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Das Jahr eins nach Fabian Hambüchen

Kunstturn-Bundesliga Das Jahr eins nach Fabian Hambüchen

Fünfter, Zweiter, Dritter - das waren die Abschlussplatzierungen der KTV Obere Lahn in ihren ersten drei Bundesliga-Jahren. Im vierten Jahr dürfte es nichts werden mit dem Finale der besten vier Mannschaften.

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Andrey Likhovitskiy.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Biedenkopf. Fabian Hambüchen hier, Fabian Hambüchen da. Offen aussprechen werden sie es nicht. Aber eigentlich waren sie bei der KTV Obere Lahn schon ein wenig genervt. Nicht weil der deutsche Star der Kunstturn-Szene menschlich nicht gepasst hätte. Sondern vielmehr, weil die Leistung oft auf das Zugpferd des Vereins heruntergebrochen wurde. „Häufig ist von der ‚Hambüchen-Mannschaft‘ berichtet worden“, sagt Trainer Albert Wiemers, der eine „Jetzt-erst-recht-Stimmung“ in der Mannschaft ausgemacht hat: „Wir sind auch ohne Fabian in die erste Liga aufgestiegen und haben auch in der Vergangenheit Wettkämpfe ohne ihn geturnt.“

Hambüchen führte Biedenkopfer zu Bronze

Allerdings: Ohne Hambüchen wären die Hinterländer in den ersten drei Bundesliga-Saisons nicht so erfolgreich gewesen. Bei seinem letzten Wettkampf für die KTV führte Hambüchen die Biedenkopfer im kleinen Finale um die Deutsche Meisterschaft zu Bronze - mit 20 Scorepoints beim 39:30 gegen die TG Saar. Der gleiche Gegner wartet am Samstag (18 Uhr in Dillingen) zum Saisonauftakt.

Hoffnungen auf einen Auswärtssieg machen sich Albert Wiemers und seine Schützlinge keine. „Wir sind durch die Veränderungen im Kader deutlich geschwächt. So ein Format wie im vergangenen Jahr, als wir gegen jede Mannschaft Chancen hatten zu gewinnen, haben wir nicht“, sagt der Trainer. Mit Meisterschaftsfavorit MTV Stuttgart, für den Hambüchen in dieser Saison antritt, und auch der TG Saar könne sich die KTV Obere Lahn nicht messen. Die Aufsteiger Heidelberg, immerhin mit Matthias Fahrig prominent besetzt, und Monheim wollen die Hinterländer hinter sich lassen, obgleich beide Wettkämpfe auswärts sind. „Schön wäre es, wenn wir gegen Cottbus eine Chance hätten“, sagt Albert Wiemers. Platz fünf und damit der sichere Klassenerhalt ist das erklärte Ziel.

Rio 2016 erschwert die Bundesliga-Saison

Zusätzlich erschwert wird die Situation in dieser Saison dadurch, dass die WM im Herbst in Glasgow als Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 dient. Die besten acht Mannschaften dürfen nach Rio de Janeiro. „Die Spanier und Kanadier sperren ihre Ausländer“, erklärt Albert Wiemers. Somit stehen Fabian Gonzalez und Scott Morgan der KTV Obere Lahn wahrscheinlich nicht zur Verfügung - wenngleich sich die Verantwortlichen des Bundesligisten bemühen, den kanadischen Verband von der Freigabe Morgans für den einen oder anderen Wettkampf zu überzeugen.

Der Weißrusse Andrey Likhovitskiy hingegen - nach dem Abgang Hambüchens der Topturner der Hinterländer - lebt in Biedenkopf und trainiert den KTV-Nachwuchs. „Ich bin glücklich hier“, sagt Likhovitskiy, der daran arbeitet, deutscher Staatsbürger zu werden. Sollte das klappen, wäre seinem Verein geholfen - und auch dem Deutschen Turner-Bund (DTB). Das Abschneiden bei der EM war ohne die verletzten Straubenhardter Andreas Bretschneider (Achillessehnenriss) und Marcel Nguyen (Reha nach Kreuzband­riss) enttäuschend bis ernüchternd. Der 28-jährige Likhovitskiy ist ein starker Mehrkämpfer und verkörpert am Seitpferd internationale Spitzenklasse.

Aber das ist Zukunftsmusik. In der Gegenwart steht der KTV-Kader und bietet in Lasse Gauch - Bruder von Thore Gauch - und der großen Nachwuchshoffnung Nick Klessing (zuletzt Halle/Chemnitz) nur zwei Veränderungen. Der 17-Jährige wird starten, wenn er keine Verpflichtungen für den DTB hat - wie an diesem Wochenende, wo er bei einem Jugendländerkampf mitmischt. „Nick turnt bei uns mit Sicherheit Boden, Sprung, Ringe und Reck“, sagt Albert Wiemers. Lasse Gauch sei eine „blitzsaubere Verstärkung an Boden und Reck“. Zudem gibt es Überlegungen, auf der Ausländerposition noch einmal aktiv zu werden.

Mannschaft gibt sich vor Start kämpferisch

Das Team gibt sich vor dem Saisonstart kämpferisch. „Uns hat in den letzten Jahren die mannschaftliche Geschlossenheit ausgezeichnet“, sagt etwa Felix Wiemers, der im Winter auf der „Freeride World Tour“ endgültig als Extrem-Skifahrer in die Weltspitze vorgestoßen ist. Einige KTV-Athleten haben den Schwierigkeitsgrad ihrer Übungen erhöht. Insbesondere Fabian Lotz wird eine starke Rolle zugetraut. „Er ist ein extrem wichtiger Mann als Mehrkämpfer“, sagt Felix Wiemers. „Er hat eigentlich an allen Geräten aufgestockt.“ Am Reck werde Lotz „ein richtig cooles neues Teil“ zeigen.

Das Reck soll auch nach dem Hambüchen-Abgang das beste Gerät der KTV Obere Lahn bleiben. „Wir werden hinten raus nicht abbauen“, verspricht Felix Wiemers. Selbst wenn man bis zum Schlussgerät mit fünf Score-points hinten liege, sei noch nichts entschieden. Vor allem nicht in den Heimwettkämpfen, wo die KTV wieder auf Top-Unterstützung von den Rängen hofft.

Das Team der KTV Obere Lahn: Andrey Likhovitskiy, Fabian Gonzalez, Scott Morgan,Andrea Cingolani, Waldemar Schiller, SebastianQuensell, Jakob Paulicks, Fabian Lotz, Nick Klessing, Felix Wiemers, Moritz Müller, JasperVennemann, Mike Wehn, Thore Gauch,Lasse Gauch.

von Holger Schmidt

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