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Bolzplatzfußballer mit Torriecher

Das Spiel meines Lebens Bolzplatzfußballer mit Torriecher

Diese Marke dürfte beim TSV Elnhausen lange unerreicht bleiben: 350 Tore hat Carsten Pfeil für den Verein erzielt. Zwei davon gelangen dem heute 43-Jährigen am 13. März 1994 – in einem Spiel, an das er sich gern erinnert.

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Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Auf der A 45, der Sauerlandlinie, auf dem Weg in Richtung Ruhrgebiet kommt ihm diese Partie ins Gedächtnis. Wenn er über die Talbrücke Sechshelden fährt, die entsprechende Beschilderung am Fahrbahnrand sieht. „Dann“, erzählt Carsten Pfeil, „denke ich mir immer, ‚schön war das damals‘.“

Damals, das war vor fast 24 Jahren, als er mit dem TSV Elnhausen in der Bezirksoberliga beim SSV Sechshelden gastierte. Auf dem Sportplatz direkt an der Autobahnbrücke. Bei richtigem Mistwetter. Und das entscheidende Tor zum 4:3-Sieg schoss.

Es ist nicht so, dass Pfeil in 23 Jahren, die er für die Mannschaft aus dem westlichen Marburger Stadtteil kickte, nicht viele Tore geschossen hätte, auch entscheidende. Insgesamt 350 Treffer in Ligaspielen sind es gewesen – die vereinsinterne ewige Torjägerliste führt er mit großem Abstand auf Matthias Cordes (207) und Günter Dalkowski (152) an.

„Es war auch bestimmt nicht mein bestes Spiel oder das mit der größten Bedeutung für den Verein“, sagt der 43-Jährige. Für ihn persönlich jedoch hat es rückblickend einen hohen Stellenwert. Weil die Bedingungen außergewöhnlich waren. Weil der Spielverlauf zunächst gar nicht für seine Mannschaft sprach. Weil der Zusammenhalt im Team trotz prekärer sportlicher Lage groß war.

Ein Foto gibt es nicht, doch vor seinem geistigen Auge sieht Pfeil alles vor sich: „Es hat in Strömen geregnet, auf dem Hartplatz stand eine fast geschlossene Wasserdecke.“ Zwar hatte das TSV-Team, das in der ersten Saisonhälfte nur viermal unentschieden gespielt und sonst immer verloren hatte, nach der Winterpause neben einem weiteren Remis auch den ersten Saisonsieg eingefahren, dennoch ging Elnhausen als klarer Außenseiter in die Begegnung – und lag schnell mit 0:2 zurück.

„Auch wenn es schlecht lief, wir haben nicht aufgesteckt“, erinnert sich Pfeil. An diesem Tag wurde es bestätigt: Er selbst und Kristoffer Born, einer seiner Schulfreunde, glichen binnen weniger Minuten aus, sorgten für den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich.

Dem TSV treu – egal, in welcher Spielklasse

Pfeil bezeichnet sich selbst als „Bolzplatzfußballer“. Er wuchs am Richtsberg auf, kickte dort mit Freunden. In der C-Jugend war er zwar für Blau-Gelb Marburg aktiv, hörte aber nach einem halben Jahr zunächst wieder auf. Später spielten viele seiner Schulkameraden im A-Jugend-Team in Elnhausen, Pfeil ab 1991 auch. Ein Jahr später debütierte er bei den Senioren; 2015 machte der Stürmer sein letztes Spiel für den TSV.

Angebote anderer Clubs gab es einige, er schlug sie aus. „Ich bin ein Typ, der sich wohlfühlen muss, um gut Fußball spielen zu können“, erzählt der Familienvater, der mit seiner Lebensgefährtin und der gemeinsamen einjährigen Tochter mitten in Marburg wohnt. Beim TSV fühlte er sich wohl – egal ob in der Bezirksoberliga oder in der Kreisliga B. Und deshalb blieb er.

