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Für Hambüchen schließt sich der Kreis

Star-Turner kehrt zur KTV Obere Lahn zurück Für Hambüchen schließt sich der Kreis

Zurückgekommen, um 
zu bleiben: Fabian Hambüchen will seine Karriere mit seinen Freunden bei der KTV Obere Lahn beenden. Der Zeitpunkt ist aber noch offen, betont der Turnstar im Interview.

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Gold und Silber bei den ersten Europaspielen in Baku. Fabian Hambüchen bezeichnet das Jahr 2015 trotz verpatzter WM als eines der erfolgreichsten seiner Karriere.

Quelle: Bernd Thissen

Biedenkopf. Der Star-Turner der KTV Obere Lahn hat Rio im Blick und freut sich schon auf die Stimmung in Biedenkopf.

OP: Herr Hambüchen, Sie haben die Kunstturnfreunde mit Ihrer Rückkehr nach Biedenkopf überrascht. Die freundschaftlichen Beziehungen zu den KTV-Sportlern haben Sie als Grund genannt. Gab es noch andere Motive?

Fabian Hambüchen: Das war der ausschlaggebende Grund. Die Zeit in Biedenkopf war für mich mit die schönste Zeit in meinem Sportlerleben, allein schon wegen der Stimmung und Atmosphäre. Das habe ich in Stuttgart nicht in der Form erlebt, obwohl ich mit der Mannschaft auch gut klar gekommen bin. Aber ich bin zurückgegangen zu den alten Weggefährten, mit denen ich mit dem Turnen begonnen habe, um mit ihnen gemeinsam auch das Ende meiner sportlichen Karriere zu bestreiten.

OP: Mit Stuttgart reichte es in der vergangenen Saison nur zu Platz vier, den Einzug ins große Turnfinale um die Deutsche Meisterschaft haben Sie mit dem Team verpasst. Eine Enttäuschung?

Hambüchen: Ich bin nicht nach Stuttgart gewechselt, um die Chance auf den Titel zu verbessern. Das war nicht das Ziel. Mit Obere Lahn standen wir auch zweimal im Finale, einmal im großen, einmal im kleinen. Ich wollte mich im Jahr vor Olympia etwas zurücknehmen. Stuttgart war so gut aufgestellt, dass es für mich einfacher war. Wenn ich in Biedenkopf gefehlt habe, ist die Mannschaftsstärke dagegen doch sehr gesunken. Und bei der KTV hatte ich viel zu viel Lust auf die Wettkämpfe, aufgrund der guten Stimmung hatte ich richtig Bock drauf. Der Wechsel war also Selbstschutz.

OP: Die Möglichkeit, nach der Karriere beim Schwäbischen Turnerbund einzusteigen, soll auch eine Rolle gespielt haben.

Hambüchen: Das Jobangebot vom Schwäbischen Turnerbund gilt weiterhin. Unabhängig davon, ob ich für Stuttgart turne oder nicht.

OP: Jetzt gibt es den Neustart an alter Wirkungsstätte, nachdem die Weltmeisterschaft im Vorjahr alles andere als optimal lief. Wegen einer Virusinfektion mussten Sie auf den Mehrkampf verzichten, an Ihrem Paradegerät Reck patzten Sie bei der Landung und wurden Siebter. War 2015 ein verlorenes Jahr für Sie?

(c) Bernd Thissen

Quelle:

Hambüchen: Alle betrachten nur die WM. Viele vergessen die ersten Europaspiele in Baku, wo ich Gold am Reck und Silber am Boden geholt habe. Keinem bleibt die Universiade in China in Erinnerung, wo ich Gold am Reck gewonnen habe. Dabei ist das eine Riesenveranstaltung. Ich bin Welthochschulsportler und Hochschulsportler des Jahres in Deutschland geworden. Zum Ende ist es anders gelaufen, als ich mir das erhofft hatte. Ein verlorenes Jahr war es aber auf keinen Fall. Im Gegenteil: 2015 war eines der erfolgreichsten Jahre meiner Karriere.

