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Der "Hexer" bleibt weiter am Ball

Squash Der "Hexer" bleibt weiter am Ball

Die besten deutschen Squashspieler kämpfen an diesem Wochenende um den Sieg bei den Marburg Open. Als Titelverteidiger geht ein Mann ins Turnier, der zehn Jahre lang als Profi um die Welt tourte: André Haschaker.

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André Haschker auf dem Court. Nach vielen Jahren als Profi auf der World Tour und einigen Erfolgen mit der Nationalmannschaft tritt der Marburger inzwischen etwas kürzer.

Quelle: Jordan Mansfield

Marburg. Marburg. André Haschker bekam als Jugendlicher von einem Kadertrainer einen sicherlich gutgemeinten Tipp. Er solle lieber Leichtathletik betreiben, für Squash würden ihm das Talent und die körperlichen Voraussetzungen fehlen. Der Coach von damals hat später eingeräumt, mit seiner Einschätzung danebengelegen zu haben. Haschker ist einer der erfolgreichsten deutschen Spieler der vergangenen Jahre - obwohl er mit seinen 1,70 Metern von den meisten Konkurrenten teils deutlich überragt wird.

Die Nachteile in Größe und Spannweite gleicht er durch flinke Beine und seine Reaktionsschnelligkeit aus. Weil er auch an scheinbar unerreichbare Bälle noch herankam, bezeichnete ihn 2006 ein Freund als „Hexer“ - ein Spitzname, unter dem Haschker noch heute in der Squashszene bekannt ist. Im vergangenen Jahr beendete er seine Profikarriere, spielt seitdem nicht mehr auf der World Tour, hat seine Prioritäten neu gesetzt. Bereits vor zweieinhalb Jahren gründete er die „Ballschule Wirbelwind“, die Kindern altersgerechte Bewegungsangebote bietet - ein Projekt, „in dem viel Herzblut steckt“, wie er betont. Im Marburger Welcome Hotel absolviert der 33-Jährige zudem eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Den Schläger an den Nagel gehängt hat er aber noch längst nicht.

Zweimal EM-Dritter mit der Nationalmannschaft

1993 kam der damals Zehnjährige in Singen am Bodensee, wo er mit seiner Familie lebte, erstmals mit Squash in Berührung. In der DDR war der gebürtige Dresdener bereits mit vier Jahren ins Sportförderprogramm gesteckt worden. Schwerpunkt: Eiskunstlauf. Dann spielte er in Berlin Eishockey. Doch erst beim Squash hatte er wirklich Spaß. „Es gibt einen Ball und vier Wände, man kann sich richtig auspowern“, beschreibt er. „Das hat mir super gefallen.“ Haschker blieb dabei, feierte Erfolge, spielte mit 17 bereits für Erstligisten in Deutschland und in der Schweiz. Drei Jahre später - das Abitur hatte er in der Tasche, ein Freiwilliges Soziales Jahr in Gießen hinter sich - entschied er sich, es als Profi zu versuchen.

Bereut hat Haschker diese Entscheidung nie, auch wenn die Anfangszeit ohne finanzielle Förderung „richtig hart“ war; meist gab es nur kleine Preisgelder. Ab 2005 trat er auch international an, spielte Turniere in allen Teilen Europas, auch in Australien sowie in Süd- und in Nordamerika. Die Kosten waren höher, aber es gab auch mehr zu gewinnen. Zweimal stand er bei Turnieren der World Tour im Finale, ein Sieg war ihm nicht vergönnt. In der Weltrangliste kam er mehrmals nah an die Top 100 heran. Große Erfolge feierte er mit dem Adler auf der Brust: 2006 debütierte er in der Nationalmannschaft, zwischen 2010 und 2013 gehörte er zum Stammkader. Bei der Heim-Weltmeisterschaft 2011 in Paderborn holte das Team Rang acht, bei den Europameisterschaften 2012 in Nürnberg und ein Jahr später in Amsterdam jeweils Bronze. Besonders 2013 trug Haschker viel zur Medaille bei: Vier seiner fünf Spiele gewann er, sicherte gegen den Franzosen Greg Marche - damals 29. der Weltrangliste - das Weiterkommen.

In Frankreich geht‘s nächste Woche um den Landestitel

Zudem war und ist er für Clubs in verschiedenen Ländern aktiv - im Squash ist das kein Problem. In Frankreich, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Tschechien stand er für Vereine auf dem Court, ist dort teilweise weiterhin aktiv. In Deutschland spielte er unter anderem für die Skwosch-Frösche Marburg von 2003 bis 2006 in der ersten Liga. Mit dem Black & White Racket Club Worms wurde er 2011 und 2013 Deutscher Meister, 2012 holte das Team den Europapokal. Und mit der Mannschaft des TSB Valenciennes bestreitet Haschker am nächsten Wochenende das Finalturnier um die französische Meisterschaft. Vor zwei Jahren stieg der Club samt seines deutschen Importspielers auf, vergangenes Jahr holte man Platz drei. „Diesmal schielen wir schon aufs Finale“, sagt Haschker.

Zuvor steht für den Wahl-Marburger, der mit seiner Frau Susanne und Tochter Mylène im Südviertel wohnt, das Heimturnier auf dem Plan. Im Vorjahr gewann er, diesmal ist die Konkurrenz jedoch ungleich größer. Unter anderem haben die aktuellen deutschen Topspieler Simon Rösner, Raphael Kandra, Jens Schoor und Carsten Schoor gemeldet, treten mit entsprechenden Ambitionen an. „Das Niveau ist ein ganz anderes. Den Titel als Ziel zu haben, wäre vermessen“, sagt Haschker deshalb, hat sich aber den Einzug ins Viertelfinale vorgenommen. „Ich freue mich vor allem, viele alte Bekannte und Freunde wiederzutreffen. Und „natürlich“, betont er, „ist die Leidenschaft immer noch da. Ich möchte auch so gut es geht spielen.“

  • Hintergrund: In der Move-Sportwelt in der Willi-Mock-Straße nahe des Sportparks wird an diesem Wochenende mit den Marburg Open das höchstdotierte Squashturnier auf nationaler Ebene ausgetragen. Es geht um insgesamt 6600 Euro Preisgeld. Im A-Wettbewerb spielen 16, im B-Turnier zwölf Männer. Bei den Frauen gibt es ein Zehnerfeld. Los geht‘s am Samstag und Sonntag jeweils um 10 Uhr.

von Stefan Weisbrod

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