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Lokalsport Eintracht will Anschluss herstellen
Sport Lokalsport Eintracht will Anschluss herstellen
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00:19 05.11.2018
Antonyos Celik (rechts, gegen Walldorfs Max Müller) trifft mit der Stadtallendorfer Eintracht morgen im Herrenwaldstadion auf den Tabellenvierten SSV Ulm. Quelle: Thorsten Richter
Stadtallendorf

Das 2:1 im Kellerduell gegen die zweite Garde des FSV Mainz 05 war Balsam auf die zuletzt so geschundene Eintracht-Seele. Exakt 70 Tage und zehn Spiele (inklusive Hessenpokal sogar elf Partien) mussten die Mannen um Cheftrainer Dragan Sicaja auf einen „Dreier“ warten – ehe es endlich wieder so weit war.

„Die Leistung hat von der ersten bis zur letzten Minute gepasst. Wir waren sehr bissig und haben im richtigen Moment die Tore gemacht. Das war zuletzt nicht immer der Fall“, lobt Sicaja, der inständig hofft, dass der dritte Saisonsieg seinem Team einen „Schub“ im Abstiegskampf gibt. Beim Blick auf die Tabelle wird schnell klar, warum die Laune am Herrenwald nun wieder besser ist.

Ein Sieg gegen die Ulmer wäre Gold wert

Nur drei Punkte trennt die Stadtallendorfer noch von Rang 15, der zwar kein direkter Abstiegsplatz ist, aufgrund der aktuellen Tabellenkonstellation in der 3. Liga aber dennoch am Ende der Saison nicht zum Klassenverbleib reichen könnte. Denn je nach Anzahl der Drittliga-Absteiger in die Südweststaffel kann es durchaus mehr als drei Absteiger im „Südwesten“ geben.

„Sieben, acht Mannschaften sind immer in Reichweite. Außer den ersten drei, vier Teams spielen alle gegen den Abstieg“, meint Sicaja, für den mit Blick auf die verbleibenden zwei Heim- und drei Auswärtspartien vor der Winterpause klar ist: „Wir müssen schauen, dass wir dranbleiben. Vier, fünf Punkte kann man immer aufholen“, sieht der Kroate seine Mannschaft keineswegs chancenlos. „Wenn wir den Klassenerhalt schaffen, wäre es super“, sagt der 51-Jährige – und schiebt hinterher: „Aber darüber reden wir noch nicht, es sind noch so viele Spiele bis zum Saisonende.“

Im Tabellenvierten SSV Ulm gastiert morgen ein Team, bei dem der Blick nicht – wie noch in der Vorsaison – nach unten geht, sondern nach oben. „Der Verein hat komplett auf Profitum umgestellt“, weiß der Stadtallendorfer Trainerfuchs. Da passt es ins Bild, dass sich die „Spatzen“ zuletzt zweimal mit Bundesligisten maßen: Am 18. August, also an dem Tag, als die Eintracht vor der Mainz-Partie zum letzten Mal ein Spiel gewann, warf die Mannschaft von SSV-Übungsleiter Holger Bachthaler Pokalsieger Eintracht Frankfurt aus dem Cup, unter der Woche war dann auch für den ehemaligen Bundesligisten Endstation im DFB-Pokal.

Kurios beim 1:5 gegen Fortuna Düsseldorf: Zwar hatte Düsseldorfs Coach Friedhelm Funkel vor der Partie noch gewarnt, dass die Ulmer früh ihre Tore schießen, allein es half nichts. Nach Vorlage von David Braig erzielte Ardian Morina nach 13 Sekunden das schnellste Tor in der Geschichte des Wettbewerbs – nicht der einzige Grund, warum Bachthaler seinem Team später ein „Riesenkompliment“ aussprach.

„Bei dem einen oder anderen Spieler hat diese Partie sicher ein paar Prozent gekostet“, vermutet Sicaja, der dem Gegner großes Potenzial zuschreibt, dem aber auch nicht entgangen ist, dass die Ulmer bislang „nicht konstant“ spielten. „Gegen einige Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte hat der Gegner Punkte liegengelassen“, sagt Sicaja, der robuste und konterstarke Donaustädter erwartet. Zwar muss Bachthaler auf Toptorjäger Steffen Kienle (Kreuzbandriss) verzichten, was „ein herber Verlust“ (Sicaja) sei, aber: „In der Breite ist Ulm besser aufgestellt als noch vergangene Runde“, warnt Sicaja.

Einsatz von Daniel Vier steht noch auf der Kippe

Personell drückt vor allem in der Abwehr der Schuh bei den Stadtallendorfern: Routinier Daniel Vier musste in Mainz verletzt vom Feld. Der Ex-Profi kämpft derzeit mit den Nachwirkungen seiner Sehnenverletzung, die er sich im August 2017 in Freiburg zugezogen hatte und wegen der er danach mehrere Monate ausfiel. „Dani hat vorsichtig trainiert. Es sollte bei ihm gehen“, ist Sicaja vorsichtig optimistisch hinsichtlich eines Einsatzes – und lobt Perry Ofori, der zuletzt einsprang. „Perry hat seine Aufgabe richtig gut gemacht. Für seine 21 Jahre macht er es sehr souverän.“

Kapitän Kevin Vidakovics (Wade) ist zwar wieder ins Training eingestiegen, musste es aber zuletzt abbrechen, weil er einen Rückschlag erlitt. „Für ihn kommt das Spiel vielleicht etwas zu früh“, sagt der TSV-Coach. Auch Innenverteidiger Alieu Sawaneh (Rippenanbruch) werde noch „ein bis zwei Wochen“ pausieren müssen.

Dafür freut sich der Kroate, dass Erdinc Solak wieder zu alter Form zu finden scheint. In Mainz erzielte er beide Treffer. „Wenn Erdinc Lust auf Fußball hat, reißt er die ganze Mannschaft mit, dann ist es für alle gut“, weiß Sicaja, was er an seinem Spielmacher hat – und hofft, dass der 28-Jährige auch gegen den „Pokalsieger-Bezwinger“ große Lust verspürt.

von Marcello Di Cicco