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Besorgte Fans machen ihrem Unmut Luft

Krise bei Eintracht Frankfurt Besorgte Fans machen ihrem Unmut Luft

Unter den Fans des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt rumort es gewaltig. Der Fanclub „Adlerhorst“ Stadtallendorf fordert gar die Ablösung von Trainer Armin Veh.

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Wenig erfreut schaut Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh nach der Niederlage gegen Mönchengladbach drein. Nach Wochen der Erfolglosigkeit steht er in der Kritik.

Quelle: Foto: Arne Dedert

Stadtallendorf. Die Basis der Eintracht-Fans wird von der Sorge um ihren Club umgetrieben. Einmal mehr droht das Abstiegsgespenst. Nach verheißungsvollem Start in die Saison befinden sich die „Adler“ im Sturzflug.

Selbst gegen eine Mannschaft wie Darmstadt 98, die – bei allem Respekt – eher das graue Mittelmaß der Liga repräsentiert, boten die Frankfurter beim 0:1 im eigenen Stadion eine erschreckend schwache Vorstellung.

Nun wendet sich der mit 781 Mitgliedern größte aller Eintracht-Frankfurt-Fanclubs, der EFC „Adlerhorst“ Stadtallendorf an die Öffentlichkeit. „Wir können dem besorgniserregenden Zustand unserer geliebten Eintracht nicht länger schweigend zusehen“, heißt es in einem offenen Brief. Als Hauptverantwortlichen des sportlichen Übels hat der Club Trainer Armin Veh ausgemacht.

Fleckna: Spieler werden verheizt

Im Gespräch mit der OP erläutern Präsident Raimund Kania, Manager Werner Fleckna und Mitglied Frauke Nahrgang ihre Gründe dafür, warum sie Vehs Demission fordern. Sie halten ihm vor, kein erkennbares Konzept zu verfolgen. „Wir vermissen zielführende Spielzüge, raffinierte Standards, synchronisierte Laufwege“, moniert Nahrgang. All dies sei mit einem konsequenten Training zu erreichen. Auch in taktischer Hinsicht gebe es genügend Anlass zur Kritik.

„Seine Ein- und Auswechslungen sind nur selten nachzuvollziehen“, ergänzt Fleckna, der kritisiert, dass Spieler immer wieder auf Positionen „verheizt“ würden, die eigentlich nicht ihren angestammten entsprächen. Überhaupt lasse Vehs Umgang mit den jungen Spielern, die er selbst als hochtalentiert eingeschätzt habe, in jeglicher Hinsicht zu wünschen übrig. „Generell sollten die Spieler das Gefühl haben, dass ihnen der Trainer vertraut.“

Die Mannschaft insgesamt wirke saft- und kraftlos, sagt Kania. „Es fehlt ihr jegliche Aggressivität.“ Die Profis auf dem Platz seien natürlich zuerst gefordert. Sie müssten „Gas geben“. „Doch wenn nichts läuft, dann muss der Trainer eingreifen“, sagt Fleckna. Doch der bescheinige seinem Team öffentlich schon nach dem zehnten Spieltag keine Erstliga-Tauglichkeit mehr. Das möge durchaus zutreffen, doch sei die fehlende Form von ehemaligen Leistungsträgern wie Meier, Seferovic und Aigner kaum erklärlich. Veh gebe auch diesbezüglich ein schwaches Bild ab.

Nahrgang: Veh beweist Ratlosigkeit

„Er macht seine eigenen Leute nieder, nur sich selbst bezieht er in die Kritik nicht ein“, schimpft Nahrgang, die einräumt, dass die Krise auch ein Kopfproblem sei. Allerdings sei der Trainer der Kopf, der für seine Mannschaft die Verantwortung trage. Daher sei es kaum nachvollziehbar, wenn die Vereinsführung ein Trainerproblem nicht erkennen wolle.

Veh, der angeblich den Adler in seinem Herzen trage, biete ein Bild, das von Hilflosigkeit geprägt sei. „Das hilft dem Verein nicht weiter“, betont Nahrgang. Und wer wie Veh darauf hoffe, dass von irgendwo ein Lichtlein herkomme, unterstreiche damit eindrücklich seine Ratlosigkeit.

Der angesichts der prekären Lage der Eintracht ausbrechende Aktionismus auf Vorstandsebene wird vom „Adlerhorst“ ebenfalls kritisch hinterfragt. „Den Kauf neuer Spieler sehen wir als eine weitere Gefahr“, sagt Nahrgang, „in welches System will Veh sie eigentlich einpassen?“

Der offene Brief des „EFC Adlerhorst“ soll in diesen Tagen verbreitet werden.

von Bodo Ganswindt

Vergaloppiert

Mit der Wiederverpflichtung von Trainer Armin Veh hat sich die Eintracht vergaloppiert. Da haben sich die Verantwortlichen von der Jubelarie der Fans bei dessen Verabschiedung 2014 blenden lassen.

In guter Erinnerung ist der direkte Wiederaufstieg: aber als Tabellenzweiter und mit dem damals weitaus größten Budget aller Zweitligavereine. Es folgte eine Vorrunde mit attraktivem und erfolgreichem Angriffsfußball. In der Rückrunde baute die Eintracht ab. Weil die Konkurrenz ebenfalls schwächelte, reichte es für die Eintracht dennoch zum Einzug in die Euro-League, in der die Adlerträger respektable Leistungen zeigten.

In der Bundesliga lief es mehr schlecht als recht. Veh nahm den Hut, unterschrieb beim VfB Stuttgart, weil er dort eine größere sportliche Perspektive sah. Der aus Veh's Sicht "ordentliche Kader" entwickelte sich zum schwäbischen Hühnerhaufen. Veh schmiss nach zwölf Spieltagen hin. Zur Belohnung holte ihn die Eintracht zurück.

Wenn's nicht lief, gelang es Armin Veh während seiner Trainerstationen selten, den Hebel umzulegen: Rostock, Wolfsburg, Hamburg und zuletzt Stuttgart lassen grüßen. Trotz dieser unumstößlichen Erkenntnisse hält Vorstandsboss Heribert Bruchhagen an ihm fest und weiß sich in guter Gesellschaft. Die Mannschaft ist ja bekanntermaßen an allem Schuld, jene Mannschaft, die in der vergangenen Saison – nach Meinung vieler Kritiker – den Eindruck erweckte, als sei mehr drin, als der am Ende erreichte neunte Tabellenplatz.

Veh darf nun einen Wunschzettel schreiben, und der Vorstand holt noch ein paar Rosenthals und Kadlecs. Bruchhagen war lange Zeit kein großer Freund  von Winterverpflichtungen. In den ersten Jahren seines Wirkens bezeichnete er sie einmal als "teure Panikkäufe". Heute spricht er nicht mehr davon, handelt aber - im Zusammenspiel mit Sportdirektor und Aufsichtsrat - genau so.

Ich fürchte, die Eintracht kann holen, wenn sie will, Veh bringt die Pferde nicht mehr zum Laufen.   

von Hartmut Berge

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