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Vize-Europameisterin mit Ambitionen

2. Fußball-Bundesliga Vize-Europameisterin mit Ambitionen

Fast hätte Lisann Kaut ­ihren Fußball-Sommer 
mit dem U-19-EM-Titel ­gekrönt. Zeit zum Verschnaufen blieb der 18-Jährigen seitdem kaum, denn kurz nach der „Euro“ begann schon ein neues Abenteuer: Die Runzhäuserin spielt jetzt in der 2. Fußball-Bundesliga.

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Lisann Kaut (am Ball, TSG Hoffenheim II) behauptet sich im Spiel gegen den FSV Hessen Wetzlar gegenüber Maike Simbeck und Zoe Brückel.

Quelle: imago

Runzhausen. Viel besser hätte der Auftakt in die laufende Saison für Lisann Kaut und ihr neues Team kaum laufen können: Mit 7:0 Toren und sechs Punkten aus zwei Spielen belegt die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim nur wegen eines weniger geschossenen Tores Tabellenplatz zwei hinter dem 1. FC Saarbrücken in der 2. Bundesliga, in der schon der Start besonders war.

Gleich am ersten Spieltag traf die aus dem Gladenbacher Stadtteil Runzhausen stammende Lisann Kaut auf den FSV Hessen Wetzlar um die Marburgerin Stefanie Peil und die Sterzhäuserin Lorena Preiß, mit denen Kaut noch bis Mai zusammengespielt hatte. Doch in den vergangenen drei Monaten ist viel passiert. Sehr viel sogar, gehörte die damals noch 17-Jährige doch zur Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei der U-19-Europameisterschaft in der Schweiz, bei der sie mit dem deutschen Team Zweiter wurde.

Von einer Weltmeisterin trainiert

„Dass ich bei der EM dabei sein würde, hatte ich eine Woche vorher erfahren. Ich war gerade bei Freunden, als mir meine Mutter eine E-Mail mit der Nominierung schickte“, erinnert sich Kaut – auch an eine wegen der Hitze „sehr anstrengende“ EM, bei der für die Runzhäuserin im Halbfinale gegen Norwegen die große Stunde schlug, als die Innenverteidigerin in der 23. Minute für die verletzte Verena Wieder als Linksverteidigerin eingewechselt wurde.

„Generell war es mein Ziel, es in die Nationalmannschaft zu schaffen. Ich war nicht fixiert darauf, zu spielen“, war Kaut keineswegs enttäuscht, dass sie erst nach überstandener Gruppenphase von Trainerin Maren Meinert, Weltmeisterin von 2003 und mehrmalige Europameisterin, eingesetzt wurde – im Gegenteil. „Ich hatte noch nie so viel Spaß wie in diesem Spiel. Ich war überglücklich, dass ich spielen durfte“, verrät Kaut, die mit der Mannschaft schließlich 2:0 gewann und ins Finale gegen Spanien einzog.

Über Länderpokal zur Nationalmannschaft

Auch in dieser Partie wurde Kaut eingewechselt – die ebenso knappe wie bittere 0:1-Niederlage konnte aber auch sie nicht verhindern. „Enttäuscht“, weil die DFB-Elf für sie unerklärlicherweise „nicht richtig ins Spiel“ kam, war Kaut danach, und „trotzdem stolz“, bei dem in zwei Vierergruppen ausgetragenen Endrundenturnier so weit gekommen zu sein.

Schon bei der EM-Qualifikation im April hatte Kaut gegen die Slowakei (8:0) und England (3:2) den Adler auf der Brust getragen. Dafür hatte sie sich, beginnend im November vergangenen Jahres nach dem Sieg mit dem „Team Hessen“ beim Länderpokal in Duisburg – bei diversen Sichtungslehrgängen und einem Trainingslager in Spanien empfohlen und gegen eine Fülle anderer Spielerinnen durchgesetzt.

„Gewechselt, um mich weiterzuentwickeln“

Über den VfL Weidenhausen (ab F-Junioren) und SC Gladenbach (ab D-Junioren) kam sie ab der C-Jugend zu den Sportfreunden Blau-Gelb Marburg und zum VfB Wetter. Für beide Clubs besaß sie auch ein Zweitspielrecht. Anschließend zog es sie zum FSV Hessen Wetzlar, bei dem sie in der B-Juniorinnen-Bundesliga kickte. Bei den Domstädtern wurde Kaut noch als Juniorin ins Seniorinnenteam in die damalige Bundesliga Süd „hochgezogen“ und absolvierte dort zwei Spielzeiten.

Seit Sommer hat die Runzhäuserin im Kraichgau ihr zweites Zuhause. „Nach Hoffenheim bin ich gewechselt, um mich weiterzuentwickeln“, begründet Kaut, die auch ein Angebot des 1. FFC Frankfurt vorliegen hatte – aber: „Die Atmosphäre hat dort nicht so gepasst.“ Schon nach einmaligem Probetraining wusste Kaut, dass die TSG ihre neue sportliche Heimat werden würde, denn: „Es hat einfach alles gestimmt.“

U-20-Weltmeisterschaft im Visier

In St. Leon-Rot, wo die Teams des Frauen-Bundesligisten beheimatet sind, „ist alles an einer Stelle“. „In Wetzlar hatten wir keinen eigenen Bereich“, vergleicht die Abwehrspielerin, die in der Hoffenheimer U20 eingeplant ist, einen Einjahresvertrag unterschrieben hat und in zwei Jahren ihr Abitur ablegen will. Und noch etwas ist besonders bei der TSG. „Hier lebe ich in einer Gastfamilie.“ Eine solche Bindung zu anderen Menschen zu haben und eben nicht völlig auf sich alleine gestellt zu sein, sei ihr wichtig, betont Kaut, die in ihrer Freizeit gerne klassische Musik auf dem Klavier spielt.

Ende dieses Monats beginnt die Qualifikation für die 2020 anstehende U-20-Weltmeisterschaft. „Ich hoffe, dass ich wieder bei der Quali dabei sein darf“, sagt Kaut – wenngleich sie weiß, dass es bis zum nächsten persönlichen Sommermärchen noch ein weiter Weg ist. Bis dahin steht der Liga-Alltag an – und der hat es bereits in naher Zukunft in sich, denn schon am nächsten Sonntag (14 Uhr) empfangen Kaut und Co. Saarbrücken zum Spitzenspiel.

von Marcello Di Cicco

Einen Artikel aus Lisann Kauts Zeit als B-Juniorin aus dem Dezember 2015 lesen Sie hier.

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