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Bei Blauer Karte droht lange Strafe

Kurioses Regelwerk Bei Blauer Karte droht lange Strafe

Viele Sportarten haben komplexe Regelwerke. In den Bestimmungen und Vorschriften gibt es Lücken, die vielen Fans unbekannt sein dürften. Die kuriosesten haben wir zusammengetragen.

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Im Handball wird ab 2017 die blaue Karte für besonders harte Vergehen eingeführt. Ob sich die Kartenfarbe – wie bei unserer Bildbearbeitung – auch für den Fußball eignen würde?

Quelle: Miriam Prüßner

Marburg.  Die Regeln im Fußball gelten für die Kicker in der Kreisliga B Marburg genauso wie für die Fußballer in der spanischen Primera División.

Barcelona, Stadion „Camp Nou“ vor zwei Wochen: Der heimische FC Barcelona spielt in der spanischen Liga gegen Celta Vigo, als der Schiedsrichter in der 82. Minute einen Elfmeter für die Gastgeber pfeift. Weltstar Lionel Messi schnappt sich den Ball und alle Zuschauer im Stadion rechnen mit einem Schuss des Argentiniers aufs Tor.

Doch anstatt das Leder direkt zu schießen, spielt er den Ball nur leicht nach vorne, von hinten kommt Teamkollege Luis Suárez angestürmt und schiebt den Ball locker am bereits am Boden liegenden Torwart vorbei in die Maschen.

Wütende Proteste der Gäste folgten, aber der Unparteiische gab den Treffer, denn Messi hatte eine kuriose Regel ausgenutzt, die bis dahin nur den wenigsten bekannt war. Im Regelwerk heißt es zum Thema „Strafstoß“ lediglich „der ausführende Spieler muss den Ball nach vorne treten“, nirgendwo steht geschrieben, dass der Schütze den Ball direkt aufs Tor schießen muss.

Doch das ist mit Abstand nicht die einzige eigentümliche Regelung, von denen es nicht nur im Fußball einige gibt. Aber gerade im Lieblingssport der Deutschen finden sich noch andere Regeln, die vielen unbekannt sein dürften und oft zum Schmunzeln anregen. Sollte eine Mannschaft einmal einen Freistoß zu ihrem Keeper zurückspielen, der tritt in bester Bernd-Leno-Manier über den Ball und das Spielgerät rollt über die Torlinie, gibt es - Eckball! Denn laut Regelwerk darf aus einem Vorteil, wie dem Freistoß, kein Nachteil werden.

Ebenso wenig dürfte bekannt sein, dass das Zurschaustellen von „politischen, religiösen oder persönlichen Slogans, Botschaften oder Bildern“ auf der Unterwäsche untersagt ist. Vorsicht also bei der Wahl des Unterhemds.

In die Abteilung „kurios“ gehört gleichfalls die Regelung, die es Elfmeterschützen auf den Färöer-Inseln erlaubt, sich zur Ausführung des Strafstoßes einen zweiten Spieler zu Hilfe zu rufen, der ihnen den Ball auf dem Elfmeterpunkt festhält, damit er bei starkem Wind an Ort und Stelle bleibt.

Aus einem Vorteildarf kein Nachteil werden

Aber auch in anderen Sportarten finden sich einige Bestimmungen, die recht skurril wirken. Nach dem jüngsten Gewinn der Handball-EM ist diese Sportart in Deutschland wieder auf dem Vormarsch und wer es à la Messi und Suárez mal auf einen denkwürdigen Torerfolg abgesehen hat, der kann auch versuchen, den Ball per Kopf ins Tor zu befördern.

Verboten ist das nicht, die Regeln erlauben auch das Spielen des Balls mit anderen Körperteilen, sogar mit den Knien ist es gestattet: „Es ist erlaubt, den Ball unter Benutzung von Händen (offen oder geschlossen), Armen, Kopf, Rumpf, Oberschenkel und Knien zu werfen, zu fangen, zu stoppen, zu stoßen oder zu schlagen“, besagt die Regel. Doch genau wie beim Messi-Elfmeter kann es auch auf eine andere Weise denkwürdig werden. Und zwar denkwürdig peinlich, wenn es schiefgeht…

Eine weitere Kuriosität beim Handball wird es ab 2017 geben, wenn Schiedsrichter die blaue Karte zücken und den Spielern unter die Nase halten.

Zusätzlich zum bisherigen Bestrafen mit Gelber und Roter Karte und der Zwei-Minuten-Strafe für Spieler soll die blaue Karte dann gezogen werden, wenn der Unparteiische nach einer Roten Karte anzeigen will, dass dem betreffenden Spieler noch eine Sperre droht.

Beim Tennis gibt es ebenfalls einiges zu beachten, etwa dass die Spieler immer genügend Schläger mit sich führen sollten. Unvergessen ist bis heute der Fall des Kroaten Goran Ivaniševic, der bei den Samsung Open im Jahr 2000 im Laufe des Spiels alle seine drei Schläger vor Wut kaputtschlug.

Als er daraufhin dem Schiedsrichter erklärte, er habe keinen weiteren dabei, ging das Match an seinen Gegner und Ivaniševic musste obendrein 1000 Dollar Strafe zahlen.

Aber auch abseits der Mainstream-Sportarten gibt es ein paar bemerkenswerte Vorschriften. So ist z. B. die knappe Bekleidung im Beachvolleyball der Damen schriftlich fixiert, die Höschen der Spielerinnen dürfen laut den Regularien maximal 3,5 Zentimeter lang sein.Andere Regeln wurden vor langer Zeit einmal aufgestellt und seitdem einfach nicht mehr geändert.

Genau das dürfte auch der Grund sein, warum im Richmond-Golfclub in Virginia noch die folgende Regel aus dem Jahr 1940 gilt: „Ein Spieler, der bei seinem Schlag durch die Explosion einer Bombe beeinflusst wird, darf unter Zurechnung eines Strafschlags einen neuen Ball von der gleichen Position spielen.“

Bei einem damals befürchteten Bombenangriff hätten die Spieler also immerhin ihre Partie weiterspielen können.

von Thomas Engelmann

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