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Auf dem Weg an die Spitze

Squashspielerin Janina Bein Auf dem Weg an die Spitze

Auf Platz 14 der deutschen Rangliste steht Janina Bein im Augenblick. Die Squashspielerin arbeitet ehrgeizig an ihrem Ziel, noch weiter nach oben zu kommen.

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Janina Bein ist schon als Kind technisch bestens ausgebildet worden. Das Augenmerk liegt nun auf der Fitness. Bei der Hessenmeisterschaft zahlte sich das mit Platz zwei aus.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das lästige und zermürbende Warten auf eine Referendariatsstelle hat für Janina Bein auch etwas Gutes: Die 26-Jährige kann viel und hart trainieren. Und das hat sich bereits ausgezahlt. Die Athletin von den Skwosch-Fröschen Marburg verpasste bei den Hessenmeisterschaften den Titel nur um eine Winzigkeit und musste sich mit Silber begnügen. Aber was heißt hier begnügen? „Es war meine erste Hessenmeisterschaft seit Jahren. Da ist es eine Ehre, den zweiten Platz zu machen“, sagt die gebürtige Elnhäuserin.

Leidenschaft flammt bei England-Aufenthalt neu auf

Sechs Jahre lang hatte der Squash-Schläger in der Ecke Staub angesetzt. Dann verbrachte Janina Bein ein Jahr als Au Pair in Guildford, südwestlich von London gelegen. Dort unterrichtete sie Deutsch an einer Schule. Keine schlechte Idee, wenn man später als Deutsch- und Englischlehrerin an einem Gymnasium arbeiten will. Auch keine schlechte Idee, wenn man in die hessische Spitze im Squash vordringen will. „Ich hatte das erste Mal wieder einen Schläger in der Hand“, sagt Bein. „Da hat‘s mich direkt gepackt.“

Angefangen hatte Janina Bein schon als Zehnjährige bei den Skwosch-Fröschen. Schon damals mit einigem Erfolg. Sie mischte bei Ranglistenturnieren mit und wurde in den Hessenkader berufen. Dann, mit 18 Jahren, stand der Schulabschluss an. „Es wurde zu viel, den Sport und das Abitur unter einen Hut zu kriegen“, sagt Janina Bein. Squash-Pause.

Als Kind hatte sie Fußball beim TSV Elnhausen ausprobiert. Außerdem tanzte sie acht Jahre lang Ballett bei „Danceart“. „Ich habe das immer gerne gemacht“, blickt sie zurück, ihre erste Aufführung sei „Die vier Jahreszeiten“ gewesen. Ihre große Leidenschaft war aber Squash.

Im August 2015 kehrte sie zu den Fröschen zurück, fügte sich schnell ein in die Hessenliga-Frauenmannschaft und sogar in die dritte Männermannschaft, die in der Bezirksliga spielt. „Ich habe angefangen, für mich Ziele zu definieren“, sagt Janina Bein. Privat heißt das: Sie will in Hessen bleiben, hofft auf ein Referendariat am liebsten im Raum Marburg, „weil mir das alles ans Herz gewachsen ist“. Bei den Fröschen hat sie Spaß als Trainerin des Nachwuchses gefunden. „Das würde ich nur ungern aufgeben.“

Für sich selbst hat sie zudem eine sportliche Zielsetzung. Und die klingt so ehrgeizig wie selbstbewusst: „Ich probiere, in Deutschland ganz oben anzugreifen. Der Weg da hin ist das Ziel. Ich möchte sagen können: Ich habe alles probiert.“

Training fünf- bis sechsmal in der Woche

Fünf- bis sechsmal pro Woche trainiert die Marburgerin in der „Move Sportwelt“, entweder mit Ball in den Courts oder an den Fitnessgeräten. „Ich musste bei null anfangen“, sagt die 26-Jährige angesichts ihrer langen Pause vor dem England-Aufenthalt. Ihr Coach Rainer Müller hat einen Trainings- und Ernährungsplan erstellt, ein Rädchen soll ins andere greifen.

Technisch ist Janina Bein durch Müller, der derzeit auch als Bundeshonorartrainer für die U19 und die U17 arbeitet und beim Squash-Verband für die Trainerausbildung in Deutschland verantwortlich ist, ohnehin in jungen Jahren schon gut ausgebildet worden. Das Augenmerk liegt deshalb auf der Fitness. „Bei den Frauen ist oft das Läuferische ausschlaggebend“, sagt Janina Bein. „Wenn man eine gute Schnelligkeit hat, zu den Bällen läuft und sie nicht aufgibt, gibt das oft den Ausschlag.“ Die Wettkampfhärte dafür holt sie sich bei den Männern in der Bezirksliga und beim Training.

„Ich kann mich sehr gut motivieren, ich kann mich quälen“, sagt die derzeitige Nummer 14 der deutschen Rangliste. „Ich habe Spaß daran, Fortschritte zu sehen.“ Müller kann das nur bestätigen: „Ich brauche sie nicht anzutreiben, das macht sie selbst.“ Die Trainingsplanung mit ihr mache ihm Spaß, ergänzt der Coach, der seinem Schützling bescheinigt: „Sie hat körperlich einen Sprung gemacht, durch ihren Ehrgeiz und ihre Disziplin.“

Dieser Ehrgeiz steht ihr hin und wieder aber auch im Weg. „Ich mache mir manchmal zu viel Druck“, sagt Janina Bein. Dadurch verkrampfe sie in Matches gelegentlich. Aber: „Daran arbeiten wir auch. Man muss sich mit sich selbst auseinandersetzen.“

Nur ein Quäntchen fehlt im Finale der „Hessischen“

Es mag sein, dass ihr der Druck bei den Hessenmeisterschaften den Titel gekostet hat. Deutschlands Topspielerin Sharon Sinclair (Monopol Frankfurt) fehlte, weil sie bei der Weltmeisterschaft in Frankreich spielte. „Da habe ich meine Chance gewittert“, sagt Janina Bein. Auf dem Weg ins Finale verlor die Marburgerin in der Gruppenphase nur ein Match - mit 1:3 gegen ihre spätere Endspielgegnerin Heike Sauder vom 1. Frankfurter Squash-Club. Die Revanche missglückte. Im Finale ging der fünfte und entscheidende Satz mit 12:10 an Sauder. „Es war eine sehr knappe Geschichte und hätte in beide Richtungen ausgehen können“, blickt Janina Bein zurück. Natürlich sei sie enttäuscht gewesen. „Aber ich kann sehr zufrieden sein mit der Leistung.“

Das letzte Quäntchen soll demnächst für die Marburgerin sprechen. Dass es noch weiter nach oben geht, scheint ­jedenfalls ausgemacht. „Es ist die Frage, wie weit“, sagt Trainer Rainer Müller, der überzeugt ist: „Unter die ersten Zehn in Deutschland auf jeden Fall. Wo Schluss ist, bestimmt sie selbst.“

Geht es nach Janina Bein, dann vermutlich erst, wenn sie an der Spitze angekommen ist. An die Deutsche Meisterschaft im Februar werde sie dennoch locker rangehen. „Man muss realistisch sein. Es wäre aber schön, die Ranglistenposition zu halten“, sagt sie. Platz 14 würde das bedeuten. Und in der nächsten Saison will sie dann ganz oben angreifen.

von Holger Schmidt

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