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„Die Älteren dürfen nicht rummosern“

Fußball „Die Älteren dürfen nicht rummosern“

Für viele Fußballfans ging der VfB Marburg über Jahrzehnte mit dem Namen Günther Keifler einher - bis vor gut einem Jahr, als der eigentlich unermüdliche Kämpfer kapitulierte: Er zog einen Schlussstrich.

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Günther Keifler engagierte sich viele Jahre für den Fußball in Marburg, insbesondere für den des VfL bzw. des VfB Marburg.Foto: Yanik Schick

Bürgeln. Was Günther Keifler seit 1992 an der Seite seines Herzensvereins durchlebt hat, was er in verschiedenen Funktionen geleistet und wie er bis zum Schluss standhaft durchgehalten hat, ist kaum in Worte zu fassen. Als Trainer der A-Jugend-Mannschaft gestartet, kümmerte sich der Marburger alsbald um die gesamte Jugendabteilung und nicht viel später im Vorstand um den ganzen Vereinsfußball. „Dann hatten wir mal keinen Platzwart, dann hatten wir mal keine Reinigungskraft - und alles machte dann eben Günther Keifler“, erinnert sich der 65-Jährige nur zu gut an die Jahre, in denen er sich Tag für Tag für den VfB Marburg aufgerieben hatte. Ein „Fulltime-Job“, wie er selbst sagt, den er aber auch mit Leib und Seele gern erledigte.

Doch im zurückliegenden Sommer, als die Schimmelreiter ihre Reservemannschaft mangels Spielern noch vor Rundenbeginn zurückziehen mussten und sich die vielen negativen Schlagzeilen über die Vereinsführung angestaut hatten, da sah auch Keifler sein Ende beim VfB gekommen. „Ich habe gemerkt, es läuft nicht mehr so, wie es laufen sollte. Die Unstimmigkeiten im Verein haben mich zermürbt. Deswegen hat mir dann auch die Kraft gefehlt, das Ruder noch herumzureißen“, sagt der ehemalige Sportliche Leiter, der sich zu dieser Zeit längst um mehr als nur das Sportliche gesorgt hatte.

Hart an der Kante zur Insolvenz gestanden

Zu konkreten Verfehlungen, die an der Gisselberger Straße begangen wurden, möchte sich Keifler nur ungern äußern. Der sportliche Niedergang, die hohe Verschuldung und der daraus resultierende Verkauf des eigenen Sportgeländes an die Stadt haben ihm sichtlich wehgetan. Große Teile davon musste der 65-Jährige ausbaden. „In der Zeit, in der wir hart an der Kante zur Insolvenz standen, habe ich jeden Abend mit unserem Notar zusammengesessen“, betont Keifler.

Ihm selbst passte irgendwann nicht mehr der Umgang untereinander. Auf diversen Sitzungen hatte es lautstarke Streitereien über die Zukunft des Vereins gegeben. „Es gibt immer Phasen, in denen es einem Verein schlecht geht. Gerade dann ist es wichtig, dass man sich weiter mit ihm identifiziert und die Treue hält. Aber beim VfB gab’s kein Wir-Gefühl“, bemängelt das Marburger Urgestein heute.

Er hat inzwischen etwas Abstand gewinnen können - und das hat ihm gut getan. Der VfB Marburg musste nach der vergangenen Saison zwar den Abstieg in die Kreisoberliga verkraften. Keifler sieht den Verein aber dennoch auf einem recht guten Weg in ruhiges Fahrwasser. Der starke Start in die neue Saison mit sieben Punkten aus drei Spielen und insbesondere der 6:0-Kantersieg gegen den TSV Michelbach habe ihm Hoffnung gemacht. „Wenn sie jetzt zusammenhalten und eine Gemeinschaft entsteht, dann kann ich mir vorstellen, dass es eine positive Entwicklung nimmt.“ Zahlreiche engagierte Funktionäre wie Dr. Helmut Feiber, Thomas Pfeiffer, Hartmut Drescher, Thomas Schick, Dieter Borufka oder Peter Starostzik würden gute Arbeit leisten.

Ein Generationswechsel schien beim VfB also einfach vonnöten zu sein. „Es kommen momentan viele jüngere Leute nach, und das hilft dem Verein. Die Älteren dürfen dann auch nicht rummosern“, meint Keifler. Er hat Erfahrung mit personellen Umbrüchen. Anfang der 1980er-Jahre trainierte der 65-Jährige Marburgs Fußballer, die damals noch für den VfL kickten. „Ich habe schon damals immer auf die Jugend gesetzt, und man hat mir gesagt, mit diesem Kindergarten würde ich absteigen.“ Tatsächlich gelang dem A-Lizenz-Inhaber 1985 mit seinem vermeintlichen Kindergarten-Team der Aufstieg in die Oberliga - damals die dritthöchste Liga Deutschlands.

Dass der langjährige technische Angestellte beim Staatsbauamt schon immer wusste, wie richtiger Fußball gespielt wird, belegt nicht zuletzt seine aktive Karriere. Keifler trug lange den Adler auf der Brust: zunächst für Schüler-, Jugend- und Amateurnationalmannschaften, später sogar in der Bundesliga für Eintracht Frankfurt (1967-1971). „Ich war körperlich fit, schnell, hatte großen Offensivdrang und war recht variabel“, sagt Keifler. In Folge einer schweren Knieverletzung und unzähligen Operationen musste er dann aber recht früh seine Schuhe an den Nagel hängen.

So führte der Weg auf lange Sicht zurück nach Marburg, in die Heimat, wo Günther Keifler 1959 angefangen und vor rund einem Jahr aufgehört hatte. „Ich bin immer mit dem Verein verbunden“, so der 65-Jährige. Der VfB ist eben sein Herzensverein.

von Yanik Schick

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