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Deutschland verliert Basketball-Krimi 64:66

EM-Qualifikation in Marburg Deutschland verliert Basketball-Krimi 64:66

Während die Ukraine wie der Gruppenerste Serbien den zweiten Sieg in der EM-Qualifikation feierte, wird es für Deutschland nach der zweiten Niederlage eng.

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Quelle: Nadine Weigel

Marburg. 28 Sekunden vor Schluss brachte Olesia Mala­shenko die Gäste mit 66:64 in Führung. Eine lange Zeit im Basketball, doch die Deutschen mit den Marburgerinnen Birte Thimm, Svenja Greunke und Julia Gaudermann (ohne Einsatz) schafften es nicht mehr, zumindest die Verlängerung zu erzwingen. Sonja Greinacher traf nicht, und nach einem Verzweiflungsversuch von Svenja Brunckhorst in letzter Sekunde war das Schlüsselspiel verloren. „Am Ende gehen bei uns zwei machbare Dinger nicht rein, bei der Ukraine fällt der letzte, schwierige Wurf“, sagte Bundestrainer Bastian Wernthaler.

Von einer Entscheidung in der EM-Qualifikation wollte Wernthaler jedoch nichts wissen: „Das heißt erst einmal gar nichts, weil wir eine Mannschaft aufbauen wollen. Wir sind auf einem guten Weg und den verfolgen wir weiter.“

In einem nervenaufreibenden EM-Qualifikationsspiel haben die deutschen Basketballfrauen mit 64:66 gegen die Ukraine verloren. Kurz vor dem Ende gingen die deutschen Korbjägerinnen vor 820 Zuschauern in der Gaßmann-Halle sogar in Führung. In der Folge ließen sie jedoch einige Möglichkeiten liegen, sodass die Ukrainerinnen die Partie am Schluss drehen konnten. Bundestrainer Bastian Wernthaler und seine Spielerinnen zeigten sich kurz nach der Schlusssirene enttäuscht von der knappen Niederlage und trauerten den vielen vergebenen Korblegern und Freiwürfen nach.

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Komplimente vom Gegner

Komplimente, auf die die Deutschen für einen Sieg freilich gerne verzichtet hätten, gab es vom Gegner. „Ich denke, es war ein sehr gutes Spiel von Deutschland und es war ja nicht das letzte Spiel der Gruppe“, sagte Assistenztrainer Sergey Voznyuk, der für seinen des Englischen nicht mächtigen Coach Volodymyr Kholopolov Rede und Antwort stand. Der Schlüssel seien für ihn der Charakter der Mannschaft und „einige Entscheidungen in den letzten Sekunden gewesen“.

Und dennoch hatten beide Trainer neben den dramatischen Schlussminuten die erste Halbzeit im Fokus ihrer Analysen. „In der ersten Halbzeit hatten wir eine Reihe von freien Dreiern und wir haben sie getroffen“, sagte Voznyuk. Im zweiten Viertel waren es derer fünf, wobei Starspielerin Alina Iagupova mit auslaufender Uhr einen Buzzerbeater zum 44:37-Halbzeitstand mit Brett versenkte. Danach ging die Muskelfrau kühl wie ein Eisberg ohne die geringste Regung in die Kabine.

Wernthaler hingegen („Die Niederlage hat viel mit der ersten Halbzeit zu tun“) rüttelte seine Mannschaft in der Pause auf. Flügelspielerin Sonja Greinacher dazu: „Wir haben in der Halbzeit angesprochen, dass wir nicht aggressiv genug waren. Bei der Ukraine hat man gesehen, dass sie früh fünf Mannschaftsfouls hatten und früher drauf gegangen sind. Wir wussten, dass jetzt Go-Time ist und wir auch aggressiver spielen müssen.“

Spielstand-Irritationen

Das klappte. Deutschland kam mit einem 7:0-Lauf zum 44:44, doch die Ukraine schlug zurück und hielt eine knappe Zwei- bis Sechs-Punkte-Führung. Auch weil die Deutschen zu viele Offensivrebounds zuließen und einige Freiwürfe - am Ende nur 19 von 27 - nicht trafen. Kurz vor Schluss sah es doch noch nach der Wende aus, als Stephanie Wagner zum 62:61 traf und Katharina Fikiel sowie Lea Marsch mit jeweils einem Freiwurf das 63:61 bzw. 64:62 markierten. Dann aber drehte Malashenko nach Offensivrebound zum 64:64 auf und setzte den Schlusspunkt.

