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Als Marburg zur Olympiastadt aufstieg

Ausstellung in der Universitätsbibliothek Als Marburg zur Olympiastadt aufstieg

Das Olympia der deutschen Studentenschaft setzte wichtige Impulse für die Entwicklung 
der Stadt Marburg 
und des universitären Sportinstituts.

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Die „Ausstellungsmacher“ Dr. Alexander Priebe (von rechts), Miriam Jäger sowie Lucas von Zansen (von links) und Rianna Dörffler umrahmen Christa Jaeck, die Tochter des Gründers des Instituts 
für Leibesübungen der Universität Marburg.

Quelle: Michael Seehusen

Marburg. Die Amtsträger rühmen Marburg gerne als „Sportstadt“, dass es mit Fug und Recht auch als „Olympia“-Stadt bezeichnet werden kann, ist nur wenigen bekannt. Die Ausstellung „Das Deutsche Akademische Olympia 1924 in Marburg“ in der Universitätsbibliothek entreißt dieses Ereignis der historischen Demenz.

„Kommilitonen! Unsere Zeit verlangt Menschen der Kraft, Menschen des Willens und der Tat. Dringender als je ist es daher unsere Aufgabe, uns körperlich und seelisch zu ertüchtigen, um für alle Dienste, die das Vaterland von uns verlangt, wohl vorbereitet zu sein“, so lautete der Aufruf des Deutschen Hochschulamts für Leibesübungen an die deutsche (und öster­reichische) Studentenschaft, sich vom 18. bis 20. Juli 1924 beim 8. Deutsch-Akademischen Olympia zu messen.

In nur neun Monaten Vorbereitung waren die Wettbewerbe ermöglicht worden. Hauptverantwortlich für dieses Gelingen war der im Herbst 1923 angestellte Akademische Turn- und Sportlehrer Dr. Peter Jaeck, der im April 1924 das Institut für Leibesübungen (IfL) der Universität gründete. Er bündelte für das Akademische Olympia die Kräfte der Stadt, der Universität und der Studentenschaft.

Späterer Weltrekordler war am Start

So wurde unter anderem das Universitätsstadion ausgebaut und mit Tribünen versehen sowie das Florabad erworben. Das kunsthistorische Seminar Richard Hamanns entwarf das Olympiaplakat, dokumentiert wurden die Spiele im Bildarchiv Foto Marburg. Tatkräftige Unterstützung fand Jaeck bei der schon damals gut vernetzten Akademischen Turnverbindung ATV.

1700 Teilnehmer fanden sich schließlich bei Olympia Marburg ein, darunter 50 Frauen. Bei dem in Mannschafts-, Mehr- und Einzelkämpfen gegliederten Programm galt der Leichtathletik und dem Schwimmen das besondere Interesse. Am Start war auch der spätere Mittelstrecken-Weltrekordler Otto Peltzer, der spätere DFB-Präsident Peco Bauwens leitete das Fußball-Endspiel. Dichtgedrängt verfolgten die zahlreichen Zuschauer die Wettbewerbe.

Für die Sportmedizin wurde Olympia Marburg quasi zur Feldstudie, Dr. Paul Schenk stellte bei seinen Untersuchungen fest, „dass wir bei unseren ernsthaft Sport treibenden ­Studenten bereits deutlich anatomisch-konstitutionelle Unterschiede gegenüber den ­
ihren Körper vernachlässigenden Akademikern finden“.

Hintergründe aus erster Hand

Olympia setzte wichtige Impulse für Marburg als „Sportstadt“, das IfL Marburg entwickelte sich unter der Leitung von Jaeckl zum zentralen Institut in Preußen bei der akademischen Turn- und Sportlehrerausbildung.
„Diese Ausstellung macht neugierig“, sagte die stellvertretende Uni-Bibliotheksleiterin Renate Stegerhoff-Raab bei der Eröffnung.

Dr. Alexander Priebe, pädagogischer Mitarbeiter im Institut Sportwissenschaft und Motologie, hatte sich des Themas angenommen, Miriam Grabarits steuerte inhaltlich Wesentliches dazu bei. Gemeinsam mit den Studenten Rianna Dörffler, Miriam Jäger, Jana Ostwaldt, Jan Neumann sowie Lucas von Zansen wurde die Ausstellung konzipiert. Andrea Zank übernahm die Gestaltung der Poster und Plakate.

Sein umfangreiches Wissen stellte Walter Bernsdorff den Forschern zur Verfügung. Er vermittelte auch den Kontakt zu Christa Jaeck, der Tochter des Institutgründers. Sie war bei der Eröffnung anwesend und wusste noch viele interessante Hintergrundgeschichten zu den ausgestellten Exponaten zu erzählen – zu denen auch ein Ruder-Einer gehört, die der Bootsbaumeister der Uni Marburg Matthias Horn aufgearbeitet hat.

  • Die Ausstellung ist im Oberen Foyer der Universitätsbibliothek bis zum 31. Januar 2016 
zu ­sehen. Die Öffnungszeiten sind Mo. bis So. von 8 bis 24 Uhr.

von Michael Seehusen

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