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Lokalsport „Söldner“ marschieren wieder
Sport Lokalsport „Söldner“ marschieren wieder
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09:30 29.04.2018
Dale Heffron (rechts, im Gespräch mit einem Schiedsrichter), ist auch in dieser Spielzeit Cheftrainer der Marburg Mercenaries. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Ich habe Angst, nicht der beste Trainer zu sein. Aber vor allem habe ich Angst, dass meine Spieler ihre Grenzen nicht erreichen, Großartigkeit verpassen“, sagt Dale Heffron, Football-Lehrer der Marburger. Sein Job ist es, aus seinen Schülern das Maximum herauszukitzeln.

2017 gewannen die „Söldner“ acht von 14 Saisonspielen, erreichten die Playoffs, schieden jedoch in der ersten Runde aus. Für die Marburger gilt es, diese erneut abzurufen. Erfolg in der German Football League (GFL) zu wiederholen und konstant auf einem hohen Niveau zu spielen, ist das Meisterstück, das den „Söldnern“ gelingen soll.

„Es passiert im Football auf jedem Niveau und in jedem Land. Spieler und Trainer vergessen, wie schwierig es war, Erfolg zu haben. Der wird für selbstverständlich genommen. Das ist aber nicht der Fall“, macht Heffron deutlich, der wieder die Playoffs erreichen will. Er sieht es als seine Hauptaufgabe an, törichten Gedanken wie Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit einen Riegel vorzuschieben. Denn für derartige Schwächen ist in seiner Welt ein Platz auf der Strafbank reserviert.

Nach einer überraschend guten Saison 2017 wollen die „Mercs“ in dieser Spielzeit den nächsten Schritt machen. Und das mit 
alten Bekannten und neuen Gesichtern.

Am Sonntag marschieren die „Söldner“ in die German-Football-League-Saison 2018. Dann kommt der Realitäts-Check, wird die Saisonvorbereitung auf den Prüfstand gestellt. Wie im vergangenen Jahr eröffnen sie mit einem Heimspiel. Diesmal gegen den Aufsteiger Kirchdorf Wildcats. Mit vielen neuen Gesichtern treten die „Mercs“ an. Aber auch mit alten Bekannten. Insgesamt sind es rund ein Dutzend neue Spieler. Aus Deutschland, den USA, Ungarn, Australien und Großbritannien. Ob Fortschritt und Erfolg kommen, könne laut Heffron nur auf dem Rasen beantwortet werden.

23,9 Punkte pro Spiel produzierten Marburgs Offensive in der vergangenen Saison – Rang neun in dieser Statistik. Solide, aber keineswegs beeindruckend. Hauptgrund für diese mäßige Offensivausbeute waren vor allem Defizite in der Offensive Line. Die hat sich laut Offensive Coordinator (OC) Patrick Griesheimer, der einstige Offensive Lineman und ehemalige deutsche Nationalspieler, allerdings verbessert. „Wir sind im Run Blocking mittlerweile ganz gut. Auch das Pass Blocking klappt besser. Aber es ist mit Sicherheit immer noch die Positionsgruppe mit den meisten Problemen“, sagt der OC.

Ein zweiköpfiges Laufspiel-Monstrum

Marburg ist da allerdings keine Ausnahme. Nur wenige GFL-Teams haben eine gut aufeinander abgestimmte Offensive Line. Bei den fünf schweren Jungs, die es bei den „Mercs“ richten sollen, sind Kai Stockfisch, Karsten Ackermann, Martin Aab, Antonius Walvis und Moritz Schmidt. „Grundsätzlich bin ich mit unserer Offensive derzeit zufrieden. 2017 war Marburgs Laufspiel das zweitschlechteste der gesamten Klasse. Für ein Playoff-Team desolat. Zu berechenbar, zu einseitig, zu passlastig war daher das Offensivspiel.

Für mehr Yards auf dem Boden soll das zweiköpfige Laufspiel-Monstrum, bestehend aus den US-Amerikanern Silas Nacita und Andrecus Lindley, verantwortlich zeichnen. Lindley spielt seine zweite Saison in Serie und seine dritte insgesamt in Marburg. Auch Nacita ist ein alter Bekannter. Nach einem einjährigen Intermezzo beim Rivalen Frankfurt Universe ist er wieder zurück an der Lahn. Beide sind zudem gute Passfänger, können also auch vom Quarterback angespielt werden.

