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Der Teamerfolg steht über allem

Im Porträt: Basketballerin Julia Köppl Der Teamerfolg steht über allem

Übermütig ist sie nicht, aber selbstbewusst. In eigener Halle, sagt Julia Köppl, sollte der BC Marburg kein Spiel verlieren. Können die Blue Dolphins sogar Meister werden? "Alles ist möglich", antwortet die Österreicherin.

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Voller Einsatz für den BC: Julia Köppl (links) gegen Kelterns Jasmine Thomas.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Julia Köppl spielt ihre dritte Saison beim BC. Nachdem sie in den vergangenen beiden Spielzeiten noch „viel Lehrgeld zahlen musste“, wie es Marburgs Trainer Patrick Unger ausdrückt, ist sie jetzt aus der Rotation nicht mehr wegzudenken. Im Schnitt 17 Minuten stand sie in den ersten acht Saisonspielen auf dem Parkett und ist damit zufrieden - zumindest vorerst. „Ich bekomme meine Chancen, ich will sie natürlich möglichst gut nutzen“, sagt die Innsbruckerin. Und Unger bescheinigt ihr eine „ständige Entwicklung“. Es mache ihm „viel Spaß, mit ihr zu arbeiten, weil sie sich immer verbessern will und viel für die Mannschaft tut“.

Ehrgeiz und Teamgeist - das sind zwei Aspekte, von denen Köppl auch selbst spricht. Schon in ihrer Jugend war es immer ihr Ziel, besser zu sein. Nicht zwingend als alle anderen, aber als sie selbst. Zu Hause in Österreich, dem Land des Wintersports, führte sie ihr Vater, der selbst aktiver Basketballer in der zweiten Liga war, ans Spiel mit dem (meist) orangenen Kunstlederball heran. Mit zehn Jahren spielte sie in Innsbruck fürs Team ihrer Schule, dann auch im Verein. Ihr Talent blieb nicht verborgen, schon mit 15 war sie fürs österreichische Jugendteam aktiv, mit 16 in der Tiroler Frauen-Landesliga, der zweithöchsten Spielklasse.

Vier Jahre in den Vereinigten Staaten

Inzwischen ist Julia Köppl 25 und hat ihren Platz in einem deutschen Bundesliga-Team gefunden. Nach ihrer Matura - dem österreichischen Abitur - wechselte sie 2009 zunächst zum TSV Wasserburg, kam dort meist in der Regionalliga-Mannschaft zum Einsatz. 2010 wagte sie den Sprung über den Atlantik. „Es war mein Traum, am College zu spielen“, erzählt sie. Auf Long Island, ­eine Autostunde von New York City entfernt, erfüllte sie ihn sich, ging für die Dowling Golden Lions auf Korbjagd, überzeugte mit durchschnittlich mehr als elf Punkten und rund zehn Rebounds pro Spiel. 2014 führte sie ihr Weg zurück nach Europa - nach Marburg. „Ich wollte weiter auf hohem Niveau spielen, den Sport aber mit dem Beruf unter einen Hut bekommen“, erklärt sie. Und dafür waren die Voraussetzungen beim BC Pharmaserv, der zuvor über eine Agentur Kontakt mit ihr aufgenommen hatte, sehr gut.

Am Dowling College hatte Köppl ihren Bachelor in Grafikdesign gemacht. Dass der Verein ihr eine Teilzeitstelle als Mediengestalterin vermittelte, half ihr bei ihrer Entscheidung für Marburg. Mindestens genauso wichtig waren ihre ersten Eindrücke von der Stadt und natürlich von ihrem Team samt Coach Unger. „Mit Patti habe ich mich direkt sehr gut verstanden“, sagt sie und ergänzt: „Er ist ein super Trainer, er nimmt sich Zeit für jede Spielerin. Durch ihn habe ich viel dazugelernt.“

„Am College wurde athletischer gespielt, hier viel physischer“, erklärt Köppl, warum sie in der Bundesliga „am Anfang einige Probleme“ hatte. Inzwischen hat sich die 1,84-Meter-Frau längst an das körperlichere Spiel gewöhnt. Als Power Forward und Center muss ich dahin gehen, „wo es auch mal wehtut“, um sich unter dem Korb in Position zu bringen oder Rebounds zu holen - damit hat sie kein Problem, auch wenn sie wie zuletzt bei der 61:83-Niederlage in Herne mal ein blaues Auge davonträgt. „Manchmal will ich zu viel“, weiß sie, dass sie ab und an etwas zurückhaltender agieren müsste. Zweimal wurde sie in dieser Saison bereits wegen fünf Fouls disqualifiziert.

Verbesserungspotenzial in der Offensive

Nicht nur deshalb sieht Unger noch Entwicklungspotenzial bei Köppl: „Sie ist gut, aber sie kann richtig, richtig gut werden.“ Er bezieht sich dabei besonders auf ihre Offensivqualitäten: „Sie trifft nicht immer die richtigen Entscheidungen und muss an ihrem Abschluss arbeiten.“ Sie selbst weiß das: „Ich bin nicht der Leading Scorer, das ist auch nicht meine Aufgabe. Aber ich verlege immer ein, zwei dumme Dinger“, erklärt sie, warum sie bislang durchschnittlich nur auf 5,1 Punkte pro Spiel kam. An diesem Samstag (19 Uhr) im Spiel gegen die Saarlouis Royals dürften es gern ein paar mehr werden. Wichtiger ist für sie aber der Erfolg der Mannschaft.

Dass ein Sieg gegen den Vizemeister drin ist, steht für Köppl außer Frage. „Zu Hause sind wir noch stärker als auswärts“, erläutert sie, warum sie der Meinung ist, dass die Blue Dolphins in eigener Halle kein Spiel verlieren sollten. Und, so die Logik, weil jeder Gegner besiegbar sei, könne der BC auch Meister werden. Sie ist sich aber bewusst, dass andere Teams (noch) vor dem BC stehen, vor allem ihr Ex-Club Wasserburg. „Aber wir werden immer besser.“ Eine große Stärke sei das Gemeinschaftsgefühl. „Wir verstehen uns super, das hilft uns auch in der Halle“, sagt Köppl, die sich mit Teamkameradin Tonisha Baker eine Wohnung teilt.

Ein weiteres Standbein als Model will Köppl sich übrigens nicht aufbauen - trotz positiver Erfahrungen: Für einen Werbespot stand sie bereits vor der Kamera, im Spätsommer posierte sie gemeinsam mit Kraftsportler Raffael Gordzielik für die Style-Beilage der Oberhessischen Presse.

„Ich bin gefragt worden, da habe ich zugesagt. Es hat viel Spaß gemacht“, erzählt die Österreicherin, die in Hessen längst eine zweite Heimat gefunden hat. „Wenn es zeitlich passt, reist sie trotzdem gern nach Innsbruck. „Da ist meine Familie“, sagt sie. Und: „Marburg ist sehr schön, die Leute sind sehr nett. Aber die Berge fehlen mir hier schon.“

von Stefan Weisbrod

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Blue Dolphins lassen sich nicht einschüchtern

Die Serie soll halten: In eigener Halle ist der BC Pharmaserv in dieser Saison noch ungeschlagen. Mit dem Vizemeister aus Saarlouis kommt am Samstag aber ein Schwergewicht der DBBL nach Marburg.

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