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Behält Stadtallendorf Lehnerz-Punkte doch?

Fußball-Hessenliga Behält Stadtallendorf Lehnerz-Punkte doch?

Neuzugänge, Vertragsverlängerungen und ein Urteil des Frankfurter Landgerichts, das reichlich Zündstoff birgt - die vergangenen Tage waren aus Sicht des Hessenligisten Eintracht Stadtallendorf ereignisreich.

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Daniel Vier (rechts, für den VfB Stuttgart II im Einsatz gegen Philipp Knechtel von Energie Cottbus) kehrt nach elf Jahren zu Eintracht Stadtallendorf zurück.

Quelle: imago

Stadtallendorf. Anfang der Woche vermeldete die Eintracht einen „Königstransfer“ - oder anders gesagt: die Rückkehr eines alten Bekannten, Daniel Vier. Der 33-jährige Deutsch-Brasilianer bestritt bislang 160 Partien in der 3. Liga. Die meisten davon für den VfB StuttgartII, von dem der Defensivakteur im Sommer nach elf Jahren zu dem Verein zurückkehrt, für den der Profi in Deutschland zuerst spielte: Eintracht Stadtallendorf.

„Sein Bruder ist der Freund unseres ehemaligen Spielers Fabio Eidelwein“, erzählt Reiner Bremer, zu Landesliga-Zeiten Trainer Viers und heute Fußball-Abteilungsleiter der Eintracht, wie damals der seitdem nie abgebrochene Kontakt zu Vier zustande kam.

Breidenbachs Yildirim wechselt zur Eintracht

Über den SC Waldgirmes, zu dem Vier 2005 wechselte, Viktoria Aschaffenburg und Eintracht Frankfurt II kam Vier 2009 zur U23 des VfB Stuttgart, zwischenzeitlich spielte er ein halbes Jahr für den FC Heidenheim. Sieben Jahre in der Nachwuchsmannschaft des schwäbischen Bundesligisten zeugten Viers dortiges Ansehen, meint Bremer: „Er führte die jungen Spieler. Wir wünschen uns, dass er dies neben Spielern wie Kevin Vidakovics, Dominik Völk und Kevin Bartheld auch bei unserer jungen ‚Rasselbande‘ tut.“

Neben Vier (Vertrag bis 2018) hat sich der Hessenligist die Dienste von vier Talenten gesichert: Der 20-jährige Kristian Gaudermann (bis 2017) kommt vom VfB Gießen und ist auf der Außenbahn und auf der „Sechs“ beheimatet. Vom FV Breidenbach wechselt Okay Yildirim (bis 2017) an den Herrenwald. Der 19-Jährige, der in der Jugend für den VfB Marburg die Schuhe schnürte und beim Hinterländer Verbandsligisten hinter Goalgetter Felix Baum mit neun Treffern der zweiterfolgreichste Torschütze ist, könne defensiv wie offensiv variabel auf den Außenbahnen eingesetzt werden.

Aus der A-Jugend der mittelhessischen Talentschmiede TSG Wieseck schließen sich die 18-jährigen Mittelfeldspieler Damijan Heuser und Fabian Mendack (beide bis 2017) der Eintracht an. Wie Stadtallendorfs Sportlicher Leiter Fejz Hodaj mitteilte, hat der Liga-Dritte zudem die Verträge mit Ceyhun Dinler, Valon Ademi, Jascha Döringer, Dominik Völk (alle bis 2017) und Ufuk Yildirim (bis 2018) verlängert.

Lehnerz-Partie bleibt eine Sache der Anwälte

Weniger erfreulich als die Personalentscheidungen war dieser Tage ein Fragen aufwerfendes Urteil, das am Landgericht Frankfurt am Montag im Rechtsstreit zwischen dem TSV Lehnerz und dem Hessischen Fußball-Verband (HFV) verkündet wurde. Demnach ist das im November gesprochene Urteil des HFV-Verbandsgerichts, wonach Stadtallendorf die drei Punkte aus dem Hinspiel gegen Lehnerz zuerkannt wurden, weil die Osthessen von Beginn an einen nicht auf dem Spielbericht eingetragenen Spieler eingesetzt hatten (die OP berichtete mehrfach), unwirksam.

Auf Nachfrage folgte Torsten Becker, HFV-Vizepräsident für Recht und Satzung, am Dienstag der Einschätzung der Lehn-erzer Anwälte, wonach die Punkte mit dem neuerlichen Urteil an die Fuldaer Stadtteil-Elf zurückgehen (die OP berichtete am Dienstag). Becker: „Wir müssen aber erst abwarten, bis uns die Urteilsbegründung vorliegt. Dann werden wir uns damit beschäftigen, wie wir damit umgehen. Je nach Tenor gehen wir gegenwärtig davon aus, dass Lehnerz die Punkte bekommt.“

Eine Ansicht, die der renommierte Frankfurter Sportanwalt Horst Kletke, der die Eintracht vor dem Verbandsgericht vertrat und noch immer als Rechtsbeistand vertritt, in dieser Form nicht teilt: „Das kann man so nicht sagen.“ Auch die zuständige Richterin Dr. Reul klärt auf OP-Nachfrage auf, dass ein mit dem Urteil verbundener automatischer Zuspruch der Punkte für Lehnerz „nicht der Fall“ sei.

Vielmehr müsse die Partei, die den Rechtsstreit verloren hat - in diesem Fall der HFV als Beklagter - entscheiden, wie sie mit der Entscheidung umgeht. „Es gibt viele theoretische Varianten“, so Reul, die darauf hinweisen, dass die ordentliche Gerichtsbarkeit nur die Unwirksamkeit des Verbandsgerichtsurteils festgestellt habe.

Berufung vor dem Oberlandesgericht möglich

„Wir werden mit unserem Anwalt über die weiteren Schritte beraten“, sagt Bremer. „Dafür muss uns zunächst das Urteil schriftlich vorliegen“, gibt Kletke zu verstehen. Laut Reul soll die Zustellung „zeitnah“ geschehen. Eine Berufung vor dem Oberlandesgericht wäre möglich, bestätigte Reul. Sollte es dazu kommen, wäre dieses laut Kletke aber sicher noch am Saisonende und zu den daran anschließenden Aufstiegsspielen zur Regionalliga Südwest Ende Mai/Anfang Juni im Gange.

Wie Klassenleiter und Verbandsfußballwart Jürgen Radeck auf Anfrage mitteilte, hat das Urteil des Landgerichts zum jetzigen Zeitpunkt „noch gar keine Auswirkungen“ auf die Hessenliga-Tabelle. Erst müsse die Einspruchsfrist abgewartet werden. Diese beträgt einen Monat. „Erst danach kann entschieden werden“, erklärt Radeck.

von Marcello Di Cicco

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