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Der "Ally Pally" lässt grüßen

Darten Der "Ally Pally" lässt grüßen

Nicht nur für ein Showmatch gegen den deutschen Topspieler Max Hopp kam in Phil Taylor am Sonntag die Ikone des Dartsports ins Haus des Gastes. Auch Amateure durften sich mit „The Power“ messen.

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„The Power“ in Bad Laasphe: Darts-Ikone Phil Taylor begeisterte im Haus des Gastes mehr als 400 Zuschauer, von denen einige selbst gegen Taylor spielen durften.

Quelle: Marcello Di Cicco

Bad Laasphe. „Basti, mach’ ihn alle!“ oder „geh’ ran!“, schallte es für Sebastian Schneider wie ein verbaler Rückenwind aus dem Publikum, als der Laaspher als erster von 16 Glücklichen für ein Leg (von 501 Punkte auf null) gegen Phil Taylor antreten durfte. Nach ein paar Minuten - wie jedes Mal während der knapp vierstündigen Veranstaltung - musste der Herausforderer des Rekordweltmeisters die Bühne schon wieder verlassen. Mit einer Erinnerung, die bleibt - allerdings nicht ganz zufrieden mit seiner eigenen Leistung.„Es war super, ich hätte mir für mich aber das ein oder andere Triple mehr gewünscht“, verriet der 25-jährige Sebastian Schneider, der sonst in der B-Liga für den DC Club 57 Bad Laasphe antritt.

 „There’s only one Phil Taylor!“ hallte es inzwischen zur Melodie des Songs Winter Wonderland durch den proppenvollen Saal, der nur wenig später aufgrund der Lautstärke das erste Mal in seinen Grundfesten erschüttert wurde. „Onehundredandeighty!“ (für 180 erzielte Punkte) ruft nicht irgendwer, sondern in Russ Bray der bekannteste Caller (Ansager) der Dartszene mit seiner unnachahmlichen Reibeisenstimme, mit der - sowie mit Witz und Charme - der 59-jährige Brite immer wieder erfolgreich dafür sorgte, dass die Party im „kleinen Pendant“ zum Londoner Alexandra Palace („Ally Pally“) nicht verflachte.

Dass in „The Power“ Phil Taylor der 16-fache Weltmeister und derzeitige Weltranglisten-Sechste überhaupt ins Wittgensteiner Land kam, war günstigen Umständen zu verdanken, wie Frank Barth vom Restaurant Lahnstuben verriet, der mit Monika und Helmut Wiegand aus Dexbach die Veranstaltung organisierte. Taylor, Bray und der ebenfalls anwesende Max Hopp, als 38. der Welt derzeit bester deutscher Darts-Profi, weilten tags zuvor bei der Promi-Darts-WM von ProSieben in Düsseldorf.

Tickets waren binnen kürzester Zeit vergriffen

„Über Helmut Wiegand haben wir den Kontakt hergestellt. Phil Taylor hatte gefragt, ob sich sein Besuch in Deutschland noch mit einem Termin am Sonntag verbinden ließe. Ich hatte vor vielen Jahren versprochen, dass wenn der DC Wittgenstein in die Bundesliga aufsteigen sollte, ich Phil Taylor hierher hole“, verriet Barth. Doch dieser Aufstieg war gar nicht nötig.

„Gigantisch“ - auch seitens der Medien - sei schließlich das Interesse gewesen, als klar war, dass der 56-jährige Engländer ein Gastspiel gibt. Die 409 verfügbaren Tickets setzten die Veranstalter binnen knapp 36 Stunden ab - und das nur durch die Bekanntmachung des Ereignisses im Internet. „Wir hatten Anfragen für 600 Tickets, hätten gefühlt aber 14.090 verkaufen können. Beim Einlass hatten wir heute drei Reihen von jeweils 60, 70 Meter Länge“, freute sich Barth, der etwa 30 fleißige Helfer an seiner Seite hatte, über den Zuspruch und die klasse Stimmung, die über die gesamter Dauer herrschte.

Nachwuchshoffnung Max Hopp. Im Hintergrund "Caller" Russ Bray. Fotos: Marcello Di Cicco

Max Hopp hatte daran großen Anteil. Immer wieder animierte der gebürtige Idsteiner die Zuschauer, die ihn wiederum zur Melodie des Hits „Baby give it up“ mit „Maxi, Maxi Hopp“-Sprechchören feierten und die mit ihm zum Abschluss ein gemeinsamen „H-U-M-B-A“ feierten.„Ich will hier nicht nur Darts spielen. Die Leute sollen auch mich als Person kennenlernen und merken, dass ich offen bin und nicht nur stur Darts werfe“, begründete der 20-Jährige und freute sich sogleich, dass seine Sportart einen Boom erlebt. „Wir haben tolle Einschaltquoten im Fernsehen. Ich wünsche mir, dass es Stück für Stück weitergeht, in fünf Jahren soll’s so richtig explodieren. Das wäre mein Masterplan“, sagte Hopp, der die mit einigen kritischen Stimmen bedachte samstägliche TV-Show in Schutz nahm.

„Max Hopp ist ein hervorragender Spieler"

„Die Show war sehr förderlich für Darts. Es gab tolle Einschaltquoten - mehr als beim WM-Finale. Es war eine rundum Topsache“, befand der „Maximiser“, der in Bad Laasphe gegen zwölf Gewinner einer Auslosung je ein Leg spielte - und dort das nachholte, was er vor wenigen Wochen bei der WM verpasst hatte.

Im Falle des Weiterkommens hätte er im Achtelfinale gegen Taylor gespielt. Enttäuscht, dass es nun erst dazu kam, war Hopp aber „überhaupt nicht“, denn: „Es ist immer eine Ehre, gegen den 16-maligen Weltmeister zu spielen.“ Im Spielmodus „Best of five Legs“ setzte sich Taylor im Topspiel des Abends zwar klar mit 3:0 durch - Lob für seinen jungen deutschen Kontrahenten gab’s dennoch von „The Power“, der vor vier Jahren in einem Interview gesagt hatte, dass Hopp der einzige junge Spieler sei, den er sponsern würde.

„Max Hopp ist ein hervorragender Spieler. Er hat einen sehr guten Stil“ - aber mehr noch: „Ich habe schon viel Zeit mit ihm verbracht. Ich mag ihn menschlich. Er ist ein sehr netter Kerl“, sagte Taylor, der gestern wieder die Heimreise antrat, seine Vorliebe für Deutschland aber nicht verbergen wollte: „Mir gefällt es ganz toll hier. Das Essen ist super - insbesondere der Hähnchensalat ist phantastisch“, verriet die Darts-Ikone im Gespräch mit der OP.

Dass Taylor ausgerechnet wegen der deutschen Küche erneut zu Besuch kommt, ist ziemlich wahrscheinlich. Denn sein Spielpartner beim Promi-Darts-Turnier, Starkoch Tim Mälzer, „hat mich in sein Restaurant eingeladen. Leider haben wir vergessen, Telefonnummern auszutauschen“, verriet Taylor, der auf Nachfrage schmunzelnd anfügte, dass der Gewinn der offiziellen Weltmeisterschaft im kommenden Jahr aber wohl einfacher sei als der Sieg mit Mälzer bei einer weiteren Promi-Darts-WM. „Aber Tim ist ein super Typ“, lobte Taylor.

  • Wie Frank Barth durchblicken ließ, ist eine zweite Veranstaltung mit Taylor angedacht. Sie könnte am 26. November (Totensonntag) stattfinden.

von Marcello Di Cicco

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