Suche nach dem richtigen Timing

Genau da kommt Alexander Thury ins Spiel. Der 23-jährige Österreicher ist überzeugt von der Stärke der Offensive. Der Quarterback spricht aber auch notwendige Verbesserungen an: „Beim Einschätzen, wie schnell meine Receiver sind, muss ich mich noch verbessern. Das Timing des Wurfs und die Ballplatzierung muss harmonieren. Dafür muss ich ein besseres Gefühl bekommen.“

Griesheimer ist von seinem Schützling jedenfalls angetan. „Er ist sehr präzise, wird den Ball schnell los, kann zur Not auch laufen und hat Führungsqualitäten“, lobt der OC. Zumal er dem 23-Jährigen die nötigen Freiheiten gewähren will. „Wenn ein Spielzug von der Seitenauslinie kommt, Alex sich mit der Ansage allerdings unwohl fühlt oder die Defensive anders liest, bin ich der letzte Trainer, der das kritisiert“, erklärt Griesheimer. Umstellungen vorzunehmen, während die Spieluhr herunterläuft, sei ein Teil im Reifeprozess eines Quarterbacks.

Die Defensive will von mehr Tiefe profitieren

Im vergangenen Jahr stellten die Marburger eine Defensive, die mit 23,2 zugelassenen Punkten pro Spiel die fünftbeste im Land war. Die „Mercs“ haben mit dem Abgang von Middle Line‑
backer Michael Taylor, letztes Jahr der mit Abstand beste Tackler der gesamten Liga, sage und schreibe 167 Tackles verloren. Er schloss sich den Hamburg Huskies an und hinterlässt eine große Lücke im Zentrum der Defensive. US-Amerikaner Peter Jinkens, der im traditionsreichen Football-Team der University of Texas gespielt hat, ist der neue Anker der Verteidigung. Er soll die entstandene Lücke schließen. „Er ist der Linebacker, den wir uns erhofft haben“, sagt Defensive Coordinator (DC) Sam Weiss.

Mit Neal Howey, Cesare Vanucci und Jack Rice stehen Jinkens derzeit drei Linebacker zur Seite, die den gegnerischen Ballträger in Jinkens Arme treiben sollen. Kristóf Szakács und Joshua Clarke sollen Qualität und Tiefe der Sam Weiss zur Verfügung stehenden Defensive Backs verbessern. Sie sollen unter anderem den Weggang von Defensive Back Daniel Katusic wettmachen. Joel Maddock bringt das nötige Volumen und die Power mit, um etwaige Löcher in der Defensivfront abzudichten. Was seine Starter angeht, ist Weiss nicht so auskunftsfreudig wie Griesheimer.

Das Ziel braucht einen Plan

Allerdings hat er dafür einen triftigen Grund. „Ich will diese Woche noch abwarten“, erklärt der DC. Möglicherweise legen manche Spieler eine besonders gute Trainingswoche vor dem Saisonstart hin. Solchen Entwicklungen will Weiss dann Rechnung tragen. Sicher ist laut ihm jedoch Folgendes: „Wir haben definitiv mehr Tiefe im Kader als letztes Jahr.“ Vanucci ist da ein wenig pessimistischer als sein von Natur aus positiv gestimmter Trainer. „Wir haben einige Jungs, die wegen anderer Verpflichtungen oder Verletzungen noch kaum oder gar nicht trainiert haben“, erklärt das Marburger Urgestein. Von Beginn an dabei ist hingegen einmal mehr Phil Lanieri, der sowohl in der Defensive als auch in der Offensive auflaufen wird.

Eine Anekdote: Vor vier Wochen saß Griesheimer mit den Offensive Linemen im Team zusammen. Er fragte in die Runde: „Was sind eure Ziele in dieser Saison?“ Von einem Spieler bekam er die Antwort, dass jener in diesem Jahr den German Bowl, also die Meisterschaft, gewinnen wolle. Griesheimer fragte den Spieler, was er dafür tun wolle. Denn ein Ziel braucht einen Plan. Ansonsten bleibt es ein Traum.

von Benjamin Kaiser

Spielplan

So., 29. April, 16 Uhr: Kirchdorf Wildcats (Heimspiel)
So., 13. Mai, 15 Uhr: Frankfurt Universe (Auswärtsspiel)
So., 20. Mai, 16 Uhr: Munich Cowboys (H)
Sa., 2. Juni, 16 Uhr: Kirchdorf Wildcats (A)
So., 10. Juni, 16 Uhr: Allgäu Comets (H)
Sa., 16. Juni, 18 Uhr: Stuttgart Scorpions (A)
So., 24. Juni, 16 Uhr: Ingolstadt Dukes (H)
Sa., 30. Juni, 17 Uhr: Schwäbisch Hall Unicorns (A)
So., 5. August, 15 Uhr: Allgäu Comets (A)
So., 12. August, 16 Uhr: Frankfurt Universe (H)
Sa., 18. August, 16 Uhr: Munich Cowboys (A)
So., 26. August, 16 Uhr: Stuttgart Scorpions (H)
So., 2. September, 16 Uhr: Schwäbisch Hall Unicorns (H)
Sa., 8. September, 18.30 Uhr: Ingolstadt Dukes (A)