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Zwei Endspiele wie aus dem Drehbuch

Eintracht Stadtallendorf Zwei Endspiele wie aus dem Drehbuch

Wird Eintracht Stadtallendorf für den Traditions­verein KSV Hessen Kassel zum Stolperstein im Kampf ums sportliche Überleben in der vierten Liga? Diese Frage entscheidet sich an diesem Samstag im Auestadion.

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Szene aus dem Hessenpokal-Achtelfinale: Kassels Steven Rakk versucht, Stadtallendorfs Torwart Hrvoje Vincek (rechts) zu überwinden. Der KSV gewann nach Elfmeterschießen.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Es ist fast so, als hätte sich jemand ein Drehbuch für das Saisonfinale des KSV Hessen Kassel ausgedacht. Allerdings eines, bei dem noch nicht gänzlich klar ist, ob es ein einfaches, doppeltes oder gar kein Happy End gibt. Fest steht nur: Stadtallendorf spielt die alles andere als unbedeutende Nebenrolle, was die sportliche Zukunft der „Löwen“ angeht.

Gegen die Eintracht will Kassel an diesem Samstag seine Position im Kampf um den Liga-Verbleib verbessern (die OP berichtete). Im Finale des Hessenpokals kämpft der KSV am Pfingstmontag (17 Uhr) gegen Ligakonkurrent TSV Steinbach um den Einzug in die erste DFB-Pokal-Hauptrunde – und zwar in Stadtallendorf.

„Wir haben noch zwei Highlight-Spiele vor uns“, spielt KSV-Coach Tobias Cramer auf das Saisonfinale und das Pokal-Endspiel an. „Wenn wir unsere Leistung auf den Platz kriegen, können wir beide Mannschaften ärgern“, ist sich Cramer sicher.

Zumindest weiß der Übungsleiter, von wem die Gegner seines Teams eingestellt werden: Unter Steinbachs Coach Matthias Mink war Cramer zwei Jahre lang Co-Trainer beim KSV Hessen Kassel, ehe der A-Lizenz-Inhaber nach Minks Weggang 2016 zum Chefcoach befördert wurde.

Fall in die Hessenliga möglich

Und auch Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja kennt der 43-Jährige schon länger. „Wir schätzen uns sehr und haben beide eine hohe Affinität zum Fußball“, weiß Cramer, dessen 13 Jahre jüngerer Bruder Lukas in der Saison 2010/2011 in Stadtallendorf spielte – bereits unter Sicaja, dem der Kasseler Coach am Montag telefonisch zum Klassenerhalt gratulierte.

Womöglich ist die Partie gegen die Eintracht aber schon Cramers letztes Liga-Heimspiel als „Löwen“-Dompteur. Zwar wurde der Vertrag des gebürtigen Winterbergers beim KSV im Winter bis 2020 verlängert, der Kontrakt gilt aber nur für die Regionalliga. Über einen etwaigen Abstieg macht sich der Trainer der Nordhessen, die in ihrer Geschichte wegen finanzieller Nöte nicht nur einmal einen Neustart in den Niederungen des Amateurfußballs machen mussten, „keine Gedanken“ – obwohl der Fall in die Hessenliga alles andere als unrealistisch ist.

„Beim letzten Spiel hat es der Koblenzer Trainer (Anel Dzaka, Anmerkung der Redaktion) auf der Pressekonferenz treffend auf den Punkt gebracht. Er sagte: ‚Wenn es einen Fußballgott gibt, bleiben solche Teams wie Hessen Kassel in der Liga.‘“, sagt Cramer. Die TuS und den KSV eint nicht nur die finanziell angespannte Situation, sondern auch die sportliche Ausbeute in der zweiten Saisonhälfte.

Die gesamte Saison nie aufgegeben

In der Winterpause wegen eines großen Punkte-Rückstandes von so manchem Beobachter schon totgesagt, stellt der KSV mit 25 Punkten aus 17 Spielen die sechstbeste Rückrunden­elf – eine Bilanz, die auch Sicaja ­einen gehörigen Respekt für seinen Kollegen abringt: „25 Punkte sind nicht gerade wenig“, weiß der Kroate, dessen Schützlinge in dieser Statistik mit 16 Punkten aus 17 Spielen nur Tabellenvorletzter sind. Auch Cramer lobt sein Team für diese „Wahnsinnsleistung“; dass sein wegen Einleitung eines Insolvenzverfahrens mit neun Minuspunkten in die Runde gestartetes Team die gesamte Saison nie aufgab.

Wenngleich die Eintracht dem KSV am letzten Spieltag einen sportlichen Konkurrenzkampf liefern will, macht auch Sicaja keinen Hehl daraus, dass er sich den KSV in der Regionalliga wünscht – nicht zuletzt, weil gerade Traditionsvereine wie der KSV Hessen oder die Stuttgarter Kickers Fußball-Liebhaber in die Stadien zögen.

Tim-Philipp Brandner wieder dabei

Personell sind die Vorzeichen bei den Nordhessen gut: „Alle Mann an Bord“, verkündet Cramer, der guter Dinge ist, dass im angeschlagenen Sebastian Szimayer der mit zehn Treffern beste KSV-Torschütze auch wieder mit dabei ist – genau wie Tim-Philipp Brandner, der lange wegen einer Rheumaerkrankung fehlte. Cramer: „Er ist ein enorm wichtiger Spieler für uns. Er bringt alles mit, was es im Abstiegskampf braucht: Laufbereitschaft und eine gute Intuition für Spielsituationen.“

Brandner kommt gebürtig aus Neukirchen, begann seine Karriere beim dortigen SC – also dem Club, mit dem Sicaja zu seinen aktiven Zeiten in der Regionalliga spielte. Man stelle sich vor, dem 27-Jährigen gelingt gegen Sicajas Team eine Aktion, die drehbuchwürdig wäre.

von Marcello Di Cicco

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