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50 Jahre an der Seitenlinie

Fußball 50 Jahre an der Seitenlinie

Benno Kischnick ist wohl einer der ältesten aktiven Linienrichter in Deutschland.

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Fußball im Blut: Benno Kischnick (Mitte) mit seinen Söhnen Bernhard (links) und Norbert.Privatfoto

Wohratal. Seit mehr als 50 Jahren begleitet der 83-Jährige seine beiden Söhne Bernhard und Norbert zu ihren Fußballspielen und steht dort als Hobby-Linienrichter am Spielfeldrand. Er wuchs in Georgswalde in Ostpreußen auf. Seine Familie wurde im November 1947 vertrieben. Seine neue Heimat fand er ab Januar 1948 in Wohra.

„Im Krieg musste ich unter den Russen arbeiten“, erinnert er sich an seine Jugend. Seine schulische Ausbildung konnte er nie gänzlich abschließen. „Nach Kriegsende musste ich sofort arbeiten und beim Wiederaufbau helfen, für die Schule blieb keine Zeit.“ Kischnick verbrachte die Tage mit harter Arbeit und verdiente Geld, um für seine Familie eine neue Existenz in Wohratal aufzubauen.

Für einen Verein stand Benno Kischnick nie aktiv auf dem Platz. Den Ball am Fuß hatte Benno Kischnick nur beim Freizeitkick mit seinen beiden Söhnen. Doch die Spiele seiner Jungs begleitete der Vater mit viel Freude. Durch sie kam er dazu, sich als Linienrichter zu versuchen. Norbert Kischnick hat seine aktive Laufbahn in der Kreisliga inzwischen beendet, doch der 57-jährige Bernhard (Berni) spielt immer noch für den B-Ligisten TSV Wohratal.

„Meine Söhne haben ihre Karriere größtenteils im gleichen Verein durchlebt. Meine Leidenschaft zum Fußball ist eng mit Bernhard und Norbert verbunden“, sagt Benno Kischnick. Beste Erinnerungen hat der Rentner an die Aufstiege, die seine Söhne in den Kreis- und Bezirksligen feierten. „Das waren die schönsten Momente.“

Vater Kischnick war dabei an der Seitenlinie immer auf Ballhöhe. „An der Fahne ist er konsequent. Er winkt mich als Sohn bei strittigen Abseitsentscheidungen genauso ab wie jeden anderen“, lacht Bernhard Kischnick. Der 57-Jährige ist froh und stolz, dass sein Vater im fortgeschrittenen Alter noch die Leidenschaft am Fußball hat. „So lange ich noch Fußball spiele, wird mein Vater auch dabei sein“, glaubt er.

Nicht nur die Wochenenden verbringt Benno Kischnick für den TSV Wohratal auf dem Sportplatz. „Ich engagiere mich auch nebenbei für den Verein. Alle paar Tage halte ich den Außenbereich rund um den Sportplatz in Schuss, das hält fit“, sagt Kischnick.

Überhaupt hat die gesamte Familie mit der Fitness kein Problem. Noch bis vor kurzem fuhr Benno Kischnick täglich für eine Apotheke Medikamente aus, sein im Vorjahr verstorbener Bruder Horst spielte noch mit 86 Jahren regelmäßig Prell- und Volleyball. Und Bernhard Kischnick ist mit 57 Jahren immer noch aktiv. Den Fünftplatzierten der DFB-Wahl zum „Amateur des Jahres 2014“ konnte auf einer seiner vielen Afrikareisen nicht einmal die Malaria aufhalten. Dabei lag Benno Kischnicks Sohn zwei Wochen im Koma. „Damals haben alle gesagt, dass der Berni nur überlebt hat, weil er durch den Fußball so fit ist“, sagt der Vater.

Seine Familie ist und bleibt ein eingeschworenes Team. Die Liebe zum Fußball, die wöchentlichen Fahrten zu Heim- und Auswärtsspielen und die Verbundenheit in die Heimat sind wichtige Gemeinsamkeiten im Leben der Kischnicks. Und so lange Berni Kischnick noch die Fußballschuhe schnürt, bleibt auch der Vater seiner Linie treu.

„Benno ist die treue Seele des Vereins“, macht Andreas Schütz, der gemeinsam mit Berni Kischnick als Fußball-Abteilungsleiter fungiert, der Kultfigur des TSV Wohratal ein Riesenkompliment. Auch der Verband hat bereits eine Ehrung ins Auge gefasst.

von Kurt Arke

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