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Dennis Lepper will’s noch mal wissen

Fußball Dennis Lepper will’s noch mal wissen

Als Teenager schien er auf bestem Weg in den Profifußball. Mit 25 Jahren will Dennis Lepper zumindest im höheren Amateurbereich noch einmal angreifen. Der Bürgelner steht vor einem Wechsel zu Hessenliga-Aufsteiger FC Ederbergland.

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Hat wieder Bock auf höherklassigen Fußball: Dennis Lepper, hier im Trikot von Eintracht Stadtallendorf gegen Daniel Henrich vom FSV Frankfurt II (links), steht vor einem Wechsel vom FV Bürgeln zum Hessenligisten FC Ederbergland.

Quelle: Thorsten Richter

Bürgeln. „Dennis bringt alle­ Qualitäten mit, um sich bei uns einen Stammplatz zu erobern“, sagte Roland Virkus, ­Direktor für Jugend und Amateure bei Borussia Mönchengladbach, über Dennis Lepper. Im Frühjahr 2011 war das, Lepper war 19 Jahre alt. Heute ist er 25 und spielt noch immer Fußball, aber nicht etwa in der Regionalliga oder gar noch höher, sondern in der Kreisliga B Marburg, Gruppe I - ganz unten. Ein tiefer sportlicher Fall?

Tatsächlich lief es für ihn sportlich nur noch selten rund, seitdem er vor fünfeinhalb Jahren den Sprung wagte und von Eintracht Stadtallendorf ins Rheinland wechselte. Nach nur einem halben Jahr ging er zurück zum Hessenligisten, nach einiger Zeit spielte er nur noch in der zweiten Mannschaft. Über Gruppenligist SV Bauerbach kam er in der Winterpause zum FV Bürgeln. Manches, sagt er rückblickend, hätte er anders machen sollen. Die ein oder andere Entscheidung bereut er. Den Entschluss jedoch, in die B-Liga zu gehen, zählt er nicht dazu.

In Mönchengladbach „zu früh aufgegeben“

„Hier in Bürgeln habe ich endlich den Spaß am Fußballspielen wiedergefunden“, sagt Lepper, der im Cölber Ortsteil nur wenige Fußminuten vom Sportplatz entfernt wohnt. Einst, als Kind und als Jugendlicher, wollte er immer nur kicken. In der Jugend des VfB Marburg und der TSG Wieseck verbesserte er sich immer weiter, entwickelte seine Dynamik und Handlungsschnelligkeit, seine Technik und den Spielwitz. In Stadtallendorf war er bereits mit 18 Jahren Stammspieler in der Hessenliga. Viele sagten ihm eine Karriere als Profi voraus. Als ihn die Borussia aus Mönchengladbach verpflichtete, schien er ganz nah dran an den Bundesliga-Stars.

„Vielleicht bin ich zu früh dahin gegangen“, meint er. Ganz sicher ist er sich inzwischen: „Ich habe zu früh aufgegeben.“ Ein einziges Mal kam er für die Gladbacher „Zweite“ in der Regionalliga West zum Einsatz, außerdem zweimal in Freundschaftsspielen. „Sonst saß ich auf der Bank, das war ich nicht gewohnt.“ Hinzu kam, dass er sich in der fremden Stadt nicht wohlfühlte: „Ich kannte da niemanden, nur die Leute aus dem Verein.“ Sich mit Mitspielern nach dem Training zusammenzusetzen, gemeinsam Zeit zu verbringen - so kannte er es aus Stadtallendorf -, das habe es nicht gegeben. „Es war eher ein Wettbewerb untereinander. Jeder wollte besser sein als die anderen“, erzählt Lepper. Von Trainer Sven Demandt sei er zwar immer wieder für seine Trainingsleistungen gelobt worden. „Aber ich habe trotzdem nicht gespielt, das fand ich nicht in Ordnung.“ Heute zeigt er mehr Verständnis: „Die Mannschaft war erfolgreich, hat oft gewonnen. Der Trainer hatte einfach keinen Grund, die Aufstellung zu ändern.“

Letztlich war der Frust zu groß. Am Saisonende ging er zu den Verantwortlichen der Borussia und bat um Auflösung seines noch zwei Jahre laufenden Vertrags. „Alle haben versucht mich zu überreden, dass ich bleibe“, blickt er zurück. Er wollte davon nichts hören. Schließlich wurde seinem Wunsch entsprochen, nach einer halben Saison brach er seine Zelte in Mönchengladbach wieder ab. Inzwischen sagt er selbstkritisch: „Ich hätte es weiter versuchen müssen. Ich hätte es schaffen können.“

