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Ein Marburger pfeift in der zweiten Liga

Schiedsrichter Ein Marburger pfeift in der zweiten Liga

Er ist auf dem Weg nach oben. In der nächsten Saison leitet Christof Günsch Spiele in der zweiten Liga. Auch im deutschen Fußball-Oberhaus wird der 30-Jährige aktiv sein.

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Christof Günsch verwarnt Preußen Münsters Cihan Özkara wegen eines Fouls im Drittliga-Spiel gegen Werder Bremen II. Künftig pfeift der Marburger in der zweiten Liga.

Quelle: imago

Marburg. Bei Partien des VfB Stuttgart, von Hannover 96 oder im Millerntor-Stadion des FC St. Pauli könnte er in der neuen Saison die Verantwortung haben: Als vor wenigen Tagen die Auf- und Absteiger unter den bundesweit aktiven Schiedsrichtern bekanntgegeben wurden, tauchte der Name von Christof Günsch auf der Liste auf. Zum dritten Mal seit 2013. Damals schaffte er den Sprung in die Regionalliga, seit zwei Jahren leitet der 30-Jährige Drittliga-Spiele - und jetzt hat er den nächsten Schritt gemacht. Der Schiedsrichterobmann des Süddeutschen Fußball-Verbands, Helmut Geyer, rief ihn an, überbrachte die Nachricht. „Ich habe mich natürlich riesig gefreut“, beschreibt Günsch, „es war ein geiles Gefühl.“ Mit dem Aufstieg in die zweite Liga gerechnet hatte er nicht, insgeheim nach einer Saison, „die recht geräuschlos verlaufen ist“, aber doch darauf gehofft. „Dafür macht man das, sonst wäre man in diesen Klassen falsch.“

Seit er 15 ist, leitet Günsch Spiele. Mit 16 Jahren stand er bereits in der Bezirksliga auf dem Platz und als Assistent in der Oberliga an der Linie. An ein Spiel vor 4000 Zuschauern im Kasseler Auestadion - er war „vorher hypernervös“ - erinnert sich der in Battenberg aufgewachsene Wahl-Marburger besonders. Dann ging es weiter nach oben. 2009, als 23-Jähriger, pfiff er erstmals in der Regionalliga, stieg aber drei Jahre später zunächst wieder ab. „Damals waren die Leistungen nicht gut genug“, weiß er heute. Es war ein kleiner Knick in seiner ­Vita, mehr nicht. Günsch steigerte sich und überzeugte die Beobachter, die Noten für die Spielleitung vergeben. Bewertet werden nicht nur die Entscheidungen, auch beispielsweise die Körpersprache und das Stellungsspiel. Ob die jeweilige Begegnung besonders schwierig zu leiten ist - beispielsweise durch spezielle Herausforderungen wie Rudelbildungen - spielt ebenfalls eine Rolle.

Leistungen und „etwas Glück“ sind entscheidend

Anhand der Bewertungen werden nicht-öffentliche Tabellen erstellt. In der aktuellen für die dritte Liga muss Günsch weit oben auftauchen - wie auch Florian Badstübner (Windsbach), Matthias Jöllenbeck (Mülheim), Benedikt Kempkes (Urmitz), Lasse Koslowski (Berlin), Alexander Sather (Grimma) und Daniel Schlager (Niederbühl), die ebenfalls künftig als Hauptverantwortliche bei Zweitliga-Begegnungen eingesetzt werden. In diesem Jahr sind überdurchschnittlich viele Spitzenschiedsrichter ausgeschieden, entsprechend gibt es mehr Aufsteiger. Den Sprung in die erste Liga haben Benjamin Cortus (Röthenbach), Robert Kampka (Mainz), Harm Osmers (Hannover) und Frank Willenborg (Osnabrück) geschafft. Das DFB-Präsidium muss die Entscheidungen der Schiedsrichterkommission formell noch bestätigen.

Die Noten sind eine Sache, „etwas Glück“, weiß Günsch, „gehört aber auch dazu“. Vor allem aber ist es Talent, das ihn nach oben geführt hat - und harte Arbeit. Um topfit zu sein, trainiert er fast täglich. Hinzu kommen Lehrgänge und Leistungstests, außerdem Vor- und Nachbereitung der Spiele, zu denen er jeweils schon am Vortag anreisen muss. Entsprechend groß ist der Zeitaufwand. „Als Hobby, das man so nebenbei macht, funktioniert es nicht“, erklärt Günsch, der im Spiel auf einen guten Draht zu Spielern und Trainern setzt. Er trete „freundlich und kommunikativ, dabei aber immer verbindlich“ auf, sagt er. Wichtig sei, stets die Kontrolle zu behalten.

Das Fußball-Unterhaus kennt der Marburger bereits. Als Drittliga-Referee war er Assistent in der zweiten Liga, gehörte dort zum Gespann von Bibiana Steinhaus. Als Schiedsrichter wurde er meist durch den Cölber Julius Martenstein sowie ­Timo Wlodarczak unterstützt, die aber in der bisherigen Klasse bleiben. Wer ihm künftig assistiert, entscheidet der frühere ­Fifa-Referee und heutige Schiedsrichter-Abteilungsleiter beim DFB, Lutz Michael Fröhlich, vor Beginn der neuen Saison - auch, mit welchem Erstliga-Referee Günsch in der Regel unterwegs sein wird. Denn durch seinen Aufstieg ist der 1,89-Meter-Mann künftig auch in der Eliteklasse aktiv. Wie bisher schon in der zweiten wird er ab Sommer in der ersten Liga zudem als vierter Mann eingesetzt, zeigt als solcher Auswechslungen und die Nachspielzeit an. Und er muss sich mit Trainern auseinandersetzen, die sich nicht an die Regeln halten. „Da ist schon mal eine klare Ansage nötig.“

Respekt vor den neuen Aufgaben, aber keine Angst

Je höher die Klasse, umso schneller das Tempo. „Der Sprung ist noch mal ein großer“, weiß Günsch, hat „großen Respekt davor“ - aber keine Angst. Mitte Juli beginnt für ihn die Vorbereitung auf die neue Spielzeit mit einem fünftägigen Lehrgang im oberbayerischen Grassau, quasi einem Trainingslager für deutsche Spitzenschiedsrichter samt Leistungsüberprüfung. Erst einmal freut er sich aber, dass die Saison 2015/2016 zu Ende ist, er etwas relaxen und entspannt die Europameisterschaft verfolgen kann. Und Zeit hat, seine Masterarbeit anzugehen: „Möglichst bis zum Ende des Jahres“, hat er sich vorgenommen, will er sein Politikwissenschaftsstudium an der Philipps-Universität abschließen.

Mit seinen 30 Jahren ist Günsch zwar nicht der jüngste Zweitliga-Schiedsrichter, wäre aber auch längst nicht der älteste, der es später bis in die erste Bundesliga schafft. Sportlichen Ehrgeiz hat er. Darüber spekulieren, „was alles in den nächsten Jahren passieren kann“, will er aber nicht. „Mein Ziel ist es“, sagt Günsch, „immer meine Leistung zu bringen.“

von Stefan Weisbrod

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