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Lokalsport Das große Abenteuer des Hrvoje Vincek
Sport Lokalsport Das große Abenteuer des Hrvoje Vincek
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14:01 24.08.2018
Hrvoje Vincek (links) hat das Studium und seine Familie für den Fußballtraum zurückgelassen. Quelle: Archivfoto
Stadtallendorf

Jeden Tag Training, vormittags und nachmittags, von Montag bis Freitag. Für Profifußballer gehört dieser Wochenablauf zum Beruf dazu wie die Stollen zum Fußballschuh. Doch für gewöhnlich springt dabei mehr heraus als 700 bis 800 Euro. So beziffert Hrvoje Vincek den Verdienst als Zweitliga-Profi in seinem Heimatland Kroatien.

Der 28-jährige Keeper, der seine dritte Saison beim TSV Eintracht Stadtallendorf spielt, erinnert sich noch gut an diese Zeit. Er war damals beim Zweitligisten NK Rudeš unter Vertrag. Seine erste Saison in Deutschland spielte er ab Sommer 2015 für den damaligen Hessenligisten Spvgg Oberrad. Vincek berichtet, dass ein in Deutschland lebender Freund aus Kroatien den Deal eingefädelt hat.

Die Entscheidung, Rudeš zu verlassen und sein Marketing-Studium an den Nagel zu hängen, sei ihm nicht allzu schwer gefallen. Deutschland sei schließlich eine Top-Adresse, wenn man es im Profigeschäft schaffen wolle. Bedenken hatte der 28-Jährige vor allem wegen seiner Freundin, die einen guten Job hatte. Er ließ sich dennoch auf das Abenteuer Deutschland ein. „Ich bereue es nicht und bin momentan zufrieden“, beteuert er. Ein halbes Jahr später reiste seine Freundin nach. Sie hat mittlerweile über die Eintracht einen Job gefunden.

Nach viereinhalb Jahren Beziehung nimmt Vincek das Wort „Heiraten“ in den Mund. Mit einem Ring auf die Knie gegangen ist der Mann aus der kroatischen Hauptstadt Zagreb zwar noch nicht, aber er hat das Zeitfenster bereits vor Augen. „Wir haben darüber gesprochen. Vielleicht dieses oder nächstes Jahr“, sagt er im Plauderton.

Ziel: Zehn Mal zu null

Vincek, der Familienmensch. „Freundin und Familie sollten das Wichtigste im Leben sein“, stellt er klar. Seine Eltern, die ihn mehrmals in Deutschland besucht haben, sowie seinen Bruder in der Heimat vermisst er. Daher zieht es ihn in den Sommer- und Winterpausen stets wieder zurück zu seinen Wurzeln.

Körperlich und geistig sieht er sich derzeit in guter Verfassung. „Deswegen hat die Saison für mich gut begonnen“, meint er. Am vergangenen Samstag hielt er beim 2:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart II die Null mit mehreren Glanzparaden fest. In Deutschland will er möglichst weit nach oben. Bei diesem Traum kommt ihm dennoch nicht der Sinn für Realität abhanden. „In der Bundesliga zu spielen, wäre natürlich großartig. Aber ich bin kein Kind und weiß, dass ich auch schon 28 Jahre alt bin“, sagt Vincek.

Allerdings gibt er sich auch noch fünf bis sieben Jahre auf gutem Niveau. Zeit und Raum für Verbesserungen sind gegeben. Der Torwart möchte am Ende der Saison nicht mehr als ein Tor pro Spiel zugelassen haben. Derzeit sind es zwei nach vier Partien. Darüber hinaus hatte er in der Vorsaison achtmal eine weiße Weste. „Diesmal soll es zehn Mal sein“, lacht er.

von Benjamin Kaiser