Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Artur Mamberger lebt seinen Traum

Boxen Artur Mamberger lebt seinen Traum

Artur Mamberger hat einen richtig harten Schlag. Okay, könnte man sagen, den haben viele gute Boxer. Bei dem 16-Jährigen aber steckt mehr dahinter. Sein Trainer schwärmt: Er hat das Herz für den Sport.

Voriger Artikel
Clemens Haberzettl schießt Rekord-Tor
Nächster Artikel
Torverhältnis gibt den Ausschlag

Mit Pokal und Medaille der EM: Artur Mamberger (Mitte) mit Ronald Leinbach vom 1. Boxclub Marburg (links) und seinem Onkel und Trainer Eugen Mamberger.Foto: Yanik Schick

Marburg. Es ist schon fast ein wenig komisch: Artur Mamberger (1. BC Marburg), ungefähr 1,80 Meter groß, dazu ein stattlicher Vorzeigeathlet, wirkt im persönlichen Gespräch außerordentlich sympathisch. Der Berufsschüler aus Gießen erzählt von sich und seinem Alltag, lacht, ist entspannt, aber auch ein bisschen schüchtern.

Dabei kann Artur auch ganz anders: vor allem dann, wenn er in sein „Wohnzimmer“, den Boxring, steigt. Dort kennt er mit seinen Gegenübern meist überhaupt keine Gnade. „Es war wie eine Schlacht“, erinnert sich der 16-Jährige an seinen letzten großen Kampf in diesem Jahr.

In der südrussischen Stadt Anapa boxte Artur um nicht weniger als den Europameisterschaftstitel der U-17-Junioren bis 63 Kilogramm. Mühsam hatte er sich an den Tagen zuvor bereits gegen Gegner aus der Slowakei, Ukraine und Irland ins Finale gekämpft.

Dort wartete schließlich Issa Evloev auf ihn - ein starker Mann aus dem Stall der Gastgeber. Und damit der Einzige, der noch zwischen dem Gießener und dem Gewinn der Europameisterschaft stand.

Mit dem Beginn des Fights liefen beide zur Höchstform auf, boten sich ein ausgeglichenes Duell. Die Fäuste flogen hin und her. Heute weiß Artur, wie er seinen russischen Kontrahenten in die Knie hätte zwingen können. „Wäre ich einen Schritt zurückgegangen, hätte ich ihn einfach ausgekontert.“

Doch das wollte ihm an diesem Tag nicht gelingen. 2:1 hieß es am Ende nach Punkten zugunsten Evloevs. Artur holte hingegen zum zweiten Mal nach 2012 Silber bei einer EM.

Sein Onkel und Trainer Eugen Mamberger hat sich den Kampf danach noch einige Male angeschaut. Er kommt zu dem Schluss, dass das Urteil der Kampfrichter zwar nachvollziehbar, aber nicht gänzlich unstrittig gewesen sei. „Der Andere war dominanter und aktiver. Aber Artur hatte die bessere Technik und auch mehr Treffer“, ist er sich sicher.

Erstaunlich ist, dass Artur die Entscheidung der Fachleute in Russland scheinbar vollkommen cool zur Kenntnis nahm. Immerhin hätte ein Sieg den größten Erfolg seiner noch jungen, aber doch bereits glanzvollen Karriere bedeutet. Also überhaupt kein Grund zum Ärger?

„Naja, ich stelle mich einfach wieder neu drauf ein“, erklärt der 16-Jährige gelassen, „ich weiß: Beim nächsten Mal muss ich doppelt so hart trainieren.“

Was für andere wie eine Qual klingt, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Einfach noch eine Schippe drauf packen - mit dieser Taktik hat sich der Boxer schon 31 Pokale für die heimische Vitrine gesichert. Dabei war er noch zu Beginn seiner Laufbahn dem Boxsport alles andere als euphorisch zugeneigt.

„Ich war damals selbst noch aktiv und habe ihn zum Training mitgenommen“, erzählt Eugen Mamberger, „natürlich hatte er noch etwas Angst und wollte nicht wirklich.“ Nach den ersten Boxstunden jedoch habe er sofort gesehen, dass Artur die motorischen Veranlagungen mitbrachte. „Aber ich habe mich gefragt: Hat er auch das Herz dafür? Und das hat er in den folgenden Jahren bewiesen“, sagt der Trainer stolz.

Inzwischen ist das Naturtalent mehrfacher Deutscher Meister. Wenn Wettkämpfe anstehen, trainiert Artur sogar bis zu sechsmal pro Woche. Er verzichtet dann auf Treffen mit seinen Freunden. „Ich glaube, ein Nicht-Leistungssportler könnte da gar nicht mithalten“, sagt er.

Momentan laufen bereits die Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in St. Petersburg. Dort will sich Artur auf jeden Fall gegen Issa Evloev revanchieren. Sein großer Traum ist Olympia 2020. Auch wenn die Qualifikation dafür schwierig wird, ist eins sicher: Artur wird kämpfen bis zur letzten Sekunde.

von Yanik Schick

Voriger Artikel
Nächster Artikel
../dpa-ServiceLine-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-170707-99-155169_large_4_3.jpg
Fotostrecke: Wie werde ich Sounddesigner/in?