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Ein Platz im A-Finale bei Olympia ist das Ziel

Ruderer Lucas Schäfer Ein Platz im A-Finale bei Olympia ist das Ziel

Durch den zweiten Platz bei der Qualifikationsregatta in Luzern hat Ruderer Lucas Schäfer mit dem leichten Vierer ohne Steuermann das letzte Olympia-Ticket ergattert. Im Interview verrät der Gisselberger seine Rio-Pläne.

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„Es gibt keine Überraschungen während eines Rennens“, sagtLucas Schäfer. Die Rennstrategie steht fest.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. OP: Nach dem Rennen in Luzern hatten Sie das Erreichte noch gar nicht realisiert. Wie sieht es eineinhalb Wochen danach aus?
Lucas Schäfer: Ein bisschen kommt es schon an. Unmittelbar nach dem Rennen hat die Zeit gefehlt, um das Ereignis zu verarbeiten. Jedes Mal, wenn ich auf mein Handy geschaut habe, hatte ich unzählige Nachrichten. Jetzt hatte ich die Ruhe, um es zu verarbeiten.

OP: Was bedeutet die Qualifikation für Rio denn für Sie?
Schäfer : Erst einmal sind die Olympischen Spiele der größtmögliche sportliche Erfolg, den ich als Ruderer haben kann.
Außer bei den Olympischen Spielen zu gewinnen natürlich. Wobei ich in meiner Position als Lucas Schäfer glaube, dass Dabeisein alles ist.

OP: Also keine Chance auf eine Medaille oder gar den Olympiasieg mit dem leichten Vierer?
Schäfer: (lacht) Wenn wir gewinnen, sieht man mich ein paar Monate nicht mehr … Aber im Ernst: Die Chancen auf eine Medaille sind sehr gering. Das Erreichen des A-Finals der besten sechs Boote wäre ein Top-Ergebnis. Das hat seit 1996, als unsere Klasse das erste Mal olympisch war, kein deutsches Boot mehr geschafft. Eine Platzierung zwischen sechs und acht sollte drin sein.

OP: Wer sind die Favoriten und wen gilt es zu schlagen?
Schäfer: Die Schweizer dürften Olympiasieger werden, dahinter sehe ich Neuseeland und Frankreich. Gerne würden wir Holland hinter uns lassen, die Dänen sind auch sehr stark. Das sind Gegner, mit denen wir uns messen müssen.

OP: Was ist mit den Russen? Die haben Euch in Luzern besiegt.
Schäfer: Ziel sollte es sein, die Russen nicht vorbeifahren zu lassen. In Luzern waren sie 1800 Meter lang hinter uns. Wir wissen jetzt, dass sie einen sehr starken Endspurt fahren.

OP: Ändert das etwas an Eurer Strategie?
Schäfer: Wir machen das nicht von den Gegnern abhängig. Wir haben einen Rennplan entwickelt, an den wir uns halten. Es gibt keine Überraschungen während eines Rennens. Wir
wissen, wann wir die Spurts
fahren sollen.

OP: Das hat in Luzern offensichtlich gut funktioniert. Obwohl der Druck sicherlich enorm gewesen sein muss …
Schäfer: Es war schon ein sehr hoher Druck, das hat man bei allen Beteiligten gemerkt. Schon im Training in Ratzeburg war die Gruppe nervös, da wurde auch mal gestritten. Jeder hat auf seine Weise versucht, damit umzugehen. 24 Stunden vor dem Rennen lag man dann auf dem Hotelzimmer und ist alles noch einmal durchgegangen. So viel kann man aber nicht machen, außer zu versuchen, sich zu
beruhigen.

OP: Kann diese Erfahrung in Rio helfen?
Schäfer: Das kann auf jeden Fall helfen. Die Aufregung ist da aber nicht punktuell wie in Luzern, sondern wird wellenartig verlaufen. Bei unserem Ziel Platz sechs bis acht müssen wir ja nicht den Sieg holen.

OP: Bereiten Sie sich speziell auf Brasilien vor? Das Klima ist anders, es gibt den Zika-Virus …
Schäfer: Wir bekommen medizinische Beratung von den Verbandsärzten, dazu gehören auch Impfungen und der Zika-Virus. Die Hygiene in der Lagune, wo wir rudern, soll in Ordnung sein. Es gibt am Hang wohl eine Favela, von wo Müll und Fäkalien in die Lagune gespült werden. Aber die Veranstalter werden alles machen, um das Wasser zumindest zwei Wochen lang sauber zu halten.

OP: Wo werden Sie untergebracht sein?
Schäfer: Im olympischen Dorf. Da freue ich mich wirklich sehr drauf. Das Flair werde ich nach dem Wettkampf erst richtig spüren, weil man dann einen anderen Fokus hat (die Ruderwettbewerbe sind in der ersten Olympia-Woche, Anm. der Red.). Am 15. August werde ich 22. Ich habe vor, meinen Geburtstag an der Copacabana zu feiern.

OP: Sie sind dann ganz nah dran an den Sportstars der Welt. Schon überlegt, wen Sie am liebsten treffen würden?
Schäfer: Usain Bolt. Da würde ich zumindest „hallo“ sagen wollen. Ansonsten ein paar deutsche Athleten oder ein paar Ruderer, die ich ansonsten auf den Regatten nicht so häufig
gesehen habe.

OP: „Mit Gummibärchen-Power nach Rio“ titelte die OP im August 2015 einen Bericht über Ihr Vorhaben. Welche Rolle haben die Süßigkeiten denn nun auf dem Weg dahin gespielt?
Schäfer: Die waren auch in Luzern dabei. Es werden schon Witze darüber gemacht, sogar im Abschlussbericht des Bundestrainers wurde das erwähnt. Ich habe damit aber kein Problem. Mittlerweile versorgen mich die Trainer sogar mit ein paar Päckchen.

OP: Klingt eigentlich nicht nach gesunder Sportlernahrung. Wieso greift ein Student der Ernährungswissenschaften zu Gummibärchen?
Schäfer: Kurz vor dem Wettkampf geht es darum, den Energiespeicher hochzufahren. Das geht auch mit Haribo, egal mit welcher Form von Kohlenhydraten. Ich werde auch nach Rio Gummibärchen mitnehmen.

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