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„Diese Verhandlung ist ein Witz“

Fußball, Sportgericht „Diese Verhandlung ist ein Witz“

Beim A-Liga-Spiel zwischen dem FSV Sterzhausen und den BSF Richtsberg kam es zu Tumulten, woraufhin der Schiedsrichter das Spiel abbrach. Am Dienstag entschied das Kreissportgericht über den Vorfall.

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Quelle: OP-Grafik: Julia Brinkmann

Marburg. Die Richtsberger waren von dem Verlauf der Verhandlung, die im Sportheim des FV Wehrda stattfand, alles andere als begeistert. Ein Funktionär des Vereins sah die Art und Weise, wie das Kreissportgericht die Beweisaufnahme führte, als eine Farce an. „Diese Verhandlung ist ein Witz“, äußerte er empört. Der Ärger rührte daher, dass ihrer Darstellung des Vorfalls seitens des Kreissportgerichts nicht genügend Glaubwürdigkeit beigemessen wurde.

„Wenn der Sachverhalt strittig ist, dann messen wir dem Sonderbericht des Schiedsrichters das meiste Gewicht bei“, stellte Rolf Usinger, der Vorsitzende des Gerichts, klar. Diese Vorgehensweise wurde drei Spielern der BSF Richtsberg zum Verhängnis.

Drei Richtsberger gesperrt

Der Sonderbericht des ­Schiedsrichters sprach Bände über das Verhalten der BSF: Beim Spielstand von 2:0 für Gastgeber FSV Sterzhausen habe ein Zuschauer den Ball weggeschossen, als ein Richtsberger einen Einwurf in der 44. Spielminute schnell ausführen wollte. Den Zuschauer habe der BSF-Spieler beleidigt, woraufhin der Schiedsrichter diesem die Rote Karte gezeigt habe. Währenddessen seien Richtsberger Spieler, auch Ersatzspieler, quer über den Platz gelaufen und hätten einen Tumult ausgelöst. Im Zuge dessen sei der Linienrichter von zwei Spielern attackiert worden. Daraufhin habe der Schiedsrichter die Partie am 24. September abgebrochen.

Der Linienrichter gab an, von den beiden Spielern geschubst, geschlagen und gekniffen worden zu sein. Er habe einen Bluterguss erlitten. Das Duo wurde für zwölf bzw. 16 Spiele gesperrt. Der Akteur, der vom Schiedsrichter wegen Beleidigung eines Zuschauers Rot gesehen hatte, muss zwei Spiele aussetzen. Darüber hinaus verhängte das Gericht, dem neben Usinger noch Steffen Rödiger, Jugendleiter beim FV Cölbe, Albert Lembach, 2. Vorsitzender der Eintracht Stadtallendorf, und Stefan Clasani, Abteilungsleiter Fußball beim FV Wehrda, als Protokollant angehörten, eine Geldstrafe von 200 Euro gegen die BSF wegen Verschuldung eines Spielabbruchs und Ausschreitungen.

„Von Spielverbot oder Punktabzug sehen wir ab, da der Vorfall nicht schwerwiegend ist“, erläuterte Usinger. Das Spiel wurde mit 3:0 für den FSV Sterzhausen gewertet.

„Nachdem sich die Szene wieder beruhigt hatte, bin ich zu dem Schluss gekommen, das Spiel abzubrechen, weil die Stimmung so aufgeheizt war“, sagte der Unparteiische. Die Attacken gegen den Linienrichter habe er gesehen. So auch ein als Zeuge geladener FSV-Funktionär. Laut Usinger müsse eine Partie bei Attacken auf das Schiedsrichtergespann abgebrochen werden.

Auch der FSV Sterzhausen leistete sich Fehlverhalten, das ihm eine Strafe von 75 Euro einhandelte. Während des Spiels trugen die Platzordner keine Armbinden, die sie als Offizielle des Vereins ausgewiesen hätten. Platzordner waren auf dem Sportgelände bis zum Vorfall in der 44. Spielminute nicht erkennbar gewesen. Ein Zeuge berichtete, von einem FSV-Vereinsfunktionär den Satz „Los, zieht mal die Binden an, dann greifen wir ein“ gehört zu haben.

Gewalt „aus dem Nichts“

„Bis zu diesem Zeitpunkt war es ein galliges aber faires Spiel von beiden Mannschaften. Die Gewalt kam überraschend und völlig aus dem Nichts“, sagte der Sterzhäuser. Die Richtsberger waren der Meinung, dass der Abbruch eine überzogene Reaktion gewesen sei. „Es gab ja keine Schlägerei. Es war ein bisschen Geschubse“, sagte ein BSF-Vertreter.

Zwei der drei Richtsberger, die gesperrt wurden, sagten am Dienstag aus. Der Spieler, dem eine 16-Spiele-Sperre aufgebrummt wurde, befand sich im Urlaub. Die beiden BSF-Spieler beteuerten ihre Unschuld. „Ich habe niemanden beleidigt“, meinte einer der beiden. Sein Mannschaftskollege erklärte: „Ich war aufgebracht und emotional, aber habe niemanden angegangen.“ Dass es Rudelbildung gegeben habe, in dessen Zentrum sich das Schiedsrichtergespann befand, leugnete niemand.

Das Urteil wurde nicht rechtskräftig. Der BSF-Funktionär, der die Unterschrift zu leisten hatte, weigerte sich, die verhängten Strafen gegen Verein und Spieler zu akzeptieren. „Ich muss mir das noch ordentlich durch den Kopf gehen lassen“, erklärte er. Sieben Tage hat der Verein Zeit, um in Berufung zu gehen.

von Benjamin Kaiser

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