Über Stadtallendorf und Bauerbach in die B-Liga

Zurück in Stadtallendorf lief es für den offensiv ausgerichtetenen Mittelfeldspieler mal besser, immer häufiger aber schlechter. Warum? „Gute Frage“, antwortet er, „irgendwie war die Luft raus.“ Wahrscheinlich, sinniert er, „habe ich gedacht, es reicht eh nicht mehr für ganz oben“. Seine Motivation ließ nach, sein Engagement ebenso. Den Stammplatz im Hessenliga-Team verlor er, fand sich irgendwann in der zweiten Mannschaft wieder. „Ich wollte den Aufwand nicht mehr betreiben, in der ‚Zweiten‘ brauchte ich das auch nicht“, erzählt er. Den Anspruch, sich weiter zu verbessern, das Maximale rauszuholen, hatte er nicht mehr.

Im Juli 2015 zog er weiter nach Bauerbach, wo er mit seinem Cousin Ingo Czryzewski sowie seinen Freunden Manuel Brehm und Mischa Trier zusammen spielen wollte. Doch erst bremste ihn eine Fußverletzung aus, dann wurden Czryzewski und Trier durch Trainer Harry Preuß suspendiert. Lepper selbst hatte „keine Probleme mit Harry“, betont er. Doch als klar war, dass seine Kumpels den Verein verlassen werden, wollte auch er weg - zum FV Bürgeln.

Verbindungen zum Club in seinem Wohnort hatte er über Freunde und Verwandte schon zuvor. Lepper signalisierte, dass er sich vorstellen könnte, für Bürgeln in der B-Liga zu spielen - obwohl das Team ohne einen einzigen Punkt als Tabellenletzter in die Winterpause gegangen war. Die Verantwortlichen von FV und SV einigten sich; Bürgeln zahlte eine Ablöse an Bauerbach, private Sponsoren steuerten Geld bei. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Lepper. Immerhin 17 Zähler holte der Club bis Saisonende, gab die „Rote Laterne“ ab - nicht zuletzt dank 15 Toren seines Winterzugangs, der für die B-Liga eigentlich viel zu gut, viel zu schnell ist.

Die Geschichte des Fußballers Dennis Lepper, sie ist bislang keine Erfolgsstory. Aber - das macht der 25-Jährige deutlich - sie ist noch nicht zu Ende. Die Freude am Fußball hat er zurückgewonnen, jetzt will er wieder höherklassig angreifen. „Ganz nach oben“, so realistisch ist er, „werde ich es nicht mehr schaffen. Aber ich bin im besten Fußballeralter. Ich kann noch besser werden und will mich für mehr empfehlen.“ Die Regionalliga hat er im Blick behalten; „vielleicht kriege ich noch mal die Chance“. Zuerst muss er aber in der Hessenliga wieder den Anschluss schaffen - bei Aufsteiger FC Ederbergland.

Beim FC Ederbergland im Probetraining überzeugt

Über Masih Saighani, selbst gerade erst von Eintracht Stadtallendorf zum Club aus Battenberg und Allendorf an der Eder gewechselt, nahm Lepper vor einigen Tagen Kontakt zu den FCE-Verantwortlichen auf und fragte an, ob er mittrainieren könne. Eigentlich, erklärte ihm der Sportliche Leiter Horst Kziuk, sei die Kaderplanung abgeschlossen. Vorbeikommen durfte Lepper trotzdem - und überzeugte Trainer Vladimir Kovacevic. Spielerisch, das habe er in den Probeeinheiten gemerkt, könne er mithalten, konditionell auch - „aber bei der Schnelligkeit muss ich noch aufholen“, meint Lepper, der auch beruflich auf eine neue Chance hofft. Zuletzt habe er bei einer Firma im Schichtdienst gearbeitet; „das war nicht das Richtige für mich“, sagt er. Eventuell könne sich über seinen neuen Club auch eine neue berufliche Perspektive ergeben, glaubt er. Die Motivation, nicht nur sportlich wieder erfolgreicher zu sein - das ist ihm deutlich anzumerken -, ist da.

Lepper ist froh, dass ihm von Bürgelner Seite „keine Steine in den Weg gelegt werden“, er von Vereinskameraden sogar Zuspruch für seine Entscheidung bekommen habe. Die Vorstände verhandeln allerdings noch über die Höhe der Ablöse; der Spieler hofft, dass in den nächsten Tagen Vollzug gemeldet werden kann. „Am liebsten wäre ich schon in Stadtallendorf dabei“, sagt Lepper - bei der Eintracht muss der FC Ederbergland am nächsten Samstag ran. Zunächst möchte Lepper jedoch ein letztes Mal für den FV Bürgeln spielen. „Ich will mit diesem supergeilen Team noch mal gewinnen“ - am Sonntag im Derby gegen Germania Betziesdorf.

von Stefan Weisbrod

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