Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Beide Seiten können profitieren

Sport als ein Weg zur Integration Beide Seiten können profitieren

Durch das Treiben von Sport können nach Deutschland geflüchtete Menschen wieder positive Erfahrungen machen. Heimische Vereine helfen 
aktiv bei der Integration, auch ihnen bieten sich 
dadurch einige Chancen.

Voriger Artikel
Dolphins besiegen Halle mit 85:71
Nächster Artikel
VfB Marburg gewinnt zum Auftakt

Gemeinsam Sport machen: Der FSV Cappel hat sich bereits sehr früh in der Flüchtlingshilfe engagiert und im vergangenen Herbst unter anderem ein Freundschaftsspiel gegen ein Flüchtlingsteam organisiert.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Gerade am Anfang, in der Phase des Ankommens in Deutschland, kommt dem Sport eine hohe Bedeutung zu“, sagt Angelika Ribler von der Sportjugend Hessen.

Unter ihrer Leitung steht das Projekt „Sport und Flüchtlinge“, das den Flüchtlingen die Möglichkeit geben soll, durch sportliche Betätigung das größtenteils triste Leben in den Flüchtlingsunterkünften zumindest für eine Weile hinter sich zu lassen.

„Durch das Treiben von Sport können wir den Menschen zwar nicht dabei helfen, die Traumata zu überwinden, die viele von 
ihnen durch Krieg und Flucht erlitten haben“, sagt die Trägerin des Julius-Hirsch-Preises weiter, „aber wir können ihnen mithilfe des Sports zumindest wieder etwas Freude vermitteln.“

„Coaches“ müssen nicht sportlich sein

Außerdem, so erklärt sie, könne auf diesem Weg eine Annäherung zur einheimischen Bevölkerung stattfinden und damit schon ein erster Schritt zur Integration getan werden, auch wenn viele der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind: „Das ist am Anfang völlig egal, denn Sport spricht alle Sprachen.“

Seit dem 1. Januar läuft das Programm, an dem sich alle 426 Städte und Gemeinden Hessens beteiligen können. Ziel dieses Programms ist es auch, den Flüchtlingen Zugang zu den ortsansässigen Sportvereinen zu ermöglichen.

Helfen sollen dabei sogenannte „Sport-Coaches“, die einen ersten Kontakt in die Vereine vermitteln sollen. Eine Aufgabe, die jeder übernehmen kann, der sich gerne in der Flüchtlingsarbeit engagieren und aktiv zur Integration beitragen will.

„Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob man selber sportlich ist oder in einem Verein aktiv ist“, erklärt Angelika Ribler: „Die Coaches übernehmen die Rolle des Vermittlers zwischen Flüchtlingshilfe, Gemeinde und Vereinen und kümmern sich außerdem um einige organisatorische Dinge, etwa um die Fahrt zum ersten Training.“

Für FSV Cappel eine Herzensangelegenheit

Die Integration von Menschen war auch das Ziel von Mario Lefebre. Kurze Zeit, nachdem die Erstaufnahmeeinrichtung unweit von der Sportanlage seines FSV Cappel eröffnet worden war, sorgte er für eine Verbindung zwischen Verein und Flüchtlingen.

Für Lefebre war dies eine Selbstverständlichkeit: „Für uns war es eine Herzensangelegenheit zu helfen. Die Menschen stehen für uns im Vordergrund, daher mussten wir einfach etwas tun“, sagt er. So trug er dazu bei, dass auf dem Sportgelände ein regelmäßiges Training stattfinden kann, an dem bis zu 30 Mann teilnahmen, sogar einige Kinder haben das Angebot angenommen.

Im September fanden dann zwei Freundschaftsspiele gegen die beiden Seniorenmannschaften des FSV statt. Bei der Ausrüstung der Flüchtlingsteams half Dirk Pape von der Cappeler „Sporttreff“-Filiale großzügig.

Gerne würde Lefebre auch Flüchtlinge in die regulären Mannschaften aufnehmen. „Wir hatten bereits zwei Leute, die regelmäßig am Training teilgenommen haben, aber leider wurden sie dann auf andere Flüchtlingsunterkünfte verteilt“, bedauert er die Situation. Nun erhofft er sich eine positive Reaktion auf das jüngst angelaufene Programm der Hessischen Sportjugend.

Kirchhainer Handballer organisierten Spendenlauf

Und nicht nur beim FSV Cappel erkannte man die Notwendigkeit, sich als Verein um die ankommenden Flüchtlinge zu kümmern. Auch der 1. FC Waldtal zeigte sich hilfsbereit und organisierte gemeinsam mit dem Arbeitskreis Soziale Brennpunkte Marburg (AKSB) für die Flüchtlinge Spielerpässe und Ausrüstung.

So kam es, dass mit dem „1. FC Waldtal Somalia“ an den diesjährigen Marburger Stadtmeisterschaften erstmals eine Flüchtlingsmannschaft teilnahm. „Gerade in sozialen Brennpunkten sollte man füreinander da sein“, sagte Waldtals Vorsitzender Marlon Müller am Rande der Veranstaltung.

Auch andere Abteilungen von Sportvereinen engagieren sich: So richteten die Handballer des TSV Kirchhain schon im Sommer gemeinsam mit der Flüchtlingshilfe einen Sponsorenlauf aus. Die Hälfte der gut 10.000 Euro, die dabei zusammenkamen, wurde für die Flüchtlinge gespendet.

Vereine beklagen bislang Mitgliederschwund

„Wir wollten helfen, obwohl wir wissen, dass sich kaum einer von ihnen bei uns Handballern anmelden wird“, berichtet Abteilungsleiter Harald Hertel und erläutert: „Handball ist wie viele andere Sportarten in den Heimatländern der geflüchteten Menschen einfach zu unbekannt, Fußball dagegen nicht. Aber sollte sich uns trotzdem jemand anschließen wollen, ist er natürlich sehr willkommen bei uns im Verein.“

Somit sind es vor allem die heimischen Fußballmannschaften, die für viele Flüchtlinge 
eine erste Anlaufstation sein dürften. Gerade in Zeiten, in denen sich immer mehr dieser Vereine wegen Personalmangels zu Spielgemeinschaften zusammenschließen müssen oder sogar völlig von der Bildfläche verschwinden, kann durch die Einbindung von Flüchtlingen in das Vereinsleben eine Win-win-Situation entstehen:

Zum einen wird die Selbstständigkeit des Vereins durch neue Mitglieder gesichert, zum anderen können auf diesem Wege Menschen, die vor Krieg und Terror geflohen sind, aktiv in die Gesellschaft integriert werden.

  • Kontakt für interessierte Sport-Coaches: 
Volker Rehm, Telefon: 069/6789-245, E-Mail:
 beratung@sportjugend-hessen.de .

von Thomas Engelmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Stück gelebte Integration

Bei der Marburger Hallenfußball-Stadtmeisterschaft gab der 1. FC Waldtal­-Somalia sein Debüt. Ein Rückblick auf das Entstehen einer Flüchtlingsmannschaft.

mehr
../dpa-ServiceLine-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-170707-99-155169_large_4_3.jpg
Fotostrecke: Wie werde ich Sounddesigner/in?