Allerdings hat die Partie möglicherweise noch ein Nachspiel: Denn im ersten Viertel sorgte der Spielstand für Irritationen. Nach 5:4-Führung Deutschlands traf Iagupova einen Dreier - auf der Anzeigetafel hieß es 5:8. Und bei deutschen Freiwürfen (Stand 10:13, eigentlich aber 10:12) berieten sich Schiedsrichter und Anschreibetisch lange - und der Spielstand wurde auf 10:15 geändert. Auf OP-Nachfrage hieß es: Der Bogen ist gecheckt worden. Bundestrainer Wernthaler sagte, er habe den vermeintli­chen Fehler nicht mitbekommen: „Natürlich schauen wir uns das an.“ An ein Wiederholungsspiel glaube er nicht. „Ob wir Protest einlegen, müssen die Verbandsjuristen entscheiden.“

von Holger Schmidt und Peter Gassner

Statistik
Deutschland – Ukraine 64:66 (19:23, 18:21, 16.13, 11:9).
Deutschland: Mersch 10, Greinacher 10 (8 Rebounds), Bär 10, Brunckhorst 9, Dzirma 8, Fikiel 8 (8 Reb.), Wagner 5/1 Dreier, Skuballa 2, Greunke 2, Thimm.
Ukraine: Iagupova 22/2, Malashenko 19, Zarytska 14/4, Dorogobuzova 8, Olkhovyk 3/1, Dubrovina, Spitkovska, Bilotserkivska, Samburska, Berezhynska.
Zuschauer: 820.

 

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Stimmen

Jürgen Hertlein (Vorsitzender des BC Marburg): „Es war ein starkes Spiel und eine tolle
Sache für das Publikum – echte Werbung für den Damenbasketball in Marburg. Wir hoffen natürlich, dass sich das auch für die nächsten Spiele des BC Marburg positiv auswirkt. Natürlich ist es schade, dass es am Ende nicht ganz für den Sieg gereicht hat. Das Spiel war aber ein völlig neues Erlebnis für uns in dieser Halle und wir haben die Organisation super hingekriegt – das haben uns auch die Offiziellen des DBB bescheinigt. Eine Wiederholung wäre schon, aber es ist natürlich auch ein Riesenaufwand.“

Björn Backes (Sportamtsleiter und 2. Vorsitzender des BC Marburg): „820 Zuschauer waren für einen Mittwochabend eine super Sache. Es war für uns die Frage, was mitten in der Woche passiert, damit haben wir keine Erfahrungen. Dafür war es echt klasse und
eines Länderspiels würdig. Aus den letzten Jahren wussten wir, dass es immer wieder knappe Spiele waren gegen die Ukraine. Ein paar Freiwürfe, ein paar leichte Fehler, Winzigkeiten haben entschieden. Und dass der eine oder andere Dreier nicht reingefallen ist.“

Aleksandra Kojic (U-20-Nationaltrainerin und ehemalige BC-Bundesligatrainerin): „Die Rebounds haben uns gekillt, die Ukraine hat in der Offensive zu viele geholt. Letztlich haben wir noch mehrere Elfmeter gehabt, aber leider nicht verwandelt. Es hat ein bisschen gedauert, bis das Publikum in Schwung gekommen ist, aber die zweite Halbzeit war richtig gut und eine tolle Kulisse. Das war es noch nicht mit der EM-Qualifikation. Sie müssen an sich glauben und von Spiel zu Spiel denken.“

Tina Menz (Ex-Nationalspielerin und Ex-BC-Spielerin): „Ich finde es toll, dass so viele Leute da sind und so
eine Stimmung ist. An Marburg habe ich nur
gute Erinnerungen. Die Fans sind ganz toll. Die zwei Jahre in Marburg haben mir in meiner Entwicklung sehr geholfen.“

Birthe Timm (Nationalspielerin vom BC Marburg): „Wir hatten anfangs zu viele Turn­over und haben zu wenig Druck auf den Ball gehabt. Am Ende haben wir insgesamt zu viele Freiwürfe und Korbleger vergeben. Wir haben uns zehn Tage lang fast nur auf dieses Spiel vorbereitet, natürlich herrscht jetzt erst einmal Frust. Wir haben aber gesehen, dass wir mit ihnen auf einem Level sind. Und bis zu den nächsten Länderspielen bleibt ja zum Glück noch ein bisschen Zeit.“

Svenja Greunke (Nationalspielerin vom BC Marburg): „Wir haben kleine, einfache Fehler gemacht. Am großen Ganzen hat es nicht gelegen. Vor so einer Kulisse zu spielen, ist natürlich immer schön – besonders, wenn man Freunde und Familie auf der Tribüne hat. Das Publikum war für deutsche Verhältnisse sehr gut, auch wenn es hier natürlich keine Riesenhalle ist.“

Julia Gaudermann (Nationalspielerin vom BC Marburg): „Von draußen zuzuschauen ist eigentlich immer schlimm, nicht nur in der heißen Endphase. Für mich war es aber ein cooles Erlebnis, zehn Tage
bei der Nationalmannschaft mitzumachen. Am Anfang hat sich das Team schwergetan, in der zweiten Halbzeit hat man aber gesehen, dass die Ukrainerinnen nicht mit unserer Spiel­weise klargekommen sind.“

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