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"Das Risiko fährt immer mit"

Rennfahrer Dirk Kaletsch "Das Risiko fährt immer mit"

Seit 30 Jahren fährt Dirk Kaletsch Motorradrennen in Deutschland und ganz Europa. Im OP-Gespräch berichtet der Marburger über den Reiz, aber auch die Gefahren seines Hobbys.

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Dirk Kaletsch ist mit seiner Ducati-Maschine.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Es war sein Vater, der die Faszination am Motorsport in Dirk Kaletsch geweckt hat. „Mein Vater war auf Rennstrecken in ganz Europa unterwegs und ich war immer mit dabei“, erinnert sich der Marburger.

Kaletsch kommt viel herum und entscheidet mit 17 Jahren, selber mit dem Motorsport anzufangen. „Ich glaube mein ­Vater hatte mehr Angst um mich, als ich um ihn.“

Ihn begeistert die Technik und das Schrauben. Seine größte Faszination liegt aber im Road Racing. „Das sind Motorradrennen, die auf ganz normalen Straßen stattfinden, die extra dafür abgesperrt werden“, erklärt Kaletsch. Die Atmosphäre unter Road Racern sei auch eine andere. „Natürlich geht es um Leistung, aber man kennt sich untereinander und hilft sich.“

Wenn die Angst zur Gefahr wird

Anfangs noch mit einer Maschine seines Vaters nimmt er an verschiedenen Rennen in ganz Deutschland und Europa teil, bis er 1994 zum ersten Mal am wohl bekanntesten und ältesten Motorradrennen der Welt teilnimmt: Die „Tourist Trophy“ (TT) oder „Isle of Man“, wie sie auch genannt wird. „Die Zuschauer, die Rennstrecke, ja die ganze Atmosphäre auf der Insel - das hat mich total fasziniert“, schwärmt er.

Sie gilt aber auch als das gefährlichste und umstrittenste Motorradrennen der Welt. Seit 1911 sind 255 Rennfahrer auf dem Rundkurs der gleichnamigen irischen Insel ums Leben gekommen. Die Gefahr nimmt ­Kaletsch in Kauf. „Das Risiko fährt immer mit. Wenn man Angst vor der Gefahr hat, darf man das nicht machen - egal wo“, sagt er. „Wenn ich aufs Motorrad steige, denke ich nur noch ans Fahren und nicht mehr daran, was passieren könnte. Wenn die Gedanken nicht mehr beim Fahren sind, wird es gefährlich.“

Jedes Jahr fährt er auf die irische Insel, bis er 2005 von seiner Maschine stürzt und sich den Arm bricht, sich Quetschungen und Prellungen zuzieht. Danach fährt er nur noch ein weiteres Mal zurück auf die Isle of Man. „Das war eine familiäre Entscheidung“, sagt der dreifache Familienvater, mit dem teuren Hobby. Rund 15000 Euro gibt er dafür pro Saison aus - für Reifen, Benzin, Fahrtkosten, Startgelder. Krumm genommen habe ihm das seine Familie aber nie. Im Gegenteil: „Wir haben immer viel miteinander unternommen. Sie haben mich auch oft auf Rennen begleitet“. Wie zuletzt zu Pfingsten zum Fischereihafenrennen in Bremerhaven, Deutschlands größtem Motorrad-Road-Racing-Event.

Trotz Brüchen, Quetschungen, Prellungen und Zeitmangel als Selbstständiger denkt Kaletsch gar nicht daran, mit dem Motorsport aufzuhören. Im Gegenteil: Anfang Juli nimmt er mit seiner Ducati am International Road Racing Championship in Finnland teil.

Dass er mit seinen 47 Jahren bereits zu den älteren Motorsportlern gehört - die meisten anderen sind zwischen 25 und 35 Jahre alt - stört den frischgebackenen Opa nicht. „Man ist immer nur so alt, wie man sich fühlt“, sagt er und lacht.

von Ruth Korte

   
   
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