang mit der Mindestlohnregelung ein zunehmendes Maß an Bürokratismus und eine Beeinträchtigung für das Ehrenamt. „Wir brauchen keinen administrativen Wasserkopf“, sagte er. Er setze auf das Wort von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die eine bürokratische Vereinfachung avisiert habe. In den Gremien des Sportkreises sei das Thema noch nicht diskutiert worden. Er ließ wissen, dass die Übungsleiterpauschalen in ­seinem Zuständigkeitsbereich meistens um die 10 Euro lägen, also deutlich über dem Minimum von 8,50 Euro.

„Mit heißer Nadel gestrickt“

Die Vorsitzende des VfL Marburg, Ulrike Ristau, moniert ebenfalls den zu befürchtenden hohen Verwaltungsaufwand für die Vereine. „Das kann doch nicht Sinn und Zweck des Gesetzes zum Mindestlohn sein, das ohnehin mit heißer Nadel gestrickt worden ist“, sagt sie. Inzwischen sei ein Verein ­ohne Steuerberater „verloren“. Die Situation sei für Ehrenamtler und Vereine unbefriedigend. Der VfL Marburg ist laut Ristau von der neuen Regelung nur im Falle eines Mitarbeiters betroffen. „Es handelt sich um einen geringfügig Beschäftigten, dessen Tätigkeit natürlich entsprechend den gesetzlichen Anforderungen dokumentiert wird.“ Es müsse nämlich immer damit gerechnet werden, dass irgendwann der Zoll „auf der Matte steht“, um zu kontrollieren.

Björn Backes ist Sportamtsleiter der Stadt Marburg. „Wir als Stadt sind von der Regelung nicht betroffen“, sagt er, „es ist allein Sache der Vereine. Wir würden aber unterstützend helfen durch einschlägige Informationen“. Als Vorstandsmitglied beim Frauenbundesligisten BC Marburg muss er allerdings das Gesetz beachten und anwenden. „Wir haben Angestellte, die es betrifft“, betont er, „unter anderem sind es auch die Spielerinnen des Bundesliga-Kaders. Die meisten von ihnen haben Verträge, einige erhalten Aufwandsentschädigungen“.

von Bodo Ganswindt

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