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Et Trömmelsche jeht im Minutentakt

Traditionself des 1. FC Köln gastiert in Breidenstein Et Trömmelsche jeht im Minutentakt

Selten sah man glücklichere Verlierer als die Alten Herren des TuSpo Breidenstein nach dem 0:11 (0:5) gegen die Traditionself des 1. FC Köln.

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Breidensteins Stefan Kunze (links) verhindert gegen den Kölner Holger Gaißmayer eine Torchance, hinten schaut sich Kapitän Rainer Blöcher die Szene an.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Breidenstein. „Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt“, sagte Peter Riethig. Der Breidensteiner Torhüter hatte nach 45 Minuten seinen Platz zwischen den Pfosten geräumt - und „nur“ fünf Gegentore gegen ehemalige Kölner Bundesliga-Stars wie Stephan Engels, Matthias Scherz oder Alexander Voigt kassiert. Wer vor ihm auftauche, sei ihm egal, erklärte Riethig, der gegen Oliver Westerbeek (18.) und Holger Gaißmayer (26., 27.) gleich mehrere Male glänzend parierte. „Das ist nicht anders als in der A-Klasse.“

Für seine Stürmer jedoch war es komplett anders. Insbesondere Mathias Sturma und Erdal Karapinar hatten eine Reihe von Chancen, um das Ehrentor zu erzielen. Entweder schlossen sie zu überhastet ab oder fanden ihren Meister in Pierre Esser, der übrigens nie für den 1. FC Köln, wohl aber zweimal für Fortuna Düsseldorf in der 2. Bundesliga im Kasten stand. „Das ist ein ganz anderes Niveau als bei Amateur-Torhütern. Er verhält sich ganz anders und bewegt sich einfach nicht“, musste Sturma einsehen. „Schade, eins hätten wir schon gerne gemacht.“

Auch das zweite Ziel verpassten die Gastgeber, die sich die Kölner anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens einluden, knapp: mit einem einstelligen Ergebnis rauszukommen. „Als unsere Spieler gesehen haben, wer alles dabei ist, haben sich einige schon gefragt: Oh, oh, ob wir das hinkriegen?“, meinte vor der Partie der TuSpo-Vorsitzende Thomas Henkel, der wie der Geschäftsführer Klaus-Dieter Seibel Schalke-Fan ist. Dass es nicht klappte, stimmte keinen der 600 Zuschauer traurig.

„Als Köln-Fan hat man‘s nicht leicht“

Im Gegenteil: Viele FC-Trikots waren im Hammerstadion zu sehen: Helmes, Ujah, Lottner und sehr häufig - natürlich - Podolski. Joshua Laser trug die rote Spielbekleidung mit dem Namen „Scherz“ auf dem Rücken. „Mein Dad hat mir das Trikot geschenkt“, sagte der 16-Jährige aus Weifenbach, der in der A-Jugend von Breidenstein spielt, und fügte nach drei Toren des früheren Kölner Publikumslieblings an: „Es hat sich gelohnt, sich in das zu enge Trikot reinzuquetschen.“ Laser geht - seit er vier Jahre alt ist - regelmäßig ins Stadion zu den Bundesligaspielen seines Lieblingsklubs.

Bereits viel länger schaut sich Eberhard Triesch dort den FC an. „Schon ewig“ sei er Anhänger, sagt der 71-Jährige, der mit seinem Enkel Tom (6 Jahre) das Traditionsspiel verfolgte. Ein Onkel habe in Gummersbach gewohnt, erklärte der Breidenbacher. Also habe er 1954 nach dem Wunder von Bern schon WM-Held Hans Schäfer in Köln spielen sehen - da war es um ihn geschehen. Etwa zweimal pro Saison fährt Triesch noch hin. „Als Köln-Fan hat man‘s nicht leicht“, sagt er. „Aber die Atmosphäre im Stadion ist schön.“

Schön war es auch im Hammerstadion. So oft hören die FC-Fans die Torhymne ihres Klubs im Rhein-Energie-Stadion jedenfalls nicht. Elfmal ließen die Altstars „et Trömmelsche jehn“. Was Rainer Blöcher, dem Breidensteiner Kapitän, im Normalfall gefällt, denn auch er hält in der Bundesliga zu den Geißböcken. „150 Mal bin ich bei denen im Wohnzimmer gewesen, jetzt kommen sie in meins“, sagte Blöcher, der sogar einem Weltmeister von 1974 die Hand schüttelte. Bernd Cullmann nämlich betreute die Kölner Traditionself. Über Wolfgang Overath oder Dirk Lottner hätte er sich selbstverständlich gefreut, gab Blöcher zu. „Aber es ist ja nicht Weihnachten.“ Und Stephan Engels in den 1980er-Jahren und später Matthias Scherz habe er auch im Stadion angefeuert. „Die Idole von einst live zu erleben, war schon schön.“

Auch die Ex-Bundesligastars hatten ihren Spaß. Wobei die Breidensteiner den Ehrgeiz der Gäste anstachelten. „Wenn der Gegner nach zehn Minuten zehn Tacklings macht und du drei blaue Flecke hast, dann fahren halt alle einen Gang hoch“, sagte Matthias Scherz. Aber: „Gegen andere Traditionsmannschaften geht‘s noch brisanter zu, weil keiner verlieren kann.“ Diese Einstellung hat Stephan Engels verinnerlicht: „Es geht manchmal zur Sache, das gehört dazu. Wenn ich auf den Sportplatz gehe, will ich gewinnen“, sagte der DFB-Pokalsieger von 1983.

von Holger Schmidt

Statistik

TuSpo Breidenstein - 1. FC Köln 0:11 (0:5)

Tore : 0:1 Stephan Engels (14./FEM), 0:2 Matthias Scherz (19.), 0:3 Alexander Voigt (34.), 0:4 Michael Kraft (36.), 0:5 Scherz (37.), 0:6 Holger Gaißmayer (61.), 0:7 Scherz (73.), 0:8 Gaißmayer (76.), 0:9 Gaißmayer (79.), 0:10 Kraft (84.), 0:11 Voigt (87.).

Breidenstein : Riethig - D. Weichbold - Kunze, Donges - M. Weichbold, Blöcher, Koch - Achenbach, Frehse - Sturma, Karapinar. Zudem eingesetzt: Paul, Dudlik, Fischbach, Winter, Meier, Seibel, F. Müller, C. Müller, Weigel, Kubet, Degerli, Keil.

Köln : Esser - Nickenig, Cullmann, Herzberger, Voigt - Westerbeek - Ende, Engels, Lenhart - Scherz, Gaißmayer. Zudem eingesetzt: Hein, Schmitz, Kraft.

Schiedsrichter : Becker (Frohnhausen).

Zuschauer : 600.

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