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Lokalsport Die Nationalmannschaft dient als Ansporn
Sport Lokalsport Die Nationalmannschaft dient als Ansporn
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00:16 09.01.2019
Johanna Klug (vorne) will sich in Marburg weiterentwickeln. „Aggressiver sein, korbgefährlicher werden“, sagt die 20-Jährige zu ihren kurzfristigen Zielen. Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Zur Vereinsphilosophie des BC Pharmaserv Marburg gehört es, deutsche Spielerinnen zu fördern. Johanna Klug ist seit dem Sommer Teil dieser jungen Garde. Ein Lautsprecher sie nicht gerade. Der BC-Neuzugang wirkt etwas zurückhaltend. Gleichwohl weiß die 20-Jährige was sie will – und das ist in erster Linie Basketball spielen.

„Für mich ist das wichtig. In Nördlingen habe ich nicht ganz so viel gespielt.“ Da traf es sich gut, dass sie ihren jetzigen Trainer Patrick Unger schon aus gemeinsamen Zeiten bei der U20-Nationalmannschaft kennt. „Ich bin gut mit ihm klargekommen“, sagt Johanna Klug, die bereits mit 15 Jahren ihr Bundesliga-Debüt für das Team aus Nördlingen gegeben hatte. Daher wusste sie, dass sie sich auf sein Wort verlassen konnte. „Wenn jemand alles gibt, wird er diejenige auch einsetzen“, führt Klug aus.

Dementsprechend ist das Talent zufrieden mit ihren gut 16 Minuten Einsatzzeit pro Partie – zunächst einmal jedenfalls. „Aggressiver sein, korbgefährlicher werden“, beschreibt sie, worin sie sich noch verbessern möchte, „um nicht nur als Passgeberin mitzuspielen“ und aus ihrer Rolle herauszuwachsen, die sie im Moment so sieht: „Für frischen Wind sorgen, wenn ich aufs Spielfeld komme.“

Die Konkurrenz auf der Position ist groß

An den nackten Zahlen ist das nicht unbedingt abzulesen. 2,3 Punkte macht Johanna Klug durchschnittlich pro Spiel, holt zudem 3,2 Rebounds. Ihr Trainer aber lobt seinen jungen Schützling: „Sie macht mehr als das. Sie verteidigt gut und reißt Lücken, die andere nutzen können.“ Ein bisschen mehr Selbstvertrauen in der Offensive wünscht Unger seiner Spielerin, die er für „eines der größten Talente, die es in Deutschland auf ihrer Position gibt“ hält.

Die Konkurrenz in der Nationalmannschaft sei mit WNBA-Spielerin Marie Gülich, Sonja Greinacher und der Ex-Marburgerin Svenja Greunke aber groß. Dennoch: „Ich bin ein großer Fan von Joey“, sagt Unger. Dieses Jahr, spätestens nächste Saison, werde sie zeigen, „was sie drauf hat“.

Nicht nur der Trainer war ein Grund, warum sich die gebürtige Nördlingerin für die Blue Dolphins entschieden hat. Die Philipps-Universität, wo sie BWL studiert, war ein weiteres Argument für einen Wechsel. Ein großer Schritt war es für Johanna Klug nicht, aus der bayerischen Stadt mit etwas weniger als 20.000 Einwohnern nach Marburg zu ziehen. Eher ein kleiner Schritt, der ihr die Heimat näherbringt.

Von Nördlingen über 
New York nach Marburg

Denn für ein Jahr zog es sie hinaus in die ganz weite Welt – in den Big Apple nach New York. „Sehr cool“ sei die Erfahrung dort gewesen. „Ich wollte mal zu Hause raus, was anderes sehen“, erklärt sie den Beweggrund. „Es hat mir persönlich sehr geholfen, auf mich alleine gestellt zu sein.“ Auch sportlich konnte sich die 1,90 Meter große Flügel- und Centerspielerin an der Fordham Universität weiterentwickeln, wo sie für die „Rams“ spielte.

„Basketball hat dort einen hohen Stellenwert. Das sieht man allein an den Spielstätten“, schwärmt Johanna Klug. Das Niveau sei allerdings nur schwer mit dem in der deutschen Bundesliga zu vergleichen. In den USA habe es doch größere Leistungsschwankungen zwischen den Teams gegeben. Ein deutlicher Unterschied bestehe aber zwischen dem Basketball bei den Blue Dolphins und den Rams: „In Marburg wollen wir pushen und den Ball möglichst schnell vortragen. Bei mir im College ging es eher um einen langsamen und geordneten Ballvortrag.“

Von perfekter Hinrunde überrascht

Die schnelle Spielweise mit harter Defense hat dem BC in der Bundesliga zu einer traumhaften Hinrunde verholfen (10 Spiele, 10 Siege). Sie habe zwar Marburg als eine Mannschaft gekannt, die ­eigentlich immer in der oberen Hälfte mitgespielt hat. Aber so durchzustarten, habe sie dann doch nicht erwartet. „Es ist sehr viel möglich, man sieht das Potenzial“, sagt Johanna Klug. Die einzige Niederlage in der Liga setzte es zum Rückrundenauftakt gegen den Deutschen Meister, die Rutronik Stars Keltern. Revanche für das 57:73 im letzten Spiel des Jahres kurz vor Weihnachten können die Blue Dolphins schon an diesem Sonntag (16 Uhr) im Pokal-Viertelfinale in Keltern nehmen (zur Vorschau).

Der vielgepriesene Zusammenhalt ist ein Grund, warum es klappen könnte. „Es war einfach, sich hier einzufinden. Wir machen auch viel außerhalb der Halle zusammen, es macht Spaß mit der Mannschaft“, erzählt die 20-Jährige, die mit Alexandra Wilke, Tonisha Baker und Alex Kiss-Rusk (zum Porträt) in einer WG lebt. Wilke kannte sie schon vorher, ebenso wie Mali Sola. Beide berichteten von der guten Teamchemie. „Das hat sich alles bestätigt“, sagt die Bayerin.

Zuerst wollte sie nur zuschauen

Dabei wäre es beinahe gar nicht zur ihrer Karriere gekommen. „Am Anfang wollte ich auf keinen Fall Basketball spielen“, sagt Johanna Klug und schmunzelt. Ihre Schwester Katharina, die auch für Nördlingen in der Bundesliga spielte, sich jetzt aber ihrem Architektur-Studium widmet, und ihre Eltern gingen alle auf Korbjagd. Ihre Mutter nahm sie zwar mit zu den Minis, die sie trainierte – Joey wollte aber nur zuschauen. „Dann mit 10 oder 11 hat es doch in den Fingern gejuckt“, sagt sie.

Später durchlief sie die ­Jugend-Nationalmannschaften, mit der U20 belegte sie bei der EM 2018 Rang neun. „Die Nationalmannschaft ist ein Ansporn. Das ist immer ein cooles Erlebnis und eine Ehre“, sagt Johanna Klug. Wenn sie ihren Vereinstrainer überzeugt, dürfte demnächst einer Berufung in den A-Kader nichts im Wege stehen – Patrick Unger ist schließlich in Personalunion Bundestrainer.

von Holger Schmidt