OP: Dieses Jahr steht ganz im Zeichen der Olympischen Spiele. Für die deutsche Mannschaft geht es Mitte April im letzten Qualifikationsturnier um ein Ticket nach Rio. Wie stehen die Chancen?

Hambüchen: Die Chancen sind definitiv gut, wir sind meiner Meinung nach das stärkste Team. Wenn wir uns nicht zu blöd anstellen, sollte das funktionieren.

OP: Bauen Sie denn für Rio eine neue Schwierigkeit in Ihre Reckübung ein?

Hambüchen: Für den April sicher nicht. Erst einmal konzentriere ich mich darauf, das Programm, das ich beherrsche, so fit zu kriegen, dass ich es sicher hinbekomme. Vielleicht ist es eine Option, für den August eine Schippe draufzulegen.

OP: Acht Mannschaften nehmen an der Ausscheidung teil, die wie die Sommerspiele in Rio de Janeiro stattfindet. Vier Riegen qualifizieren sich. Wer sind die größten Konkurrenten?

Hambüchen: Die Ukraine ist der Hauptkonkurrent. Holland hat ein starkes junges Team. Dazu kommen Frankreich, Spanien und Rumänien. Die Weißrussen sind auch nicht zu unterschätzen. Wir dürfen uns nicht allzu viele Fehler erlauben.

OP: Im April turnen Sie also gegen den Weißrussen Andrey Likhovitskiy um Olympia, ab Oktober mit ihm für die KTV. Welche Ziele haben Sie sich für die Bundesliga-Saison gesetzt?

Hambüchen: Der Fokus liegt zunächst zweimal auf Rio. Bei der Bundesliga ist schön, dass die Wettkämpfe komplett im Herbst sind und dass man eine zusammenhängende Saison hat und keine aufgeteilte in Frühjahr und Herbst. Das hat dann fast schon den Charakter der Fußball-Bundesliga. Für mich ist mit Obere Lahn das kleine Finale realistisch, auf das große möchte ich nicht spekulieren. Im Jahr 2013, als wir ins große Finale gekommen sind, waren wir wirklich überragend. Von der Teamleistung und der Taktik her war das Weltklasse. Grundsätzlich sind wir nicht das allerstärkste Team der Liga, da sind uns Stuttgart, die TG Saar und Straubenhardt etwas voraus. Aber taktisch sind wir das beste Team.

OP: D as klingt nach einem großen Kompliment für das Trainerteam um Albert Wiemers.

Hambüchen: Albert, Felix und Philipp Wiemers machen im Vorfeld sehr viel, das ist sensationell. Wir sind aber auch ein sehr intelligentes Team und denken innerhalb des Wettkampfs mit. Unsere kurzfristigen Entscheidungen haben uns schon so manchen Sieg gebracht.

OP: Wie viele Siege werden denn mit der KTV Obere Lahn noch hinzukommen? Am Anfang des Gesprächs hatten Sie ja gesagt, Ihre Karriere in Biedenkopf ­beenden zu wollen.

Hambüchen: Das weiß ich noch nicht. Vor vier Jahren habe ich gesagt, dass ich nach den Spielen in London aufhöre. Das habe ich nicht gemacht, weil ich noch richtig Lust auf den Sport habe und ich mich noch gut gefühlt habe. Mal schauen, wie ich mich fühle.

OP: Kann Biedenkopf dazu beitragen, dass Sie noch lange turnen?

Hambüchen: Wer weiß? Die Stimmung beflügelt einen jedenfalls richtig.

von Holger Schmidt

 
Zur Person
Der 28-jährige Fabian Hambüchen gewann bei der WM 2007 Gold am Reck und wurde Sportler des Jahres. In seiner Paradedisziplin holte er bei den Olympischen Spielen 2012 in London Silber, 2008 in Peking hatte er Bronze gewonnen. Mit dem Team der KTV Obere Lahn wurde der gebürtige Wetzlarer 2013 Zweiter und 2014 Dritter.
 
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