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Lokalsport „Wir sind an unsere Grenzen gestoßen“
Sport Lokalsport „Wir sind an unsere Grenzen gestoßen“
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00:17 08.11.2018
Der Stadtallendorfer Felix Nolte (links) und Michael Schindele vom SSV Ulm kämpfen um den Ball. Quelle: Thorsten Richter
Stadtallendorf

Am Ende des Sturms wartet ein goldener Himmel – so heißt es in dem aus vielen Fußball-Stadien bekannten Lied „You’ll never walk alone“. In jenem Lied, das der diesmal auch als Stadionsprecher tätige ­Eintracht-Pressesprecher Christoph Grimmel auflegte, als der sehr gut leitende Schiedsrichter Jan Dennemärker (Saarwellingen) die kurzweilige Partie zwischen dem Kellerkind vom Herrenwald und dem Topteam von der Donau abpfiff.

Kein goldener Himmel, aber treue Fans unter hellblauem Himmel, die während des Songs ihre grün-weißen Schals demonstrativ in die Höhe streckten, warteten auf die Eintracht-Spieler, als sie sich niedergeschlagen in die Kurve begaben. „Im Endeffekt haben wir verdient verloren“, brachte Routinier Daniel Vier auf dem Weg in die Kabine eine Einschätzung zum Ausdruck, die viele TSVler teilten.

„Gegner war einfach besser“

„Der Gegner war einfach besser. Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, wir sind an unsere Grenzen gestoßen – auch was das Körperliche und die Spielgeschwindigkeit betreffen“, stellte Trainer Dragan Sicaja fest. Auch für den Sportlichen Leiter Fejz Hodaj hatte sich „die bessere Qualität durchgesetzt“: „Wenn man die gesamten 90 Minuten betrachtet, muss man zugeben, dass die Ulmer einen Tick besser waren.“

Trotz des dritten Auftritts binnen acht Tagen waren die Schwaben von Beginn an körperlich fit und geistig präsent – keine Spur von DFB-Pokal-Blues. Vor allem mit scharfen Flanken sowie hohen Bällen auf die letzte Kette bereiteten die Mannen von SSV-Trainer Holger Bachthaler der Sicaja-Elf Schwierigkeiten, und die Ulmer verbuchten ein klares Chancenplus: etwa durch Aron Viventi, der mit einer Direktabnahme den Pfosten traf (10.), Florian Krebs, dessen Kopfball TSV-Torwart Hrvoje Vincek neutralisierte (45.), oder David Braig, der nach einem Einwurf aus der Drehung knapp übers Tor schoss (80.).

"Bis zum Schluss ein enges Spiel"

„Mit etwas Glück hätten wir einen Punkt mitnehmen können“, meinte Stadtallendorfs Kristian­ Gaudermann, der allerdings wusste, dass sein Team „bei drei, vier, fünf Aktionen“ mit Fortuna im Bunde war.
Der Rechtsverteidiger unterstützte die Glücksgöttin, als er zweimal in höchster Not kurz vor der Torlinie klärte (55., 85.). „Es war bis zum Schluss ein ­enges Spiel, weil wir es versäumt hatten, es zu unseren Gunsten zu entscheiden“, monierte Bachthaler, der feststellte: „Es war etwas fahrlässig, wie wir mit unseren Chancen umgegangen sind.“

Auch wenn die gut kämpfenden Gastgeber ab Mitte des ­ersten Abschnitts gefälliger nach vorne kombinierten: richtig zwingend wurden sie im ­gesamten Spiel nicht.
Zum einen, weil der letzte Pass nie ankam, und zum anderen, weil die Herrenwälder zu wenig aus ihren Konter- und Überzahlsituationen machten – gerade nach der Pause. „Wenn du keine Tore schießt, kannst du kein Spiel gewinnen“, sah Vier das Problem im „Gesamtpaket“: hinten nicht sattelfest genug, vorne zu harmlos.

Hinzu kam, dass die Ostkreisler den Gästen das Tor des Spiels auflegten: Nach einer scharf ­hereingetretenen Freistoßflanke von Luigi Campagna verfehlten Freund und Feind den Ball. Beim Versuch, die Situation mit einem Befreiungsschlag zu entschärfen, bugsierte Felix Nolte­ den Ball versehentlich wieder ins Gewühl vor dem Tor vor die Füße von Außenverteidiger Michael Schindele, der ihn über die Torlinie stocherte (70.). „So ein Gegentor zu fangen, ist ärgerlich“, haderte Gaudermann.

Zu zögerlich bei Gegenstößen

Sein Team begegnete den Baden-Württembergern nach Wiederanpfiff zwar mit offenem Visier, bei Gegenstößen agierte es aber zu zögerlich oder traf die falschen Entscheidungen.
Dass bei der Eintracht nach den Abgängen von Topstürmer Del-Angelo Williams in der Offensive der Schuh drückt, ist nicht neu. Vielmehr zieht sich das Problem wie ein roter Faden durch die Runde: In der Hälfte aller Spiele erzielte der TSV kein Tor, nur dreimal traf er in einer Partie zweimal oder häufiger.

Einen Automatismus, deswegen in der Mitte Dezember ­beginnenden Winterpause personell nachzulegen, sieht Hodaj aber nicht: „Wir werden nicht verrücktspielen, sondern vertrauen unserem Team. Wenn sich etwas ergibt – egal, auf welcher Position –, machen wir uns Gedanken. Aber es ist nicht so, dass wir sagen: ‚Auf dieser oder jener Position müssen wir etwas machen.‘“
Zumal die Bedingungen für Transfers nicht einfacher würden. Hodaj: „Wir wussten schon vor der Runde, dass uns eine ­Offensivkraft gut tun würde. Aber wenn man vor der Saison schon keinen geeigneten Spieler findet, dann wird es in der Winterpause nicht einfacher – und auch nicht günstiger.“

von Marcello Di Cicco