564 Ligapartien bestritt Pfeil im (meist) grünen Elnhäuser Trikot, so weist es die von Bernhard Nather akribisch geführte­ Vereinsstatistik aus. Als er am 13. März 1994 mit dem TSV in den alten Dillkreis nach Sechshelden reiste, war die Zahl noch im unteren zweistelligen Bereich. Und es standen mehr Niederlagen als Siege zu Buche.

Die Vorsaison hatten die Elnhäuser auf Platz sechs abgeschlossen, danach verließen einige Leistungsträger den Club. Entsprechend schwerer war es für den TSV, zumal in der Hinrunde großes Verletzungspech hinzu kam. Auch auf dem Hartplatz an der Autobahnbrücke sah es kurz vor der Halbzeitpause­ wieder schlecht aus; der SSV ging mit 3:2 in Führung.

Direkt nach Wiederbeginn fasste sich Cordes ein Herz, zog aus der Distanz ab – 3:3. Die Hausherren waren dennoch siegessicher. Pfeil erinnert sich an einen Dialog zwischen dem ­Libero und einem Manndecker des SSV: „Wenn wir jetzt noch einen machen, dann kommt von denen nichts mehr.“ Es lief anders. Eine Viertelstunde vor Schluss bekam das Team von Coach Erich „Jacky“ Peter eine Ecke. Der Ball wurde in den Strafraum geschlagen, dort verlängert. Pfeil war einen Schritt schneller als sein Gegenspieler. Der damals 19-Jährige hämmerte das Spielgerät volley ins Tor – 4:3 für den TSV!

„Als der Ball drin war, das war ein tolles Gefühl“, erinnert sich Pfeil, der Mann mit der langen Mähne, die zu einem Erkennungs-, zu einem Markenzeichen geworden ist: Mal waren die Haare sehr lang, mal nicht ganz so sehr – wirklich kurz trug er sie zuletzt als Jugendlicher.

Ein Foto, das ihn als etwa 16-Jährigen zeigt, um 1990 entstanden, hatte er bis 2015 in seinem Spielerpass. „Es gab so manchen skeptischen Blick von Schiedsrichtern“, berichtet er, spielen durfte er dennoch immer. Zumindest immer, wenn er konnte: Ein Dutzend Mal rissen ihm Bänder im Knöchel, noch schlimmer waren seine zwei Kreuzbandrisse. Aufhalten ließ er sich davon nicht. „Ich war so heiß, dass ich nie aufgeben wollte. Ich habe es geliebt zu spielen.“ Er tut es noch.

Abstieg trotz manch überraschendem Erfolg

Die 4:3-Führung in Sechshelden brachten die Elnhäuser ins Ziel. „Wir haben uns in jede Pfütze geworfen, um jeden Ball gekämpft“, blickt Pfeil zurück. Der erste Auswärtssieg gab Auftrieb, danach sorgte der TSV für so manche Überraschung. Gegen den Gladenbacher SC, der später aufstieg, gelang nach 0:2-Rückstand ein 2:2-Remis, gegen den Dritten TSV Kirchhain ein 1:0-Sieg. Dennoch stieg das Team am Ende ab. „Die Saison hätte ein paar Wochen länger sein müssen, dann hätten wir es schaffen können“, glaubt Pfeil, der Mann mit dem Torriecher, der in Elnhausen zur Identifikationsfigur wurde.

Vor knapp drei Jahren sagte­ er dem TSV dann aber doch Tschüss. Er schloss sich der SG Morns-/Erdhausen an, für die er noch immer gelegentlich in der Reserve kickt. Michael „Lanze“ Reinhardt, mit dem er in Elnhausen „eine super Zeit“ hatte, war Trainer der Spielgemeinschaft. „Unter ihm wollte ich noch mal spielen.“

Überhaupt, sagt Pfeil, habe er „super Trainer“ gehabt, nennt Markus Eidam, Karsten Stingl, Günther Umbeck und „Jacky“ Peter als weitere Beispiele. Lob findet er auch für einen Coach, unter dem er nicht gespielt hat: „Boris Simon macht einen super Job.“ Mit ihm führt Elnhausen die Tabelle der Kreisliga B Marburg II an. „Ich drücke die Daumen“, sagt Pfeil, „dass der Aufstieg gelingt.“

von Stefan Weisbrod

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