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Bei den Manns machen‘s alle Mann

"Gute Seele des Vereins" Bei den Manns machen‘s alle Mann

Ohne den Fußballverein SG Niederklein/Schweinsberg hätte das Leben der Familie Mann keinen Sinn. Zugegeben, diese Aussage ist sicherlich übertrieben. Aber etwas ist schon dran.

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Die Familie Mann auf dem Sportgelände in Schweinsberg (von links): Sarah, Martin, Andreas und Angelika sowie Dirk.Foto: Tobias Hirsch

Schweinsberg. Freitag, 16.45 Uhr: Andreas wischt mit einem nassen Lappen über Tische und Bänke vor dem Sportheim. Sein Bruder Martin sitzt auf dem Rasentraktor und dreht seine Runden über das satte Grün. Angelika, die Ehefrau von Andreas, überprüft, ob noch genug Getränke vorrätig sind. Tochter Sarah fegt derweil die Böden neben dem Getränkeraum. Fehlt noch Dirk, ihr Bruder. Er kommt in Arbeitsmontur dazu, allerdings ausnahmsweise mal nicht, um mit anzupacken. Er hat zurzeit beim Hausbau alle Hände voll zu tun, unterstützt jedoch Martin bei der Pflege des Sportgeländes in Schweinsberg.

Haben die Manns etwa vergessen, dass sie in wenigen Minuten ein Gesprächstermin mit der Presse haben? Nein! „Moment, wir kommen gleich“, ruft Andreas Mann. Wenig später sitzen alle völlig entspannt am Tisch. Von Stress und Hektik keine Spur. Dabei geht es unter der Woche, insbesondere an einem Freitag vor einem Heimspiel des B-Ligisten, rund. Alles dreht sich um den Verein - ­ehrenamtlich, versteht sich.

Eigentlich wollte Andreas „gar nicht in die Zeitung. Das, was wir machen, machen wir gern. Im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen, ist nicht unsere Sache.“ Nach kurzer Überlegung willigte er jedoch ein, dass die OP die Familie Mann als „Gute Seele des Vereins“ vorstellt, „weil es schließlich um die kleinen Vereine geht, die ums ,Überleben‘ kämpfen.“ Und in der Tat sind es die Leute wie die Manns, die den Amateursport am Leben erhalten.

"Eine der schönsten Anlagen des Landkreises"

Andreas Mann, seit 30 Jahren Fußballabteilungsleiter der SG Niederklein/Schweinsberg (ehemals FSG Schweinsberg/Dannenrod), hat alle Höhen und Tiefen der Abteilung mitgemacht und nie den Kopf in den Sand gesteckt. Er organisiert Feste, kümmert sich um die Helferlisten, steht selbst hinter der Theke, ist bei Spielerproblemen und -wechseln der Ansprechpartner, um nur einige Dinge zu nennen. Seine Frau wäscht die Trikots, organisiert den Getränke- und Würstchenverkauf bei Spielen. Beide arbeiten bei der Stadtverwaltung. Martin ist der Chef der Sportplatzpflege, Dirk, der noch selbst aktiv im Verein spielt, seine „rechte Hand“. Sarah schließlich kümmert sich um die Reinigung des Vereinsheims. „Wir haben mal versucht, die Stunden zu zählen, die wir auf dem Sportgelände verbringen, aber nach kurzer Zeit aufgehört“, sagt Sarah.

 „Weil es auch keine Rolle spielt. Der Sportplatz ist ein täglicher Anlaufpunkt, das Gelände ist uns ans Herz gewachsen. Wie ein zweites Zuhause. Zum einen, weil man nach dem Rechten sehen will, zum anderen, weil es uns ans Herz gewachsen ist.“ Früher stand am Platz eine schlichte Holzhütte. Heute sind die Manns stolz auf das Vereinsheim und auf „eine der schönsten Anlagen im Landkreis.“ Und alle Manns haben dazu beigetragen. „Die Kinder waren von Beginn an dabei“, sagt Angelika. „Wir empfinden das Ganze nicht als Arbeit. Und wir machen es nicht für uns. Vielmehr gibt es viele andere im Verein, die auch mit anpacken. Insofern ist der Verein mit all seinen Mitgliedern und Freunden so etwas wie die erweiterte Familie“, ergänzt sie.

Wenn das Heimspiel ausfällt, fehlt etwas

Klingt wie einmal Schweinsberg, immer Schweinsberg. In der Tat: Sohn Dirk (29) hat nie den Verein gewechselt und werde auch niemals den Verein wechseln. „Ich schätze, dass hier nicht mit Geld gearbeitet wird wie in manch anderen Vereinen.“ Tochter Sarah kann sich auch „niemals vorstellen, von hier wegzugehen.“ Dennoch stellt sich die Frage, ob es irgendwann nicht auch mal nervt, ständig über die SG, das Vereinsheim, das Gelände und Fußball zu reden, ständig im Kopf zu haben, was als Nächstes für den Verein anliegt. „Nein, Stress oder gar Streit deswegen kennen wir nicht“, sagen alle übereinstimmend.

Denn selbst, wenn die Manns mal im Urlaub sind, greift Andreas zum Handy und erkundigt sich mal schnell, ob bei der SG Niederklein/Schweinsberg alles in Ordnung ist. Trotzdem nochmals nachgefragt! Niemals Stress oder Streit? Oder wenigstens schlechte Laune? „Doch“, räumt Sarah schließlich ein: „Wenn ein Heimspiel ausfällt, dann bin ich richtig schlecht drauf. Dann fehlt mir was.“ „Dann macht das Leben keinen Sinn“, ergänzt Martin mit einem Schmunzeln im Gesicht.

von Michael E. Schmidt

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