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Bürgeln kämpft gegen sein Imageproblem

Fußball Bürgeln kämpft gegen sein Imageproblem

Es soll weitergehen mit dem Fußball in Bürgeln. Wie genau, darüber machen sich der neue Vorsitzende des FV, Holger Leichthammer, und sein Team nun Gedanken.

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Fußball gespielt wird auf dem Platz am Bürgelner Vereinsheim bis zum Sommer nicht. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Bürgeln. Für die Wahl zum 1. Vorsitzenden gab es bei der Mitgliederversammlung genau einen Vorschlag: Holger Leichthammer, zuvor Kassierer. Der 62-jährige Chemiker war nach kurzem Zögern auch bereit, das Amt zu übernehmen. „Ja, weil ich die Alternative nicht möchte“, sagte Leichthammer. „Wir verlieren einen sozialen Mittelpunkt in Bürgeln, wenn wir keinen Fußball mehr haben.“

Im nächsten halben Jahr werden die Bürgelner einen Vorgeschmack bekommen, wie es sich ohne anfühlt. Denn nachdem das Team dreimal in der Kreisliga A Marburg nicht angetreten war, steht es als erster Absteiger fest. Über mehr Mannschaften verfügt der Verein nicht. Bis zum Sommer ruht der Ball also - mindestens.

Eine Satzungsänderung war die erste Amtshandlung Leichthammers, nachdem er von den 40 anwesenden Mitgliedern mit 37 Ja-Stimmen und drei Enthaltungen gewählt worden war: Nunmehr ist neben dem 1. auch der 2. Vorsitzende, zu dem Ulrich Rupp gewählt wurde, zeichnungsberechtigt. Eine Änderung, die nach dem überraschend plötzlichen Rücktritt von Arno Stauzebach im Herbst vergangenen Jahres geboten schien. „Als Arno zurückgetreten ist, waren wir eigentlich gar nicht handlungsfähig“, erklärte Leichthammer.

„Wir müssen uns an die eigene Nase fassen“, sagte Klaus Kornemann, der nach dem Rücktritt Stauzebachs als dessen Stellvertreter in die Verantwortung rückte. „Wir haben auf die falschen Spieler gesetzt.“ Diese hätten es darauf angelegt, ablösefrei wechseln zu können. Leichthammer erklärte zu den Beweggründen: „Wir haben es nicht rausgekriegt. Weshalb sie sich verschworen haben - wir wissen es wirklich nicht.“ Raunen im Sportheim. „Da lachen ja die Hühner“, meint ein Mitglied. Vorwürfe werden geäußert: Eingekaufte Spieler hätten die Bürgelner vergrault; das Konzept „Erfolg um jeden Preis“ sei gescheitert; Stauzebach habe sich aus der Verantwortung gestohlen. Alter und neuer Vorstand betonen: Vereinbarte Zahlungen an Spieler seien eingehalten worden, an Trainer Ronald Baumbach habe es nicht gelegen, die Chemie innerhalb der Mannschaft habe einfach nicht gestimmt. Das will Robert Quaschner, einer der wenigen verbliebenen Spieler, so nicht stehen lassen. Die dürftige Trainingsbeteiligung habe seine Kollegen heruntergezogen und resignieren lassen. „Aber dass es große Konflikte gegeben hätte, kann ich nicht bestätigen“, betont Quaschner. Die Ursachenforschung führt zu keinem wirklichen Ergebnis. Die Mitglieder müssen sich damit abfinden, dass Fragen offen bleiben.

Geblieben sind dem FV Bürgeln von ehemals 18 Spielern noch 5 - und neben den offenen Fragen auch ein Imageproblem. Zu erkennen ist das an den recht geringen Zuschauerzahlen bei den Heimspielen, dem sinkenden Interesse der Bürgelner am FV-Vereinsfest oder an der Frageeines Mitglieds: „Wollen wir eine TSG Hoffenheim oder den FV Bürgeln?“

Klar scheint: Der Klub muss bei seinem Neuanfang kleinere Brötchen backen. Dass es alleine gelingen kann, ist unwahrscheinlich. „Es gibt noch Bürgelner Spieler, die in Nachbarvereinen spielen“, sagt der neue Vorsitzende Leichthammer zwar. Aber auch: „Wir prüfen eine Spielgemeinschaft.“

Mit welchen Vereinen sich der FV die Bildung einer SG vorstellen kann, ließ Leichthammer offen. Naheliegend als Partner - auch örtlich - wäre Betziesdorf. Mit der Germania hatte Bürgeln jahrelang bis zum Abstieg aus der Kreisliga A Marburg in der Saison 2008/09 bereits eine Spielgemeinschaft gebildet. Auf der Jahreshauptversammlung in Bürgeln wurde deutlich, dass die Mitglieder diese gerne beibehalten hätten. Arno Stauzebach, so das Stimmungsbild, sei im Alleingang für die Auflösung der SG verantwortlich. Der ehemalige Vorsitzende, der bei der Versammlung nicht anwesend war, war für die OP für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

„Es war eine böse Scheidung“, sagt Detlev Henkel aus dem Vorstand von Germania Betziesdorf. „Es hat euphorisch begonnen, wir waren auch sehr glücklich damit.“ In die Brüche gegangen sei die SG, „weil Bürgeln gemeint hat, sie müssten in die Bundesliga aufsteigen“, fügt Henkel sarkastisch an. Zwar würde sich die Germania auch Gedanken über eine SG machen, zumindest mittelfristig ab 2016 oder 2017. Aber als Partner für den FV Bürgeln stehe sein Verein nicht zur Verfügung: „Wir sind‘s auf keinen Fall.“ Das sei die einhellige Meinung des gesamten Vorstands. „Wenn wir das machen, haben wir hier ­eine Austrittswelle.“ Obgleich Stauzebach die treibende Kraft gewesen sei, sei ja beispielsweise in Klaus Kornemann ein Mitglied des alten Vorstands - wenn auch nur als Beisitzer - beim FV weiter in der Verantwortung.

Kornemann selbst wollte mit seinem Verzicht auf den Posten des Vorsitzenden den Weg für einen Neuanfang frei machen. „Der alte Vorstand wäre fehl am Platz“, sagte er. Belegt wurde seine Aussage dadurch, dass der Vorstand nur knapp entlastet wurde (19 Ja-, 13 Nein-Stimmen und 8 Enthaltungen).

Leichthammer und Co. obliegt es jetzt, bis zum Sommer eine neue Fußballmannschaft auf die Beine zu stellen und/oder einen Kooperationspartner zu finden. Finanziell steht der FV Bürgeln noch mit 5000 Euro aufgrund der Sportheimsanierung im Jahr 2011 in der Kreide. Eigentlich kein Grund zur Besorgnis - zumindest nicht, würde der Spielbetrieb laufen. So aber beschlossen die Mitglieder nach reger Diskussion mit knapper Mehrheit (16:13 Stimmen), die Beiträge von monatlich 4,50 auf 6 Euro - laut Leichthammer die Empfehlung des Hessischen Fußballverbandes - zu erhöhen. Damit ab Sommer wieder der Ball rollen kann in Bürgeln.

von Holger Schmidt

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