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Blista-Team verteidigt seinen Titel

Blindenfußball Blista-Team verteidigt seinen Titel

Das hatten die Marburger Blindenfußballer zuvor nicht geschafft: Zum ersten Mal haben sie einen Titel verteidigt. Nun wollen sie die Saison abschließen, wie es noch nie einer Mannschaft gelungen ist.

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Schon im Vorjahr bekamen die Marburger die Meisterplakette überreicht. Nach dem letzten Spieltag am 10. September in Rostock werden sie erneut als Deutscher Meister geehrt.

Quelle: Carsten Kobow

Berlin. Eine komplette Spielzeit ohne Gegentor - auch in der Blindenfußball-Bundesliga ist das schwer vorstellbar. Die Sportfreunde Blau-Gelb Blista Marburg müssen nur noch eine Partie schadlos überstehen, dann wäre ihnen dieses Kunststück gelungen. „Das wäre das i-Tüpfelchen unter eine tolle Saison“, sagt Manfred Duensing, der gemeinsam mit Chefcoach Peter Gößmann sowie Arne Schumann und Oliver Einloft das Trainerteam bildet. Das eigentliche Ziel, den Titel, hat die Mannschaft der Blindenstudienanstalt (Blista) seit dem Wochenende sicher.

Zwei Siege gegen die SG PSV Köln/Teutonia Köppern und den ISC Viktoria Dortmund-Kirchderne sollten her, um den Titel klarzumachen. Auf dem Papier stehen nach dem Spieltag in Berlin sechs weitere Punkte für die Marburger, aber nur drei davon wurden auf dem Platz errungen. „Leider konnten die Dortmunder gegen uns nicht antreten“, bedauert Duensing. Beim Spiel am Samstag gegen Chemnitz (0:1) verletzten sich Akteure der Viktoria, sodass nur zwei fitte Spieler für die Partie gegen Marburg, die am nächsten Tag stattfinden sollte, zur Verfügung gestanden hätten - drei sind mindestens nötig.

Die Marburger setzten sich am Samstag verdient mit 2:0 gegen Köln/Köppern durch. „Es war ein Arbeitssieg“, beschreibt Duensing. In der ersten Hälfte brachte Nationalspieler Alican Pektas sein Team mit einer starken Einzelleistung in Führung, in der zweiten Halbzeit sorgte Niclas Schubert für die Entscheidung. Zwischendurch hatte Torhüter Sebastian Schleich einen Sechsmeter pariert.

Trainingsarbeit zahlt sich aus

Am Samstagnachmittag - nach der eigenen Partie gegen die Spielgemeinschaft Köln und Köppern - erfuhr das Blista-Team von der Absage der Dortmunder, durch die ihnen der Titel sicher ist; FC St. Pauli und den MTV Stuttgart können bei fünf Punkten Rückstand nicht mehr gleichziehen. „Wir haben uns natürlich gefreut und am Abend etwas gefeiert“, berichtet Duensing. „Trotzdem hätten wir lieber gespielt.“ Bereits am ersten Spieltag im Mai hatten die Blau-Gelben drei Zähler geschenkt bekommen, weil der Chemnitzer FC nicht antrat.

Dass sechs der bislang 21 Punkte ohne eigenes Zutun aufs Konto kamen, trübt die Bilanz aus Sicht von Duensing nicht: „Dafür konnten wir ja nichts.“ In der aktuellen Form hätten die Marburger aber die Spiele wohl auch „regulär“ für sich entschieden. Seine Erklärung für die guten Leistungen: „Alle Spieler ziehen im Training voll mit.“ Ein besonderes Augenmerk ist in diesem Jahr auf das Defensivverhalten gelegt worden. „Das zahlt sich aus. Alle arbeiten sehr konsequent nach hinten. Die Gegner haben es schwer, gegen uns überhaupt zu Chancen zu kommen“, stellte Duensing fest. Auf der anderen Seite sei das Team inzwischen schwerer auszurechnen: „Wir haben uns technisch weiterentwickelt, aber auch unser Zusammenspiel ist besser geworden. Dadurch sind wir nicht mehr so sehr auf Einzelaktionen angewiesen.“

Ein Sonderlob des Trainers bekommt Keeper Schleich: „Er ist ein guter Torwart, nicht nur weil er gut hält.“ Als normal Sehendem kommt dem Torhüter beim Blindenfußball eine besondere Rolle zu; er dirigiert auch seine Mitspieler auf dem Feld. „Das macht er ruhig und klar, hilft allen damit weiter“, sagt Duensing über Schleich, dem er die „nötige Ausstrahlung“ bescheinigt.

Beim Finale gegen Stuttgart

Zum Saisonfinale am 10. September in Rostock kommt es zum Duell der Dauerrivalen aus Marburg und Stuttgart, die seit Gründung der Liga im Jahr 2008 alle Titel unter sich ausgemacht haben. Ausgerechnet in diesem Spiel gegen den Rekordmeister (fünf Titel) haben die Marburger (vierte Meisterschaft nach 2008, 2012 und 2015) die Chance, mit einem Sieg erstmals selbst - wie der MTV 2010, 2011 und 2014 - eine Spielzeit ohne Verlustpunkt abzuschließen. Die Schwaben kassierten dabei immer mindestens zwei Gegentreffer pro Saison, die Marburger könnten es hingegen ausgerechnet zum Jubiläum - die Blindenstudienanstalt wurde vor 100 Jahren gegründet - „zu Null“ schaffen. „Das ist jetzt unser Ziel“, sagt Duensing. „Deshalb werden wir uns auch auf dieses Spiel konsequent vorbereiten.“

von Stefan Weisbrod

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