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Bull‘s Eye in der Bullenhalle

Darts Bull‘s Eye in der Bullenhalle

Die Pfeile flogen, die Automaten blinkten - es ging zur Sache beim Dartsturnier in Kirchhain. Sogar eine Deutsche Meisterin und einige Ex-Weltmeister mischten mit.

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Präzision ist angesagt: Hier visiert Thorsten Wagner vom gastgebenden DC 69ers die Dartscheibe an und lässt seinen Pfeil fliegen.

Quelle: Thorsten Richter

Kirchhain. „Läuft“, sagt Sabrina Schrimpf, was allerdings nicht ganz ernst gemeint ist. „Läuft?“ kommt die kurze Rückfrage aus ihrer Ecke vom „Treffpunkt Team Alsfeld“. Kopfschütteln bei der Deutschen Meisterin, die sich am Anfang schwer tut. Doch dann, plötzlich, läuft es doch bei der 26-Jährigen. Bei einem Rest von 70 trifft „Brina“, wie es in goldener Schrift hinten auf ihrem schwarzen Trikot steht, präzise ins Dreifach-20-Feld und macht mit einer Doppel-5 aus. 1:0-Führung.

Ihr Auftaktspiel war ein früher Höhepunkt des zweitägigen Turniers in der Kirchhainer „Bullenhalle“. Die Auslosung hatte es nicht gut gemeint, gleich in der ersten Runde trafen zwei der Favoriten in der offenen Klasse aufeinander. Auf der einen Seite die amtierende Deutsche Meisterin im E-Darts, Sabrina Schrimpf, auf der anderen Uwe Göbel, Mannschaftsweltmeister von 1996.

"Los, hol dir den Jackpot!"

Auch beim Marburger holpert es anfangs, im zweiten Durchgang macht er aber eine 95 aus und reckt die Arme nach oben. Klares Zeichen: Geht doch! Und klar ist auch: Wer als nächster aus macht, ist weiter. Sabrina Schrimpf tritt mit einem Rest von 48 an die Scheibe. Teamkollege „Ronnyman“ feuert an: „Los, hol dir den Jackpot!“ Aus den Boxen schallen – wie passend – die ersten Glockenschläge vom AC/DC-Klassiker „Hell‘s Bells“. Der erste Pfeil trifft in die 8, der zweite in die Doppel-20. Sieg! „Ein Satz mit X“, sagt Uwe Göbel.

Allzu sehr zu Herzen nimmt sich der 55-Jährige die Niederlage nicht. Dafür hat er schon zu viel erlebt in seiner Darts-Karriere und dabei die Welt bereist. Elfmal Chicago, viermal Las Vegas, so beginnt seine Aufzählung. Exotische Orte wie Macao waren dabei und zuletzt – bis vor einer Woche – Hongkong. „Wir kommen direkt aus dem Trainingslager“, scherzt er. Mit „wir“ sind er und seine Frau Gabriela Göbel gemeint, die ihrem Mann in Sachen Darts-Erfolge kaum nachsteht. Vor sechs Wochen wurde sie in Spanien Vize-Europameisterin im 501-Doppel, noch dazu Dritte im Doppel der Disziplin Cricket und Vierte im Cricket-Einzel. Ihr Mann wurde im 501-Doppel ebenfalls Dritter. „Das hier ist einfach nur Spaß für mich“, sagt Gabriela Göbel zum Turnier in Kirchhain, wo sich etwas mehr als 100 Menschen in der Bullenhalle genannten Markthalle eingefunden haben, um für Teams wie „Incredibles“, „Saustall-Darter“ oder „Wile E. Coyote“ auf die Dreifach-20 und das Bull‘s Eye zu werfen. In Hongkong waren es beim Einladungsturnier noch 2000 Spieler.

Preisgeld wird nächstes Jahr auf 5000 Euro erhöht

Wenn es nach den Veranstaltern in Kirchhain geht, werden auch die Teilnehmerzahlen bei ihrem Turnier künftig in die Höhe gehen. Rainer Nau, Besitzer der „Kleinen Kneipe“ und zusammen mit den Dartern des DC 69ers Ausrichter der Veranstaltung, kündigte jedenfalls an, das Preisgeld im nächsten Jahr von 3000 Euro auf 5000 Euro aufstocken zu wollen. Das soll noch den einen oder anderen Star anlocken. Ex-Weltmeister Bodo Schultz vielleicht, der am Sonntag nur kurz vorbeischaute. Oder vielleicht sogar die größte deutsche Darts-Hoffnung Max Hopp. Zudem hat Nau noch ein weiteres Ziel: „Wir wollen die Mittelhessenmeisterschaft herholen.“

Mario Masurka, im vergangenen Jahr mit seinem Bruder André Masurka WM-Vierter im Doppel und 2007 sogar Weltmeister, ist bereits da. Und wie! Mit seinem Bruder gewinnt er das Doppel, noch dazu heimst er das Preisgeld von 300 Euro für den Einzelsieg ein. Das Geheimnis des 33-jährigen Gießeners, der früher bei der Profi-Tour gegen Peter „Snakebite“ Wright oder Simon „The Wizard“ Whitlock antrat und inzwischen Pächter einer Bier- und Dartskneipe in Gießen ist: viel Training und die Turniererfahrung. „Viele Details entscheiden“, sagt Mario Masurka. „Darts ist ein mentaler Sport, es spielt sich viel im Kopf ab.“ Masurka behält die Nerven, ebenso wie Markus Schumacher im Wettbewerb „Kirchhain-Liga“. „Wenn man der Turnierleitung angehört und selbst spielen muss, ist das schon schwierig“, hatte der Spieler der DC 69ers bei seinem „Heimspiel“ tags zuvor noch gesagt.

Der Turnierplan will es, dass sich Sabrina Schrimpf nach Uwe Göbel auch noch mit Gabriela Göbel auseinandersetzen muss. Auch hier behält die Deutsche Meisterin die Oberhand, schließt das Turnier als beste Frau auf Platz 13 ab und gewinnt das Duell gegen Familie Göbel nebenbei mit 2:0. Noch dazu verteilt sie reichlich Lob: „Das ist ein super Turnier mit super Leuten.“

  • Offenes Einzel: 1. Mario Masurka, 2. Lars Przybylski, 3. Heiko Deutsch; Beste Frau: Sabrina Schrimpf (13.).
  • Offenes Doppel: 1. Mario Masurka und André Masurka, 2. Lars Przybylski und Jens Hutling, 3. Dorsten Gies und Norman Diehl.
  • C- und B-Liga Einzel: 1. Philipp Krüger, 2. (und damit beste Frau) Marina Stark, 3. Uwe Heimann.
  • Kirchhain-Liga Einzel: 1. Markus Schumacher, 2. (und damit beste Frau) Annika Stark (beide DC 69ers), 3. Harald Wettlaufer (Lindendarter).
  • Mannschafts-Turnier: 1. Crazy Moskitos, 2. Die Glorreichen 7, 3. ICE Man.

von Holger Schmidt

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