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Blue Dolphins tanzen auf drei Hochzeiten

Basketball-Bundesliga Blue Dolphins tanzen auf drei Hochzeiten

Ein hartes, aber auch lehrreiches halbes Jahr liegt hinter den Basketballerinnen des BC Pharmaserv Marburg. Vor der kurzen Winterpause zeigte die Formkurve nach oben.

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Finja Schaake (rechts) steigt zum Korbleger hoch. Die Flügelspielerin machte im Schnitt 14,1 Punkte pro Spiel.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nach zwei Auftaktniederlagen folgte ein Hoch mit vier Bundesliga-Siegen in Folge. Anschließend rutschten die Blue Dolphins in ein Tief, drei von vier Partien gingen verloren. Mit zwei knappen Siegen und dem Sprung auf Platz fünf gelang aber ein versöhnlicher Jahresabschluss. „Wir sind jetzt oben dran und konnten den Abstand nach unten vergrößern“, sagte BC-Trainer Patrick Unger schon nach dem 77:74 gegen Hannover, was gleichzeitig das erste Rückrundenspiel war.

Die wellenförmige Saison kommt für Unger bislang nicht unerwartet: „Es sind Ups und Downs, mit denen ich gerechnet habe.“ Gleichwohl hat der Coach festgestellt: „Wir kommen immer besser in Schwung. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Natürlich gibt‘s dafür keine Garantie.“
Heimrecht in der ersten
Playoff-Runde ist das Ziel

Die Höhen und Tiefen hatte auch Finja Schaake erkannt: „Am Anfang haben wir die leichteren Gegner gehabt“, sagt die BC-Topscorerin (14,1 Punkte im Schnitt). „Zwischendurch sind wir dann eingebrochen und haben einfache Spiele wie das gegen Halle zu Hause verloren.“ Mindestens Platz vier hat Schaake sich zum Ziel für die Hauptrunde gesetzt: „Das ist das, wo wir hinwollen und vielleicht auch hingehören.“

Noch zwei Heimspiele im Europapokal

Helfen soll die internationale Erfahrung, die der BC in dieser Saison schon tanken konnte und weiter tanken will. Denn die Blue Dolphins haben nach 14 Jahren Abstinenz auf dem europäischen Parkett gute Chancen, das Final Four in der Central Europe Women League (CEWL) zu erreichen.

Zwar gab es gegen CSM ­Satu Mare, immerhin Dritter in der ersten rumänischen Liga, zwei klare Niederlagen, zuletzt Mitte Dezember. Aber gegen SBS Ostrava aus Tschechien setzte sich der BC zweimal durch. Gegen Nachrücker ICIM Arad, den Vorletzten in Rumänien, haben die Marburgerinnen am 30. und 31. Januar (zweiter Termin hat sich geändert) noch zwei Heimspiele. Ein Erfolg könnte schon genügen, um das Finalturnier zu erreichen, dessen Austragungsort noch nicht feststeht.

Für Unger haben sich die CEWL-Spiele jedenfalls schon gelohnt: „Das hilft“, findet er. „Und wenn es am Ende des Tages der entscheidende Rebound ist, wo wir ein bisschen aufmerksamer sind, weil wir es einfach schon 1000 Mal gemacht haben.“ Siege wie gegen Hannover oder die Angels Nördlingen ( 75:73) seien auch auf diese Erfahrungen im Europapokal zurückzuführen.

Die Schattenseite ist der Kräfteverschleiß. „Es ist eine­ unheimliche Belastung gerade“, sagt Unger und bemüht ­einen Vergleich: „Es ist wie mit Kindern: Man weiß vorher, dass es anstrengend ist. Man merkt aber erst, wie anstrengend es wirklich ist, wenn man dann Kinder hat.“

Unger: Pause kam zur rechten Zeit

Weniger werden dürfte die Belastung kaum. Denn die Blue Dolphins tanzen noch auf allen drei Hochzeiten und haben gute Chancen, noch lange in allen Wettbewerben vertreten zu sein. Das Erreichen der Bundesliga-Playoffs sollte nur Formsache sein, in der CEWL sieht es gut aus und auch im nationalen Pokal muss die Endrunde kein Wunschtraum bleiben. Im Viertelfinale spielt der BC bei Aufsteiger Veilchen Ladies Göttingen, gegen den es in der Liga schon einen 73:57-Auswärtssieg gab.

Immerhin zwei Wochen hatten Spielerinnen und Betreuerstab über die Feiertage Zeit, sich von den Strapazen zu erholen. Seit Mittwoch befinden sich die Marburgerinnen wieder im Training. „Die Pause kam zur rechten Zeit, sodass wir dann hoffentlich unseren besten Basketball Ende Februar/Anfang März spielen“, sagt Unger. Nachdem im Laufe der Saison Alexandra Wilke, Tonisha Baker, Katie Yohn und Diana Voynova zwischenzeitlich mit Blessuren ausgefallen waren, stehen Anfang Januar alle Spielerinnen zur Verfügung.

Als Gewinn für die Mannschaft stellten sich die beiden Neuzugänge Stephanie Wagner und Marie Bertholdt heraus. Wagner war zu Saisonbeginn noch nicht so auffällig, half aber insbesondere in der Defensive von Anfang an. Mehr und mehr steigerte sich die 27-Jährige auch im Angriff. Die Deutsch-Amerikanerin Bertholdt spielte sofort frech auf, wenngleich ihr noch ein wenig die Konstanz fehlte.

Trainer lobt Einsatz seiner Schützlinge

Mit ihrem Einsatz schaffte es die 22-Jährige aber in die deutsche Nationalmannschaft – dort stellt der BC mit ihr, Wagner, Finja Schaake, Alexandra Wilke und Svenja Greunke gleich fünf Spielerinnen. „Ich fühle mich richtig wohl hier“, hat Bertholdt den Wechsel von Kalifornien nach Marburg nicht bereut. „Ich weiß, dass ich helfen und was ich bringen kann.“

Der Einsatz also stimmt, um das ehrgeizige Saisonziel – oben angreifen – in die Tat umzusetzen. „Ich liebe dieses Team, das macht so viel Spaß“, lobt Patrick Unger, wie seine Schützlinge mitziehen. „Die reißen sich den Arsch auf.“ Belohnen wollen sich die Spielerinnen mit einem möglichst guten Abschneiden in einer Bundesliga, die so ausgeglichen zu sein scheint wie schon lange nicht mehr.

Selbst der Abonnement-Meister aus Wasserburg hat schon zweimal verloren und den Schrecken vergangener Tage verloren. „Ich habe zwar das Gefühl, wir sagen das jedes Jahr: Aber dieses Jahr sind die schlagbar“, formuliert es Finja Schaake selbstbewusst. Man darf also gespannt sein auf den Rest der Saison.

von Holger Schmidt

Liga-Statistik nach 12 Spieltagen
BC Marburg: Finja Schaake (14,1 Punkte im Durchschnitt), Katie Yohn (11,2), Tonisha Baker (10,0), Svenja Greunke (9,6), Marie Bertholdt (7,8), Diana Voynova (7,8), Stephanie Wagner (6,7), Alexandra Wilke (3,6), Paige Bradley (3,3), Paula Kohl (0,7), Kim Winterhoff (0,6).
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