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Bundesliga - auch ohne Kreuzband

Sportverletzungen Bundesliga - auch ohne Kreuzband

Der Kreuzbandriss ist für viele Sportler die Horrordiagnose. „Damit können sie theoretisch Bundesliga spielen“, entgegnet ein Sportwissenschaftler. Über die Behandlung und Prävention häufiger Sportverletzungen.

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Auch bei den Olympischen Spielen gab es erste Verletzung. Hier ist es die Kapitänin Marta vom Gastgeberland Brasilien die von einem Physiotherapeuten am rechten Bein behandelt wird.

Quelle: Soeren Stache

Marburg. Dennis Rosenberg wusste sofort, dass etwas Schlimmeres passiert sein musste. Nach einem kurzen Sprint zum Ball war der Torhüter - damals noch für die FSG Südkreis im Einsatz - mit der Fußspitze im Rasen hängen geblieben, hatte sich das rechte Knie verdreht. Ein leises Knacksen läutete den Beginn einer eineinhalbjährigen Verletzungspause ein. Der Befund: Riss des vorderen Kreuzbands, des Innenbands und des Meniskus. „Ein Totalschaden“, sagt Rosenberg (kleines Bild) heute rückblickend auf jenes Fußballspiel im Oktober 2014, bei dem er sich so schwer verletzte. Doch der 28-Jährige ist mit dieser Art von Diagnose kein Einzelfall.

Laut Professor Dr. Ralph Beneke von der Universität Marburg gehört das Knie gerade bei Fußballern zu den anfälligsten Körperteilen, wenn es um Verletzungen geht. „Das Knie ist ein sehr kompliziertes Gelenk, auf das irre Kräfte wirken“, erklärt der Leiter der Abteilung Medizin, Training und Gesundheit am sportwissenschaftlichen Institut im Gespräch mit der OP, „dementsprechend ist es verletzlich und schwierig zu reparieren.“ Dennis Rosenberg musste nach seiner Verletzung zunächst abwarten, bis die Schwellung verging. Erst mit einer Woche Verzögerung kam er unters Messer. Bemerkenswert: schon im Jahr 2011 hatte sich der Torwart einmal schwer verletzt. Damals war das linke Knie betroffen und „nur“ das Kreuzband gerissen. Operiert wurde aber nicht - schon nach sechs Wochen Pause begann Rosenberg wieder zu kicken.

Kann die Sportkarriere danach weitergehen?

„Mit einem isolierten Kreuzbandriss können Sie theoretisch Bundesliga spielen“, sagt Professor Beneke und verweist auf Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher, der nach einem unglücklichen Zusammenstoß im Jahr 1974 jahrelang ohne vorderes Kreuzband in Deutschlands Fußball-Oberhaus aufgelaufen war. Ein anderes prominentes Beispiel ist Turner Andreas Toba, der erst vor wenigen Tagen bei Olympia trotz eines Kreuzbandrisses am Pauschenpferd Höchstleistungen abrief. „Je mehr Bänder bei solch einer Verletzung beeinträchtigt sind, desto instabiler wird das Kniegelenk“, erläutert Beneke, „wenn es sich aber nur um einen isolierten Kreuzbandriss handelt, kann die Verletzung bei optimaler Muskulatur in Grenzen kompensiert werden.“

Dennoch: Wer eine schwere Knieverletzung erleidet, sieht sich oftmals mit einer bitteren Frage konfrontiert: Kann die sportliche Karriere überhaupt noch weitergehen? Professor Beneke macht vor allem Amateursportlern Mut. Durch richtiges Aufbautraining sei es möglich, das Gelenk sogar noch stabiler zu machen, als es vor der Verletzung war. „Dabei müssen alle Muskeln, die auf das Gelenk wirken, trainiert werden“, betont er. Im Klartext heißt das: Krankengymnastik und Kräftigungsübungen.

Gezielte Übungen zur Kräftigung

Benedikt Blattner ist damit wohl vertraut. Er trainiert Handball-Jugendmannschaften beim VfL Neustadt und ein Seniorenteam bei der HSG Wettenberg. Im Gegensatz zum Fußball ist bei den Handballern oft das Sprunggelenk von Verletzungen betroffen. Gerade dann, wenn sich die Spieler versehentlich auf die Füße treten oder nach einem Sprung beim Landen umknicken. Blattner selbst habe laut eigener Aussage schon „zwei bis drei“ Außenbandrisse erlitten. „Mittlerweile lasse ich es gar nicht mehr vom Arzt überprüfen, wenn es blau wird“, sagt er mit erstaunlicher Gelassenheit. Vielen seiner Spieler gehe es ähnlich. Verletzungen auszukurieren ist deshalb fast gewohnter Bestandteil einer jeden Trainingseinheit: Blattner will dabei die Sprunggelenke seiner Schützlinge stabilisieren.

Auf speziellen Gymnastikmatten lässt er verschiedene Kräftigungsübungen ausführen. Das soll natürlich auch dabei helfen, weitere Verletzungen an dieser Stelle zu vermeiden. Doch was sind die besten Methoden, um einer Verletzung präventiv entgegenzuwirken? „Wenn ich relativ groß, schwer und ungeschickt bin, sollte ich nicht Parcours machen“, veranschaulicht Professor Beneke (kleines Bild). Ein Sportler solle sich demzufolge lediglich an Aktivitäten versuchen, für die er die körperlichen Voraussetzungen besitzt - damit meide er viel Risiko. Außerdem sei es wichtig, über das für die jeweilige Sportart erforderliche Maß an Fitness und Technik zu verfügen. Und schließlich: „Man sollte keine schwierigen Sachen in ermüdetem Zustand machen - sowohl was den Kopf als auch den Körper angeht“, betont Beneke.

Hintergrund: Pech-Schema
Die Abkürzung PECH steht für Pause, Eiskühlung, Compression und Hochlagerung. Laut Professor Dr. Ralph Beneke helfe diese Methode bei nahezu jeglichen Sportverletzungen als Erstversorgung selbst wenn noch nicht ganz klar ist, ob es sich beispielsweise um eine Prellung, Zerrung, Verstauchung oder gar einen Riss handelt. Es geht immer darum, eine große Einblutung zu verhindern. Und je kleiner der Bluterguss ist, desto schneller heilt die Verletzung wieder. Mit der Pause soll die verletzte Körperstelle ruhig gestellt werden, durch die Eiskühlung werden Blutgefäße verengt und damit die Einblutung vermindert. Ein Kompressionsverband verhindert die Bildung eines Blutergusses. Durch die Hochlagerung läuft schließlich weniger Blut in die Stelle.

von Yanik Schick

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